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- 18. März 2011 3 Min.

Noch ist der Song abrufbar
Der Musiksender Viva wird das aktuelle Musikvideo "I need a doctor" von Dr. Dre ab sofort an einer Stelle, an der von "faggots" (Schwuchteln) die Rede ist, mit einem Piepston unterlegen. Damit reagierte der Sender umgehend auf eine Beschwerde des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD).
"Jugendlichen wird suggeriert, dass 'Schwuchtel' ein cooles Wort sei, das coole Rapper verwenden", kritisiert der LSVD. Homophobie werde verherrlicht. Besonders kritikwürdig fand der Verband, dass das Wort auch in einer Untertitelung übersetzt wurde.
Der Sender antwortete nach LSVD-Angaben in weniger als 24 Stunden. "Es wurde veranlasst, dass der Clip nicht mehr mit der deutschen Untertitelung ausgestrahlt wird und dass die betreffende Stelle im Video gebeeped wird", so Heike Leidiger, Director Business & Legal Affairs des Senders in einer Antwort an den Verband.
Die Verwendung des Begriffes in dem Song sei geeignet, "die Gefühle unsere Zuschauer zu verletzen", so der Sender weiter. "Wir bedauern ausdrücklich, dass Inhalte auf MTV und VIVA unsere Zuschauer in ihren Gefühlen verletzt haben. Umso mehr, da MTV und VIVA als MTV Networks Sender eine lange Tradition haben, ihr Programm ausdrücklich für eine breite Zielgruppe ungeachtet ihres Geschlechts, ihres ethnischen, sexuellen oder religiösen Hintergrunds zu gestalten und MTV und VIVA sich somit explizit auch an schwule und lesbische junge Erwachsene richten."
Die Änderungen sollen schnellstmöglich erfolgen, derzeit ist der Song noch in der ursprünglichen Version auf viva.tv abrufbar, verlinkt von der Startseite. Über ein Vorgehen gegen weitere Songs, auch deutschsprachige, wurde zunächst nichts bekannt.
Debatten um homophobe Wörter
Immer wieder gibt es, vor allem im Ausland, Debatten, in wieweit homophobe Sprache in Songs nicht zu einer Zensur oder zumindest einer Auspiepsung führen sollten. Dr. Dre benutzt in dem Song "Schwuchtel" als Beleidigung, wie viele Rapper im In- und Ausland als Kraftausdruck anstelle von anderen.
Einige Songs gehen noch weiter: Die letzte große "Faggot"-Debatte spielte sich Anfang des Jahres um den alten Song "Money for Nothing" von Dire Straits ab, nachdem es die kanadische Medienaufsicht verboten hatte, den Song unverändert abzuspielen (queer.de berichtete). In ihm ist von einer "kleinen Schwuchtel" mit Ohrring und Make-up die Rede (die als Sänger Geld für Nichts bekomme, ebenso wie ein Musiker, der auf die Bongos klopft wie ein Schimpanse). Der Song aus dem Jahr 1985 wird noch heute von vielen Radiostationen auf der ganzen Welt gespielt und bringt der Band viel Geld ein.
Doch macht die Piepserei immer Sinn? In Großbritannien etwa müssen Sender aufgrund des Jugendschutzes bis 21 Uhr alle möglichen "harten" Wörter auspiepsen. Wenn "faggot" nicht über den Äther geht, ist folglich noch keine inhaltliche Aussage getroffen. Die Wirkung, das Wort "Schwuchtel" als beleidigendes Schimpfwort zu verbreiten, bleibt bestehen.
Auch wird "Faggot" nicht immer negativ verwendet. Beispiel: Green Day, eine Rockgruppe, die es sich schon leistete, die unbekannte und schwule Punkband "Pansy Division" als Vorgruppe auf eine Amerika-Tour mitzunehmen. In dem Anklage-Song "American Idiot" sing Billie Joe Armstrong, selbst bisexuell: "Maybe I'm the faggot America". Die Kurzkritik an Homophobie, die von (größtenteils) Heterofans bei jedem Konzert mitgesungen wird, fällt oft einem Piepston zum Opfer. (nb)















Und der werbewirksame Piepton: Ist jemand bei Viva schon mal auf die Idee gekommen, es einfach selten bis gar nicht mehr zu senden? Oder will man Dr. Dre weiter das Geld in den A...schieben?