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- Von Micha Schulze
19. März 2011 2 Min.

Erst am vergangenen Dienstag hat Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit den beiden Gründern des Schwulen Museums Dr. Andreas Sternweiler und Wolfgang Theis ein Bundesverdienstkreuz ans Revers gepinnt (queer.de berichtete) - das fanden wir spitze! Nun, nur ein paar Tage später, ist der SPD-Politiker selbst Träger des "Großen Verdienstkreuzes mit Stern und Schulterband" - das finden wir weniger spitze, im Grunde genommen sogar ziemlich peinlich.
Bundespräsident Christian Wulff hat wohl jedoch seine eigenen Richtlinien für die Verleihung des "Bundesproporzkreuzes" und überreichte am Freitag den Staats-Orden nicht nur an Wowereit, sondern auch an den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU). Ursprünglich sollte Brandenburgs Landesonkel Matthias Platzeck (SPD) ebenfalls ein schickes Kreuzchen bekommen, der lag jedoch krank im Bett.
Und wofür nun diese hohe Auszeichnung? An der Spitze ihrer Bundesländer hätten sich die Politiker jahrelang in den Dienst für die Gemeinschaft gestellt, meinte Wulff bei der Feierstunde im Schloss Bellevue. In Wowereits Amtszeit sei Berlin in seine Aufgaben als Bundeshauptstadt hineingewachsen: Das Zusammenwachsen von Ost und West schreite sichtbar voran. "Heute schaut die Welt nicht nur auf Berlin, alle Welt kommt nach Berlin. Sie, Herr Wowereit, haben an dieser Entwicklung maßgeblichen Anteil", meinte der Bundespräsident, der vor kurzem selbst noch Ministerpäsident war.
Nun, bei allen Verdiensten unseres "das ist auch gut so"-Wowis: Für diesen Job wird er verdammtnochmal aus Steuergeldern bezahlt - sein Orden wäre die Wiederwahl im Herbst. Die Verdienstkreuz-Verleihung nur wenige Monate vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl hat ein zusätzliches Geschmäckle.
Doch vor allem: Die unschöne Praxis, dass sich Deutschlands Politiker gegenseitig Orden um den Hals hängen, entwertet die Leistung ehrenamtlicher Kämpfer und Streiter wie Sternweiler und Theis, die eine solche Auszeichnung wirklich verdient haben.















Braver Wauwau!
Ansonsten: guter Kommentar von Queer.de!