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- 05. Mai 2011 2 Min.

David Berger ist wegen seiner Sexualität bei Kardinal Meisner und Co. in Ungnade gefallen
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat dem schwulen Theologen David Berger die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen. Er darf damit nicht mehr Religion an staatlichen Schulen unterrichten.
Wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet, hat der Kölner Erzbischof am Montag Berger gefeuert, weil er "nicht mehr glaubwürdig im Sinne der katholischen Kirche unterrichten" könne. "Das Vertrauensverhältnis des Erzbischofs von Köln in die Glaubwürdigkeit von Herrn Dr. Berger, in Lehre und Lebensführung mit den moralischen und gesetzlichen Normen der Kirche übereinzustimmen, ist zerstört", so Meisner in dem von ihm untezeichneten Dekret. Vom wahren Grund der Entlassung - Bergers abweichende sexuelle Orientierung - erwähnte der Kardinal nichts in dem Schreiben.
Berger, der einst als konservativer Katholik galt, outete sich vor einem Jahr. Daraufhin verlor er seinen Job als Dozent an der Päpstlichen Akademie in Rom (queer.de berichtete). Im seinem vor wenigen Monaten erschienen Buch "Der heilige Schein" beklagte er die zunehmende Homophobie in der katholischen Kirche, obwohl es dort sehr viele versteckt lebende Schwule gebe. Im April brachte er dann katholische Aktivisten gegen sich auf, als er über die mögliche Homosexualität von Papst Benedikt XVI sinnierte (queer.de berichtete).
Der Theologe Berger hat damit seine letzte Funktion innerhalb der Kirche verloren. Bislang hat er im staatlichen Ville-Gymnasium in Erftstadt als Religionslehrer gearbeitet. Sein Schulleiter Hermann Hammes-Therre kritisierte, dass der Lehrer von einem Tag auf den anderen mitten im Schuljahr gefeuert wurde.
Empörung beim LSVD und Volker Beck

Kardinal Meisner in einem aktuellen Porträt (Bild: Wiki Commons / Gemos / Painted by Gerd Mosbach in 2010 / CC-BY-SA-3.0)
Empört reagierte der Lesben- und Schwulenverband auf die Entscheidung von Kardinal Meisner: "Meisner und der Vatikan versuchen mit Sprech- und Berufsverboten ihre Lehrmeinung durchzusetzen. Aber die Wahrheit lässt sich so nicht verbergen", erklärte LSVD-Sprecher Manfred Bruns. "Hier wird ein erfahrener Theologe aus dem Haus geworfen, weil er sich den Anforderungen der Bigotterie verweigert und offen zu seiner Homosexualität bekannt hat." Es sei typisch für die katholische Kirche, sich nicht mit Kritikern außeinanderzusetzen, sondern diese "mundtot" zu machen. Bruns begrüßte den "Mut und die Tapferkeit" Bergers.
Der grüne Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck bringt den Rausschmiss Bergers mit dem katholischen Missbrauchsskandal der letzten Jahre in Verbindung: "Meisner spricht einem profilierten Theologen die Kompetenz ab, weil er nicht asexuell lebt", erklärte Beck in einer ersten Reaktion. "Wäre die katholische Kirche nur bei Fällen sexuellen Missbrauchs halb so konsequent gewesen", so Beck. Antisemitismus, Homosexuellenfeindlichkeit und antidemokratische Tendenzen machten dem Kardinal offenbar weniger Sorgen als ein Mensch, "der offen zu seinem Leben steht", erklärte Beck. (dk)















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