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- 19. Mai 2011 2 Min.
Vor wenigen Wochen hat sich der offen schwule Medienjournalist Stefan Niggemeier in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" über den Kabarettisten Serdar Somuncu aufgeregt. Nach dessen Witz, Guido Westerwelle verhalte sich "nicht dilettantisch, sondern dilettuntisch", unterstellte ihm Niggemeier, ein Problem mit Homosexuellen zu haben: "Er macht daraus auch keinen Hehl. Aber weil er als Kabarettist auftritt, denken die, die nicht mitlachen, er meint das ironisch."
In einer anderen Sendung habe Somuncu erzählt, wie er sich vor Hella von Sinnen und Anne Will ekelt. Niggemeier schreibt dazu: "Er hetzt [in der Show] so überzeugend gegen Lesben, dass es egal ist, ob er da womöglich eine Rolle spielt und das demaskierend meint: Die Show ist geilster Porno für Lesbenhasser".
On3-Südwild, das Jugendmagazin des Bayerischen Rundfunks, hat den 17. Mai, also den Internationalen Tag gegen Homophobie genutzt, um mit Somuncu zu sprechen. Der sagt, er sei nicht verantwortlich für die Missverständnisse, die aus seiner Arbeit entstüden. Und, im großen und ganzen: er sei kein Nazi. Stefan Niggemeier habe dieses Anti-Nazi-Sein zu wenig berücksichtigt, er hätte sich mehr mit seiner Arbeit beschäftigen sollen, denn er mache sich als Kabarettist über alles und jeden lustig.
Stattdessen werde "Lobby-Echauffage" betrieben, und es sei eines seiner Ziele, "dies zu entlarven". Das Problem ist nur: Die wenigen Ausschnitte, die der BR-Beitrag aus dem Schaffenswerk Somuncus zusammenfasst, zeigen keine Witze auf Meta-Ebene, wie er behauptet, sondern homopbobe Schenkelklopfer, die doch eher seine als die Homophobie des Publikums entlarven. Und was soll die Meta-Ebene überhaupt sein? Wenn Somuncu derart missverstanden werden kann, hat er ein Problem, nicht Niggemeier. (nb)














