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- 18. Mai 2011 2 Min.

Montenegro, das erst 2006 seine Unabhängigkeit erlangte, strebt nun eine EU-Mitgliedschaft an (Bild: anjci / flickr / by 2.0)
Die Pläne für den Ende Mai geplanten ersten CSD Montenegros haben die Organisatoren bis auf weiteres auf Eis gelegt, weil die Polizei nicht für den Schutz von Schwulen und Lesben sorge - am Dienstag war es wieder zu Übergriffen bei einer schwul-lesbischen Veranstaltung gekommen.
Bei einem Konzert anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie in der Hauptstadt Podgorica haben Unbekannte mit Tränengas gefüllte Dosen in eine Menschenmenge geworfen. Mehrere Zuhörer mussten danach ärztlich behandelt werden. Außerdem gab es Berichte über tätliche Angriffe auf zwei Aktivisten in der Innenstadt. Sie sind dabei auch aufgefordert worden, nicht mehr "die Krankheit Homosexualität" zu verbreiten. Angesichts dieser Übergriffe haben sich die Organisatoren dazu entschieden, den für 31. Mai geplanten CSD aus Sorge um die Sicherheit vorläufig abzusagen.
CSD-Organisator Zdravko Cimbaljevic beschuldigte die Regierung, schwul-lesbische Veranstaltungen nicht ausreichend zu schützen: "Sie kündigt zwar ihre Unterstützung an, aber wenn ein konkreter Einsatz nötig ist, kommt nichts." Die Regierung beharrt jedoch weiter darauf, dass es eine "vorbehaltslose Unterstützung" für die Homo-Parade gebe. Die Nachrichtenagentur AP berichtet, die Regierung in Podgorica habe ein besonderes Interesse am CSD, da dieser im Brüssel als ein Gradmesser dafür gelte, ob das kleine Land EU-reif ist.
EU-Abgeordnete kritsieren Montenegro

Ulrike Lunacek fordert die Regierung in Montenegro auf, sich aktiv für die Gleichbehandlung zu engagieren (Bild: Die Grünen Österreich / Peter Rigaud)
Europaabgeordnete übten bereits Kritik an der montenegrinischen Regierung: "Wir haben gesehen, dass die Behörden keinen politischen Willen haben, Schwule und Lesben sowie deren Unterstützer zu schützen", erklärte Ulrike Lunacek, die Vizepräsidentin der schwul-lesbischen Intergruppe im EU-Parlament. Sie hält sich gegenwärtig in Montenegro auf. Die österreichische Grünenpolitikerin befürchtet, dass es mehr Übergriffe geben wird, wenn die Regierung nicht endlich handelt. "Wenn Montenegro auf dem Weg zur EU-Aufnahme voranschreitet, muss das Land alle seine Bürger schützen, auch aufgrund der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität." Lunacek erklärte, die Intergruppe werde weiter ein Auge auf die Entwicklung in Montenegro werfen.
Auch der slowenische Europaabgeordnete Jelko Kacin kritisierte die montenegrinische Regierung: "Die formale Zustimmung ist nicht ausreichend, weil die Behörden danach tatenlos geblieben sind", sagte der 55-jährige Liberale.
Montenegro gehört mit seinen 600.000 Einwohnern zu den kleinsten Ländern Europas und gilt mit seinen patriarchalischen Strukturen als wenig homofreundlich. Homosexualität ist dort zwar seit 1977 legal, Schwule und Lesben genießen jedoch keine gesellschaftliche Anerkennung. 2010 hat das Parlament ein Antidiskriminierungsgesetz beschlossen, das auch die Ungleichbehandlung aufgrund der sexuellen Orientierung verbietet. Das Gesetz wurde auf Druck der Europäischen Union verabschiedet. (dk)














