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  • 22. Mai 2011 26 2 Min.

Der erste offen schwule Bundestags­abgeordnete der CDU: Dr. Stefan Kaufmann

Der Bundestags­abgeordnete Dr. Stefan Kaufmann führt die Union der baden-württembergischen Landeshauptstadt.

Von Carsten Weidemann

Vor zwei Jahren sorgte er als erster offen homo­sexueller Bundestags­abgeordneter der Union für Schlagzeilen, doch geschadet hat ihm das in seiner Partei offensichtlich nicht: Am Freitag wählte die Stuttgarter CDU den schwulen Juristen Dr. Stefan Kaufmann zu ihrem neuen Kreisvorsitzenden.

Ein Wechsel an der Spitze der Stuttgarter Union war notwendig geworden, weil der frühere Vorsitzende Michael Föll nach der baden-württembergischen Landtagswahl zurückgetreten war. Die CDU hatte dabei drei ihrer bisher vier Direktmandate an die Grünen verloren und wurde in der Landeshauptstadt nur noch zweitstärkste Kraft.

175 Stimmen für den schwulen Kandidaten

In der Abstimmung setzte sich Kaufmann, der zuvor bereits stellvertretender Kreisvorsitzender war, mit 175 Stimmen bereits im ersten Wahlgang klar gegen seine beiden Gegenkandidaten durch: Die Stuttgarter Kulturbürgermeisterin Dr. Susanne Eisenmann erhielt 130 Stimmen, der konservative Karl-Christian Hausmann vom Evangelischen Arbeitskreis 21 Stimmen.

Mit seinen liberalen gesellschaftlichen Ansichten gilt Stefan Kaufmann nicht als typischer Vertreter der konservativen schwäbischen Christdemokraten. Zwar ist er beim Thema "Stuttgart 21" stramm auf Parteilinie, doch sorgte es für Irritationen, als er beim Stuttgarter CSD Wassereis mit dem Spruch "Schwul ist cool" verteilen ließ oder in Lauras Club über die Probleme Transsexueller diskutierte. "Ich setze darauf, dass mich Menschen wählen, die sonst der CDU eher fern stehen", sagte er im Wahlkampf 2009 der Stuttgarter Zeitung.

Sein Engagement zahlte sich aus: Bei der Bundestagswahl erzielte Stefan Kaufmann, der mit seinem Freund im Stuttgarter Westen wohnt, ein Direktmandat im Wahlkreis Stuttgart I. Dort setzte er sich sogar gegen zwei prominente Mitbewerber durch: Grünen-Chef Cem Özdemir und die damalige SPD-Landesvorsitzende Ute Vogt lagen abgeschlagen hinten.

Dennoch muss man auf Kaufmanns Website lange suchen, um einen Hinweis auf seine sexuelle Orientierung zu finden. Auch zu schwul-lesbischen Themen meldet er sich im Bundestag so gut wie nie zu Wort. Sein Arbeitsschwerpunkt ist der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung.

Wöchentliche Umfrage

» Was hältst du von homosexuellen CDU-Politikern?
    Ergebnis der Umfrage vom 23.5.2011 bis 30.5.2011
-w-

#1 nachdenken
  • 22.05.2011, 13:44hBerlin
  • Ein sicherlich wichtige Entscheidung – auch für die CDU und auch ein Statement für die „anderen“ Fähigkeiten der Person. Letztendlich ist es ja nicht nur die Sexualität, die ein Zeichen für eine gute Politik sind. Nicht jeder – egal in welcher Partei – möchte sich nur auf die Belange von schwuler Klientelpolitik beschränken lassen. Natürlich auch keine schwule Politik, die scheinbar nur gut ist, wenn sie von der linken Seite kommt. Ein Johannes Kahrs (SPD) verhält sich ähnlich, ohne die Belange der Schwulen und Lesben zu vernachlässigen. Als Mitglied des Seeheimer Kreises gehört er ja auch gerade nicht zu den linken Genossen. Herr Kaufmann ist ja auch nicht der erste gewählte Bundestagsabgeordnete bzw. Politiker der Union, der sich offen zu seiner Sexualität bekannte. Die Formulierung - „Zwar ist er beim Thema "Stuttgart 21" stramm auf Parteilinie“ gehört auch wieder zu den typischen Meinungsbildern die so einige Vertreten. Ist man als Schwuler eigentlich dazu verpflichtet gegen den Neubau dieses Bahnhofes zu sein. Vielleicht mag es auch innerhalb der Community Menschen geben, die diesen Bahnhof befürworten.
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#2 jojoAnonym
  • 22.05.2011, 14:08h
  • Antwort auf #1 von nachdenken
  • ich finde deinen beitrag verharmlosend.

    es geht hier nicht darum, dass sich jemand als politiker nicht auf schwule politik beschränken lassen möchte, sondern darum, dass er bei abstimmungen GEGEN die rechte von lesben und schwulen die hand hebt.

    der unterschied dürfte doch eigentlich klar sein, oder?

    und was soll das heißen, dass schwule politik nur dann gut sei, wenn sie von linker seite komme? was kommt den bitte von der anderen seite an "schwuler politik"? soll ich mich jetzt aufgerufen fühlen, darüber nachzudenken, ob vielleicht eine "schwule politik", die sich GEGEN meine rechte wendet, auch irgendwie ihre vorteile hat?
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#3 chris
  • 22.05.2011, 14:09hDortmund
  • Antwort auf #1 von nachdenken
  • Was heißt denn bitte schwule Klientelpolitik? Für Klientelpolitik ist ja in Deutschland eindeutig die FDP zuständig - nicht wir.

    Natürlich haben schwule Politiker auch andere Fähigkeiten und sollte ihre Politik nicht auf Schwules beschränken aber es ist doch nunmal so, dass wir dringend mehr Gehör für unsere Belange finden müssen. Wenn sich dann offen homosexuelle Politiker nicht laut genug dafür einsetzen, obwohl sie in der Position sind dies zu tun, dann ist das durchaus unverständlich. Aber so ist die CDU nunmal. Schwule CDUler begründen das dann immer mit ihren konservativen Werten, diskriminieren sich allerdings dadurch selbst. Alles zum Wohle der Politik, die nicht will, das es Schwule und Leben überhaupt gibt.
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