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- 16. Juni 2011 2 Min.

Punks in Barcelona wissen, wie man richtig feiert. (Bild: Neue Visionen Filmverleih)
Die Doku "Noise and Resistance" zeigt, wie sich die Punkbewegung im Jahr 2011 präsentiert, auch von seiner queeren Seite. Es wird laut im Kino.
Von Carsten Weidemann
Es geht auch anders. Kommerz, Kapital und Konsum sind keine unumstößliche Notwendigkeit unserer Gegenwart. Dass man mit dieser Meinung nicht allein sein muss, zeigen Francesca Araiza Andrade und Julia Ostertag in ihrem wütenden und mitreißenden Dokumentarfilm. Was manchen nur als Lärm und Störung gilt, machen sie als vitale Artikulation des Widerstands deutlich: Punk ist hier weder Modeerscheinung noch verstaubtes Relikt der Vergangenheit, sondern der lebendige Ausdruck eines Lebensgefühls.
Die beiden Regisseurinnen haben sich mitten hinein in eine höchstlebendige und pulsierende Szene begeben, die sie in verschiedenen europäischen Metropolen ausfindig machten. Ob Hausbesetzer aus Barcelona, Antifaschisten in Moskau, niederländische Gewerkschaftskämpfer, die Aktivisten des englischen CRASS - Kollektivs, queere Wagenplatzbewohner aus Berlin oder Punkgirl-Bands aus Schweden. Diese Subkultur ist heute über das Internet weltweit vernetzt und funktioniert über nationale Grenzen hinweg. Neben ihren politischen Aktionen gegen bürgerliches und global-kapitalistisches Establishment eint sie vor allem die Musik. Die kommt nicht zu kurz.
Wir sind hier, wir sind queer

Eine Bewohnerin der Wagenburg Schwarzer Kanal in Berlin (Bild: Neue Visionen Filmverleih)
Auch nicht beim seit 1990 existierenden queeren Wohn- und Kulturprojekt "Schwarzer Kanal Berlin". Als Wagenplatz am Südufer der Spree errichtet, auf dem etwa 20 Menschen wohnten. Nach einem Umzug im Jahr 2010 befindet sich der Platz in der Nähe des Treptower Parks. Auf einer eigenen Bühne finden regelmäßig kostenlose Veranstaltungen wie Konzerte, Filmvorführungen und Theaterstücke statt. Die Bewohner greifen aufgrund fehlender Anschlüsse für Strom und Wasser auf Alternativen wie Solaranlagen und Regenwassernutzung zurück. Die Gemeinschaft kämpft als selbständiges Kulturprojekt seit jeher um Anerkennung von Politik und Gesellschaft.
Die aus Berlin stammende Regisseurin Francesca Araiza Andrade hat in den vergangenen Jahren einige Dokus zu den Themen Globalisierung, Migration, Gender, Hausbesetzung, Umstrukturierung und Antifaschismus produziert. Julia Ostertag ist Autorin, Regisseurin, Kamerafrau und Cutterin. Ihre Filme setzensich mit sexueller Identität und alternativen Lebensweisen auseinander, sind künstlerisch dem Undergroundfilm und inhaltlich kontroversen und queeren Thematiken verbunden, die im filmischen Mainstream keinen Platz finden. Beim "Berlin Pornfilmfestival 2006 erhielt sie einen Preis für ihren Kurzfilm "Sexjunkie".
Links zum Thema:
» Offizielle Website mit allen Aufführungsorten und -terminen
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
00:15h, BR:
School of Champions
Folge 12: Xmess – Georg muss seinen Eltern, die sehr religiös sind, seine Homosexualität gestehen.
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"queer" scheint sowas wie das neue verstecklabel zu werden für alle, die sich nicht mehr trauen, schwul zu sein, oder offenes und ausdrückliches schwulsein wieder aus der öffentlichen wahrnehmung verdrängen wollen.