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- 12. April 2011 2 Min.
Kaum etwas bringt katholische Würdenträger so in Rage wie der "Verdacht" der Homosexualität in den eigenen Reihen - besonders, wenn es den Chef in Rom betrifft. Dann greifen selbst moderate katholische Medien gerne zu Worten wie "Hetze" und "Verleumdung", um zu zeigen, wie minderwertig Homosexualität doch ist.
Auslöser ist dieses Mal ein Interview des in NRW herausgegebenen schwul-lesbischen Magazins "Fresh". Darin äußerte der Kölner Theologe David Berger, der sich im vergangenen Jahr geoutet hatte, Unerhörtes: "Wenn man sich mit Theologen privat unterhält, dann sagen fast alle: Natürlich ist Ratzinger homosexuell veranlagt." Seine eigene, ungeliebte Sexualität veranlasse den Papst dazu, sich homophob zu verhalten: "Was er bei sich hasst, projiziert er auf andere und bekämpft es."
Für katholische Aktivisten ist das die größte anzunehmende Beleidigung: Berger verbreite "verleumderische Ansichten", empört sich kath.net - und provoziert die erwarteten Reaktionen seiner Leser: "Es ist bezeichnend, wie die Homosexualität doch das Gehirn ausschaltet", schreibt etwa User "Wolpertinger" - ein anderer Leser vergleicht den Theologen Berger mit einem Selbstmordattentäter in einem Atomkraftwerk.
Die besonders geschmacklose Seite kreuz.net ("katholische Nachrichten") geht bei der Verurteilung Bergers noch einen Schritt weiter: "Der ins braune Homo-Klo geplumpste Abfall-Theologe und immer noch Religionslehrer im Erzbistum Köln, David Berger, ist wieder ausfällig geworden", heißt es dort. Berger, so der empörte anonyme Autor, habe den Papst im "Homodreck-Magazin 'Fresh' als Sodomisten" beschimpft. Auf der Seite finden sich viele Kommentare von Lesern, die unter Berger - und anderen Schwulen - generell Kindesmissbrauch unterstellen. Ein Leser fragt allerdings eine höchst interessante Frage: "Woher weiß kreuz.net eigentlich, dass der Papst heterosexuell ist? Hat ihn schon jemand bei heterosexuellen Handlungen beobachtet?". (dk)
Links zum Thema:
» David Berger: „Der heilige Schein - Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche“ bei amazon.de
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im deutschen fernsehen können schwule offenbar auch nicht gezeigt werden, ohne dass ihnen eine starke sehnsucht nach heterosexualität unterstellt wird.
siehe tv-tipp heute:
ARD, 18.00 UHr
Verbotene Liebe (Serie D 2011)
Schock für Olli: Christian hat ihn mit einer Frau betrogen
Olli leidet unter der Vorstellung, dass Christian ihn betrogen hat. Dass er mit einer Frau geschlafen hat, macht es noch schlimmer.
www.queer.de/fernsehen.php
es ist ein skandal, dass ard und zdf, die im hauptabenprogramm praktisch keine schwulen und lesbischen protagonisten zeigen, schwule und deren identität, wenn sie dann doch mal irgendwo gnädigerweise vorkommen, gleich wieder mit widerwärtigstem heterosexismus überziehen und damit den eindruck erwecken, schwule seien in wahrheit doch (irgendwo) hetero.
eine perversere verdrehung der gesellschaftlichen realitäten kann es wohl kaum geben. solange sie uns und unsere partnerschaftlichen beziehungen nicht gleichberechtigt behandeln, sondern nur im rahmen heterosexistischer inszenierungen ins lächerliche ziehen, sollen sie gefälligst ganz auf die darstellung von schwulen und deren beziehungen verzichten!