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- 06. Mai 2011 2 Min.

Steckt ein bekennender Hetero in diesem Shirt?
Die Berichterstattung zum Rauswurf des Theologen David Berger holt den "bekennenden Schwulen" aus der Stereotypen-Mottenkiste.
Von Christian Scheuß
Die katholische Kirche reagiert mit gewohnten Mustern: Sexueller Missbrauch wird vertuscht, bei Schwulen, die sich nicht verstecken, zeigt man sich verhuscht. Kardinals-Saurier Meisner vermeidet ganz bewusst das Wort schwul oder homosexuell in seinem Dekret, mit dem er dem Theologen David Berger einen Tritt in den Arsch gibt. Eine Auseinandersetzung mit Bergers kritischer Betrachtung zum Umgang der Kirche mit Sexualität, die er in seinem Buch veröffentlichte, wird nicht gewünscht. Nichts Neues also unter der katholischen Sonne. Aber ein weiterer guter Grund, im Herbst nach Berlin zur Anti-Papstdemo zu reisen.
Die Massenmedien haben am Donnerstag umfangreich über den Vorfall berichtet, sich dabei aber wieder einmal eines Klischees bedient. Berger wird als "bekennender" Schwuler/Homosexueller deklariert. Terroristen schicken Bekennerschreiben nach Anschlägen, Christen geben Schuldbekenntnisse im Beichtstuhl ab. Aber was bekennen eigentlich Schwule oder Lesben oder Trans*Personen? Mal angenommen, ein Lehrer fliegt von seiner Schule, weil er sich auf eine Beziehung mit einer Schülerin eingelassen hat, spricht dann eigentlich irgendjemand von einem "bekennenden Heterosexuellen"?
Coming-out ja, Bekenntnisse unnötig
Das Coming-out ist kein Bekenntnis, sondern ein Prozess der Selbstfindung zur eigenen sexuellen Identität und der Akzeptanz dieser Tatsache durch das soziale Umfeld. Das "Outen" wie Wowereits "Ich bin schwul, und das ist gut so" ist eine Technik, mit der man diesen Prozess umsetzt. Aber es gibt für einen Menschen mit einer sexuellen Identität jenseits des Mainstreams nichts zu bekennen. Weder etwas Schuldhaftes noch einen Standpunkt, eine Haltung. Ein Schwuler ist ein Schwuler ist ein Schwuler. Mehr nicht. Das Konstrukt des "bekennenden Homosexuellen" ist ein künstliches, das nur existiert, weil eine nach wie vor gefühlte oder gewollte Ungleichheit besteht.
Es hat lang gedauert, um den Journalistinnen und Journalisten klar zu machen, dass das so genannte "Homosexuellen-Milieu" ein Begriff ist, der zur Kriminalisierung einer Gruppe beiträgt und deshalb aus der Liste des Wortschatzes zu streichen ist. Es ist Zeit, den "Bekenner", der die Ungleichheit nur zementiert, in die Mottenkiste zurückzustecken, und ein dickes Vorhängeschloss davor zu machen.
Links zum Thema:
» "Der heilige Schein" von David Berger bei Amazon
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Soll die Kirche ruhig weiter fähige Theologen rausschmeißen. In einer Zeit, bei der es auf einen Dialog zwischen den Religionen ankommt und gegenseitige Toleranz, schneidet die katholische Kirche sich langfristig ins eigene Fleisch.