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- 11. Juni 2011 3 Min.

Bei homophober Gewalt nicht ängstlich aber besonnen reagieren (Bild: jonfeinstein / flickr / by 2.0 & / flickr / by 2.0, Montage: queer)
In Köln haben sich mehrere Übergriffe auf schwule Cruiser ereignet. Täter waren immer Jugendgruppen. Queer.de gibt Tipps, wie man sich schützt.
Von Carsten Weidemann
Toni (46) ist auch Tage danach noch spürbar geschockt: "Am Aachener Weiher ist gerade die Hölle los!" Er wurde am 21. Mai im Cruisinggebiet von einer Gruppe Jugendlicher übel beschimpft, bedrängt und zuletzt von seinem Fahrrad gestoßen. Schon wieder ein schwulenfeindlicher Übergriff in Köln, nach einem Angriff auf einen Mann in der Nacht zum 9. April und einem Raub am 29. April. In allen Fällen sind Gruppen von sechs bis zehn Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 16 Jahren die Täter. Und immer beginnt es mit homophoben Beleidigungen.
Tonis Fahrrad ist Schrott, er selbst ist glücklicherweise unverletzt geblieben. "Eigentlich bin ich ja wegen der zunehmenden Härte aus Berlin weg und zurück ins tolerante Rheinland gezogen", berichtet er. Doch eine solche Begegnung mit aggressiven Kids hat er in der Hauptstadt selbst nie erlebt. Mit Flugblättern und in E-Mails will er jetzt die Kölner Szene über die Geschehnisse informieren. Einen 47-Jährigen, der zuvor am 29. April auf eine Gruppe Jugendlicher stieß, hat es etwas heftiger erwischt. Sie verlangten sein Geld, da er aber keines mit hatte, schlugen sie ihm ins Gesicht. Mit Prellungen und Schürfwunden floh das Opfer. Ein herbeigerufener Streifenwagen konnte kurze Zeit später auch die mutmaßlichen Täter festnehmen. Gegen sie wird jetzt konkret ermittelt, im Fall Toni dagegen zurzeit noch gegen "Unbekannt". Beim Ereignis am 9. April hat die Polizei keine weiteren Informationen vorliegen. Dort hatte ein Augenzeuge in der Nacht eine Gruppe Jugendlicher im Park gesehen, die schwulenfeindliche Beleidigungen in Richtung Cruisinggelände riefen und später gegen einen Cruiser tätlich wurden. Eine herbeigerufene Streife kam leider zu spät, um jemanden dingfest zu machen.
Andreas Jähnke, Pressesprecher der Kölner Polizei, kann beim jetzigen Stand der Dinge noch nicht sagen, ob es sich um verschiedene Tätergruppen handelt, oder um ein und dieselbe. Die Häufung der Vorkommnisse hat seiner Einschätzung nach schlicht saisonale Gründe: "Im Bereich des Aachener Weihers befinden sich, insbesondere bei dem guten Wetter der letzten Wochen, sehr viele Menschen. Dies führt - wie immer bei Menschenansammlungen - zu einem Ansteigen der Delikte der Straßenkriminalität aufgrund der dann vorhandenen Tatgelegenheiten." Gelegenheit macht Diebe. Jähnke verspricht für die kommende Zeit: "Seitens der zuständigen Polizeiinspektion Südwest wird insbesondere zu diesen Zeiten die polizeiliche Präsenz verstärkt, soweit dies das aktuelle Einsatzgeschehen zu lässt."
"Opferklau" statt Tränengas
Die Versuchung, sich für künftige Outdoor-Ausflüge mit Pfefferspray oder sonstigen Waffen auszurüsten, ist nach solchen Geschehnissen besonders groß. Doch die Experten raten davon ab, mit Gewalt gegen mögliche Bedrohungen zu reagieren. Das Risiko, dass die Situation eskaliert oder gar lebensbedrohlich wird, sei zu groß. Auf der anderen Seite ist die Angst von Augenzeugen groß, sich einzumischen und selbst zum Opfer von Gewalt zu werden. Viele wenden sich ab oder erstarren hilflos. Was also tun, wenn ich beim cruisen Opfer oder Zeuge einer Gewalttat werde? Tipps von der Polizei.
- Immer sofort die 110 anrufen (gebührenfrei auch ohne Guthaben auf der Karte).
- Aussehen und Bekleidung des Täters und Fluchtrichtung merken.
- Öffentlichkeit herstellen. Laut werden und die Situation klar benennen, zum Beispiel: "Der wird beraubt, der wird geschlagen".
- Falls andere Zeugen nicht helfen, diese Personen klar benennen und ansprechen, zum Beispiel: "Sie da in dem grünen Pullover, Sie da in dem schwarzen T-Shirt".
- Nie an den Täter gehen! Die Gefahr, dadurch selbst zum Opfer zu werden, ist zu groß.
- Immer versuchen, das Opfer aus der Situation zu ziehen, der sogenannte "Opferklau".













