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  • Von Norbert Blech
    20. März 2011 37 2 Min.



In ihrem "Tatort" vom Sonntag hat sich die ARD an das Thema homosexuelle Fußballspieler gewagt. Das war gut gemeint, kam aber über Klischees nicht hinaus.

Mehr ist vielleicht nicht zu erwarten von einem Krimi, in dem hysterische Journalisten einen Zaun interviewen, Hooligans überzeichnet werden wie sonst nur Nazis in einem Hollywood-Actionfilm und der Mord letztlich durch ein Hundebellen aufgeklärt wird. Ohnehin, die Symbole: Ein Mann ist schwul und verdächtig, weil er eine Aids-Schleife als Schlüsselanhänger hat. Und die Kommissarin kommt auf das schwule Klemm-Leben eines Fußballers, weil sie Kondome unter seinem Bett findet. Nutzen ja offenbar nur Homosexuelle – so das viel zu oft genutzte Wort für Schwule in der Folge. [Anm.: Bitte Nachtrag unten beachten]

Womit der Krimi (wie etwa auch eine "schwule" Folge von "Soko Leipzig") mehr verrät über Drehbuchautoren und abnehmende Redakteure als über das Thema schwule Fußballer. Das wurde in einigen Dokumentationen längst tiefgreifender erörtert, gerade das DSF ist zu loben. Im "Tatort" hingegen hält die Kommissarin eine peinlich-aktivistische wie oberflächliche Rede und am Ende läuft der nun offen schwule Fußballer wieder für seine Mannschaft auf und wird nicht angefeindet. Könnte glatt aus der PR-Abteilung des DFB unter Theo Zwanziger stammen, und der war tatsächlich an der Entstehung des Films beteiligt.

Gut gemeint ist aber nicht gut, und die entscheidende Coming-out-Szene ist dann doch vergeigt: In einer Pressekonferenz bestätigt der junge Fußballer die Gerüchte, schwul zu sein, und bittet, ihn nicht zu verurteilen. Das ist nicht eine verfilmte Befreiung oder eine Selbstverständlichkeit, sondern wirkt wie ein Schuldeingeständnis – die filmische Umsetzung des Begriffes "bekennender Schwuler", der durch viele Journalistenhirne geistert und wohl auch bei Drehbuchautoren gegenwärtig ist.

Abseits von Klischees, peinlichen Dialogen und unnötigem Kleinkram bot das Drehbuch dann wenig unterhaltsames, Spannung oder gar Mitfiebern wollte sich auch nicht einstellen. Der schönste Satz, von Schauspiel und Regie freilich vergeigt wie der Rest, kam von einer vom lauten Gespräch im Flur genervten Nachbarin der Kommissarin: "Könnten Sie bitte woanders ermitteln, Frau Lindholm?". Dem schließen wir uns an.

Tatort "Mord in der ersten Liga" in der ARD-Mediathek

Nachtrag/Korrektur: Wie in den Leserkommentaren zurecht angemerkt wird, stehen die erwähnten Kondome nicht für sich, sondern tatsächlich in einem Zusammenhang mit der Aussage der Vermieterin, der Fußballspieler habe nur Herrenbesuch (so albern auch das wieder ist).

-w-

#1 alexAnonym
  • 20.03.2011, 22:58h
  • ach du meine güte, mann kann aber auch alles schlecht reden. ich fand den tatort gut gemacht.
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#2 soncaliuAnonym
  • 20.03.2011, 23:00h
  • Eurer Rezension ist nichts hinzuzufügen
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#3 Tim-Little-DevilAnonym
  • 20.03.2011, 23:03h
  • Das war wirklich der schwächste, langweiligste und klischee-beladenste Lindholm-Tatort , den ich bisher sah! Mag ja sein, dass die niedrsächsischen Ur-Einwohner jenseits der 60 das Zielpublikum sein sollen, aber dann sollte er auch nur im NDR gezeigt werden!

    Gebe dem QUEER-Kommentar in vielen Argumenten recht.

    Schade, sehr schade!
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