https://queer.de/?14517
- 24. Juni 2011 2 Min.

Außenminister Guido Westerwelle (rechts) mit Lebenspartner Michael Mronz
Laut einer Allensbach-Umfrage glauben nur wenige Deutsche, dass die Homosexualität von Politikern öffentlich gemacht werden muss - viele wollen es auch gar nicht so genau wissen.
Das konservative Meinungsforschungsinstitut fragte, auf welche Informationen die deutsche Öffentlichkeit einen Anspruch hat. Lediglich 22 Prozent gaben an, dass die Homosexualität eines Politikers dazu gehört. Auch andere private Themen gehören nach Ansicht vieler Deutscher nicht zur Grundversorgung, so der Besuch von Prostituierten (26 Prozent), außereheliche Affären (24 Prozent) oder uneheliche Kinder (18 Prozent). Viel größer ist das Interesse an Interessenkonflikten der Politiker: So wollen 90 Prozent über Nebentätigkeiten von Politikern in Unternehmen und Verbänden informiert werden und 82 Prozent über Nebeneinkünfte. Jeder Zweite interessiert sich zudem für ernsthafte Krankheiten.
Allensbach ging genauer auf das Thema Homosexualität ein: Demnach wird die gleichgeschlechtliche Liebe immer noch von elf Prozent der Bevölkerung generell abgelehnt. 14 Prozent plädieren dafür, Schwule und Lesben rechtlich nicht anzuerkennen. Dennoch sprechen sich nur 36 Prozent für ein "demonstratives Bekenntnis zu Homosexualität in Ausübung eines Amtes" aus.
Renate Köcher, die Geschäftsführerin des Meinungsforschungsinstituts, nennt als Beispiel für dieses unbeliebte Bekenntnis Guido Westerwelle, weil er "auf Dienstreisen seinen Lebensgefährten mitnahm und sich damit demonstrativ zu seiner Homosexualität bekannte". In einem ausführlichen FAZ-Artikel erwähnt sie aber nicht, dass Westerwelle vor allem dafür kritisiert worden war, seinem Partner geschäftliche Vorteile aus den Dienstreisen zu gewähren (queer.de berichtete). Sie erklärte, dass Homosexualität zur Privatsphäre eines Politikers gerechnet werde - und daher für den Wähler unwichtig sei.
Einen Seitenhieb auf Schwule und Lesben konnte sich die Chefin des konservativen Instituts nicht verkneifen. So behauptet sie in dem Artikel - ohne Zahlen zu nennen - dass die meisten Deutschen Homosexualität genauso ablehnen würden wie Ehebruch: "Diese [Bereitschaft, rigide gesellschaftliche Normen der Sexualmoral nicht zu akzeptieren] bedeutet jedoch nicht, dass Prostitution in der Breite gesellschaftsfähig geworden wäre, außereheliche Beziehungen als unproblematisch gelten oder Homosexualität von den meisten als eine mit der heterosexuellen Beziehung gleichwertige sexuelle Orientierung angesehen würde". (dk)














