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  • 19. April 2011 52 2 Min.

Die konservative Regierung will das Ehe-Verbot für Schwule und Lesben zementieren

Das ungarische Parlament hat am Montag eine neue Verfassung beschlossen, in der die gleich­geschlechtliche Ehe ausdrücklich verboten wird.

Der international umstrittenen Reform stimmten 262 Parlamentarier zu, 44 lehnten sie ab. Sie definiert die Ehe als eine "Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau". "Den wichtigsten Rahmen des Zusammenlebens", heißt es in der Präambel, bildeten "Familie und Nation". Die "Familie" sei die "Grundlage der Erhaltung der Nation", die Entscheidung fürs Kind werde gefördert. Kritiker sehen in diesen Formulierungen einen Verstoß gegen die EU-Grundrechtecharta, die eine Gleich­behandlung aller Menschen vorsieht. In der Verfassung werden jedoch Homo­sexuelle und Alleinerziehende – wie auch andere Minderheiten – ausdrücklich benachteiligt. Die von der vorherigen sozialistischen Regierung beschlossenen Eingetragenen Partnerschaften sind (bislang) von der konservativen Revolution noch nicht betroffen.

Die Verfassung enthält weitere umstrittene Formulierungen, die international für Unruhe sorgen: So wird erklärt, dass das Leben bei der Empfängnis beginnt, wodurch Abtreibungen leichter untersagt werden können. Zudem wird die Überprüfung von Gesetzen durch die Justiz eingeschränkt.

Vatikan lobt Ungarn


Das ungarische Parlament ist gegenwärtig fest in konservativer Hand (Bild: Adam Jones, Ph.D. / flickr / by-sa 2.0)

Ungarn rückt mit der Verfassung politisch näher an den Vatikan heran. So beginnt sie mit einem "Nationalen Glaubensbekenntnis", in etwa von der "die Nation erhaltenden Kraft des Christentums" die Rede ist. Papst Benedikt XVI. hat die Verfassung im Vorfeld der Verabschiedung bereits begrüßt, weil sie "christliche Werte" vertrete – er lobte besonders, dass "Ehe und Familie" geschützt werden würden.

Die Verfassung wurde allein vom regierenden konservativen Parteienbündnis Fidesz-KDNP beschlossen, das dank des Wahlsystems 2009 eine Zweidrittel­mehrheit der Sitze auf sich vereinen konnte. Sozialisten, Grüne und Liberale verließen aus Protest bei der Abstimmung das Plenum. Sie werfen Ministerpräsident Viktor Orbán vor, mit der Verfassung die "Alleinherrschaft" von Fidesz zementieren zu wollen.

In den letzten Tagen haben tausende Ungarn vor dem Parlament gegen die Verfassungsänderung protestiert. Auch Homo-Aktivisten sind bei den Protesten dabei: So sprach bei einer Veranstaltung in Budapest am Freitag der Aktivist Attila Nemeth: "Diese Verfassung ist nicht unsere", erklärte er nach Angaben von AP. "Keine Verfassung sollte unsere Menschenrechte und Freiheiten einschränken."

Die neue Verfassung soll am Ostermontag von Präsident Pál Schmitt unterzeichnet werden und am 1. Januar 2012 in Kraft treten. Ein Volksentscheid ist nicht vorgesehen. (dk)

-w-

#1 FinnAnonym
  • 19.04.2011, 13:05h
  • Wie lange will die EU eigentlich noch zusehen?

    Diese diskriminierende Verfassung verstößt gegen EU-Grundrechte!

    Wenn die EU das durchgehen lässt, ist das ein Dammbruch und der Anfang vom Ende der EU!
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#2 G. StrasserAnonym
#3 Timm JohannesAnonym
  • 19.04.2011, 13:14h
  • Das ist eine sehr negative Entwicklung in Ungarn. Das dort die Rechten 2/3 der Stimmen (!!!) bei den letzten Wahlen erhalten konnten, zeigt wie anfällig europäische Staaten bei nationalistischen, EU-kritischen Nationalpolitikern immer noch sind.

    Die Rechten konnten dort mit Ihren Parolen zu nationalen Themen punkten und insbesondere ihre Forderung nach Eingliederung bestimmter Gebiete an den Grenzen zur Slowakei sowie zu Serbien (das Gebiet der Vojvodina) haben dort ihnen viele Stimmen gebracht. Aber auch die desolate Personalaufstellung der etablierten Parteien in Ungarn hat Ihnen geholfen.

    Die Eheöffnung in Ungarn dürfte daher auf lange Zeit nicht kommen.

    Wenigstens wurde bereits die Eingetragene Lebenspartnerschaft in Ungarn vor Jahren bereits erlaubt und die ist von der Verfassungsänderung gottseidank nicht betroffen. Aber eine gleichgeschlechtliche Eheöffnung ist in Ungarn politisch kaum in absehbarer Zeit erreichbar.

    Hoffentlich kommen die ungarischen Nationalisten nicht auf die Idee, jetzt auch noch die Eingetragene Lebenspartnerschaft in Ungarn wieder abzuschaffen. Dazu bedarf es dann nur eines Aufhebungsgesetzes.

    Ungarn lernt uns, dass Demokratie immer wieder erkämpft werden muss und nicht selbstverständlich ist.
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