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- 17. Mai 2011 2 Min.
Es fällt gar nicht so leicht, nach zwei Wochen Arbeit im Düsseldorfer Eurovision-Pressezentrum zurück zur täglichen Queer.de-Arbeit zu kehren. Zu frisch sind noch die Erinnerungen an lustige Pressekonferenzen, lebendige Parties, hervorragende Shows und die ein oder andere nebensächliche Streiterei mit dem NDR.
Wer unser 2-Wochen-Liveblog noch nicht gelesen hat, dem wünschen wir viel Spaß. Wir haben auch neu eine Galerie mit den besten Bildern aus zwei Wochen zusammengestellt.
In ihr finden sich auch Fotos der Sieger-Pressekonferenz, also mit Ell und Nikki aus Aserbaidschan, die recht ausweichend auf zwei Fragen antworteten, wie das Land denn auf schwule Besucher reagieren würde.

Womit wir wieder bei der Arbeit und in der Realität wären: Wie spaßig wird der Grand-Prix in Aserbaidschan? Homosexualität steht dort nicht mehr unter Strafe, es gibt aber keine Gesetze gegen Diskriminierung oder gar für eine Homo-Ehe. Die Polizei schikaniert und erpresst noch gelegentlich schwule Männer, deren Leben sich größtenteils im Verborgenen (und oft öffentlich in einer Hetero-Ehe) abspielt. Von einer Szene ist nichts bekannt.
Es ist eher nicht zu erwarten, dass ausländische Besucher Probleme wegen ihrer Homosexualität bekommen - zumeist wird ohnehin nur innerhalb offizieller Grand-Prix-Partys gefeiert. Könnte der ESC gar ein Aufbruchsignal vor Ort sein? Das Fernsehen übertrug jedenfalls die Pressekonferenz aus Düsseldorf live - die zwei Fragen zu schwulen Besuchern wurden mit übertragen und übersetzt. Auch in den kommenden zwölf Monaten könnte Homosexualität noch öfters thematisiert werden - das ist schon viel, nicht nur ist Schwulsein ein Tabuthema, auch sind die Medien stark reglementiert und Internet-Aktivisten und Oppositionelle landen gelegentlich im Gefängnis.
Doch ein echter Aufbruch für die Szene? Zu frisch ist noch die Erinnerung an den ESC in Moskau, der den örtlichen Aktivisten mehr Aufmerksamkeit für den gleichzeitigen CSD brachte. Doch die Teilnehmer landeten trotzdem im Gefängnis und hatten nicht mehr Zulauf. Weder von anderen Schwulen aus dem Land noch von den internationalen Besuchern. Fahren wir nach Baku? Wir sind unentschlossen. (nb)
s.a.: "Azerbaijan Eurovision 2012: Azerbaijan not a safe country for gay people", Statement der ILGA
Fotos: Pieter Van den Berghe, Elke Doels, Alain Douit (EBU)














