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- 16. März 2011 4 Min.

Bringt Eric Saade den ESC nach Stockholm?
Rund zwei Monate vor dem Song Contest in Düsseldorf stehen alle Teilnehmer fest. Queer.de gibt Dir den Überblick.
Von Norbert Blech
Noch acht Wochen, dann heißt es wieder Eurovision Song Contest. In diesem Jahr sind insgesamt 43 Länder vertreten, es ist wie immer eine bunte Mischung. An Schnuckeln wäre da erstmal die schwedische Grinsebacke Eric Saade, der grundsätzlich auch mit seiner Musik gute Chancen auf eine hohe Platzierung hat, würde er das nicht zu sehr einfordern: "I will be popular", singt er, während die Scherben um ihn herum bersten. Hohe Erwartungen hat auch Großbritannien mit der ehemaligen Boyband Blue, die dagegen schon als Understatement wirken.
Weitere Schnuckel senden Russland, Aserbaidschan sowie Dänemark und, mein Gott, Christos Mylordos aus Zypern täte es zur Not auch noch. Aus Griechenland kommt Loucas Yiorkas, dem leider ein schlechter Rapper zur Seite gestellt wurde. Der Gaydar springt noch an bei Glenn Vella aus Malta sowie, mit Abstrichen, bei dem Sänger aus Rumänien.
Sieht man sich die Videos der einzelnen Beiträge an (die Galerie ist weiter unten verlinkt), gibt es im Vergleich zu den Vorjahren noch recht wenig halbnackte Hintergrundtänzer, das kann sich aber noch ändern. Glaubt man dem Video, bietet dafür die Slowakei einen ganzen Miss-Wettbewerb auf der Bühne (vielleicht sind die da auch nur aufgetreten, uns fehlte die Lust zur Recherche).
Genug zum Thema Optik. Die Schweiz versucht es dieses Jahr mit einer Art Lena (bessere Stimme, schlechterer Song); Finnland schickt eine Art James Blunt ins Rennen, der aussieht wie Michael Cera in leicht pummelig und irgendwas über die Erde singt, beide Lieder haben etwas. Für Kroatien tritt eine Britney-Spears-Doppelgängerin auf die Bühne, ihr Song ist aber klassischer Eurovisions-Pop. Pfiffe verdient Anastasiya Vinnikova, die fröhlich-naiv "I love Belarus" singt.
Die guten und die albernen Seiten

Der französische Tenor Amaury Vassili liegt bei den Buchmachern vorn
Spannend wird sein, wie die Zwillinge Jedward aus Irland abschneiden. Die wurden durch "The X Factor" in Großbritannien bekannt, kamen mit einem Song in die Charts, wurden sofort wieder von der Plattenfirma gefeuert und gelten im Vereinigten Königreich inzwischen als nervige Plage.
Was Trash betrifft, ist vor allem Portugal bemerkenswert, das die neuen Village People suchte und Leute vom Dorf fand (also jetzt mal ehrlich: What the fuck?). Kurz dahinter im WTF-Ranking folgt Moldau mit einer Art Funk-Rap, Bosnien begrüßt die Zuhörer mit einem Gejodel und Mazedonien hat leider nicht Rok Agresori mit "Kukuriku" nach Düsseldorf gewählt, der hätte schon fast wieder gut sein können.
Die Buchmacher sehen Frankreich vorne, mit einem jungen Tenor und einer Frisur, mit der man sich sonst nur in den Musikantenstadel traut. Unter den Favoriten sind auch Großbritannien (Blue mit nicht dem besten Song), Norwegen (afrikanischer Tanz-Hiphop), Estland (Tanz-Ballade), Schweden (selbstverliebter Schnuckel-Pop) und Deutschland. Lenas Song ist der originellste, hat aber Dürftigkeiten in den Lyrics und ist zu wenig Tanznummer, um zu gewinnen. Auch Dana International dürfte mit ihrem neuen Song kein zweiter Sieg gegönnt sein.
Düsseldorf: Karnevalisten und Schützen

Düsseldorf will sich als moderne Metropole verkaufen und hat noch ein wenig zu tun
Inzwischen wurden auch erste Details zu der Show bekannt. Zum Anfang wird Lena ihren Siegersong aus dem Vorjahr vortragen, unterstützt von Stefan Raabs Big Band. Der Entertainer wird dann zusammen mit Anke Engelke die Show moderieren, die von 26 Kameras gefilmt werden soll. Die Sängerinnen und Sänger treten auf einer vergleichsweise kleinen Bühne auf, umrandet von LED-Wänden. Nachdem in Oslo darauf verzichtet wurde, sollen die einzelnen Länder vor den Beiträgen nun wieder mit "Postkarten" vorgestellt werden - in ihnen wird auch die in die jeweilige Landessprache übersetzte Fassung des Slogans "Feel your heart beat" gesprochen. In der Pause kommt Jan Delay mit seiner Gruppe "Disko No. 1" auf die Bühne, bisher ist nicht die Rede davon, dass man den sensationellen Flash-Tanzmob aus dem letzten Jahr wiederholen oder durch etwas anderes toppen will.
Auch die Stadt Düsseldorf hat erste Pläne vorgestellt. So soll das Dreischreibenhaus (ehemaliges Thyssen-Hochhaus) zu einer Riesenleinwand werden, die von ganz weit gesehen werden soll - direktes Public Viewing ist freilich nur für die Arbeiter der riesigen U-Bahn-Baustelle gegenüber möglich. Am Finaltag soll ein gemeinsamer Karnevalisten- und Schützenumzug durch die Altstadt gehen (ja, wirklich).
Fast ebenso abschreckend gelang ein offizieller Düsseldorf-Song zum ESC, die Stadt sucht in einem Wettbewerb Nachwuchssänger. Einen Tag vor dem Finale gibt es ein Partyboot mit alten Grand-Prix-Stars und Karl Lagerfeld eröffnet am Graf-Adolfplatz einen temporären Beauty-Shop (ja, wirklich). Indessen bereitet sich die Szene auf all die schwulen Touristen aus Europa sowie auf das Spektakel an sich vor, im gemütlichen Seitensprung etwa gab es schon mehrere Eurovisions-Abende. Es dürfte voll werden im Mai in der eher beschaulichen Szene der NRW-Landeshauptstadt.
Queer.de wird mit dem Musikexperten Jan Gebauer und dem Nörgelexperten Norbert Blech vor Ort vertreten sein und die Geschehnisse mit einem Live-Blog, Berichten und Interviews begleiten, für die Semi-Finals und das Finale ist wie im Vorjahr eine Kombination aus Liveticker und Chat mit den Usern geplant.















Das ausgereifteste Lied singt Lena - let's face it!