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- 14. Juli 2011 4 Min.

Michele Bachmann ist Teil der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung. (Bild: Wiki Commons / David Shankbone / CC-BY-3.0)
Sarah Palin war gestern, jetzt kommt Michele Bachmann: Die republikanische Präsidentschaftskandidatin will sich vor allem mit Breitseiten gegen Homo-Rechte profilieren.
Von Dennis Klein
Im Februar 2012 beginnen in den USA die Vorwahlen traditionell im US-Bundesstaat Iowa. Viele der bislang 14 republikanischen Kandidaten haben in dem Agrarstaat bereits mit ihrem Wahlkampf begonnen. Spitzenreiter in den Umfragen ist Michele Bachmann, eine 54-jährige Kongressabgeordnete aus Minnesota. Sie liegt mit 25 Prozent knapp vor Mitbewerber Mitt Romney (21 Prozent). Das erschreckende an Bachmann ist ihre offene Homophobie: Sie hat in der Vergangenheit Homosexualität als "Teil Satans" bezeichnet. Gott persönlich habe ihr gesagt, dass Schwule böse sind, sagte sie unlängst in einem Interview (queer.de berichtete). Besonders absurd ist ihre Äußerung, dass Menschen, die schwul oder lesbisch sind, "versklavt" seien – die echte Versklavung von Schwarzen im Amerika des 19. Jahrhunderts betrachtet sie dagegen als halb so schlimm. Immerhin, so argumentiert sie, lebten Sklavenkinder damals noch bei Mutter und Vater – und nicht wie heute in bösen Patchworkfamilien.
Herr Bachmann will Schwule heilen

In der satirischen "Daily Show" macht sich Moderator Jon Stewart über den effeminierten Homo-Heiler Marcus Bachmann lustig (Bild: Comedy Central)
Für US-Satiriker ist Bachmanns Position zu Homo-Rechten ein gefundenes Fressen. Fernsehsendungen wie "The Daily Show" oder "The Colbert Report" machen sich schon seit Wochen über Bachmann lustig. Im Juni wurde zudem bekannt, dass Bachmanns Ehemann Marcus versucht, Homosexuelle in einer christlichen Psycho-Klinik zu heilen – und auch dumme Sätze über Schwule sagt, wie diesen: "Wir müssen verstehen: Barbaren müssen Bildung erhalten. Sie müssen diszipliniert werden." Der Satz hätte genauso gut in einem Bondage-Porno auftauchen können.
Außerdem ist die Art, wie sich Herr Bachmann bewegt und wie er redet, ein wenig tuntig, wie in vielen Late-Night-Shows angemerkt wurde – und das führt zu allerhand Spekulationen. Zwar hat Marcus Bachmann dementiert, dass er Schwule heilen will. Ein Homo-Aktivist hat sich aber als Patient in die Klinik eingeschlichen und Aufnahmen mit versteckter Kamera von der Sitzung mit einem Therapeuten gemacht. Auch diese sind ein Jungbrunnen für Satiriker – so erklärte der Therapeut allen ernstes: "Gott hat die Augen so erschaffen, dass sie einen weiblichen Körper attraktiv finden. Alles an einem weiblichen Körper, die weiblichen Brüste."
Auch wenn Michele Bachmann derzeit in Iowa unter Republikanern in Führung liegt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie die Nominierung ihrer Partei erhält. Denn radikale Forderungen sind für die breite Masse immer abschreckend. Für Obama wäre Bachmann die ideale Gegenkandidatin, denn sie hat genug Blödsinn erzählt, die in schneidigen Werbespots zusammengeschnitten werden können und die nicht parteigebundene Amerikaner abschrecken.
Extremistische Kandidaten sind bereits in der Vergangenheit oft ausgesiebt worden, obwohl sie in den Medien den Ton angaben: 1988 bewarb sich etwa der Fernsehprediger Pat Robertson bei den republikanischen Vorwahlen. Er hatte zu diesem Zeitpunkt nicht nur seit Jahren Schwule und Lesben diffamiert, sondern einige Jahre zuvor auch schon das Ende der Welt für 1982 verkündet. Robertson gewann trotzdem 1988 vier Bundesstaaten, hatte am Ende jedoch keine Chance auf die Nominierung.
Republikaner: Viele unwählbare Vampire

Anders als Bachmann und Co. gilt der republikanische Bewerber Jon Huntsman als kompetent – und als Gefahr für Barack Obama (Bild: Slcphotog)
Viele der Kandidaten bei den Republikanern sind ohnehin Witzkandidaten: So bewirbt sich etwa der frühere Wrestler Jonathon Sharkey, der sich heute als "rechtsgerichteter Vampir" bezeichnet. Auch der erste offen schwule Bewerber, Fred Karger, hat keine Chancen auf einen Sieg. Außerdem gibt es neben Bachmann viele Bewerber, die so weit rechtsaußen stehen, dass sie für moderate Amerikaner unwählbar sind – etwa Newt Gingrich und Rick Santorum. Wenn die Republikaner Obama schlagen wollen, sind sie auch auf die Moderaten angewiesen.
Besonders gefährlich könnte Obama dagegen Jon Huntsmann werden, der frühere Gouverneur von Utah. Er gilt als gemäßigt und weltgewandt und hat sich sogar für die Einführung von eingetragenen Partnerschaften eingesetzt. Obama schickte Huntsman 2009 als US-Botschafter nach China – wie gemunkelt wird, wollte sich der Präsident so eines Rivalen um das Präsidentenamt entledigen. Huntsman legte den Botschafterjob aber im April 2011 nieder.
Die Buchmacher gehen jedoch davon aus, dass Mitt Romney die Vorwahlen für sich entscheiden wird: Bei PaddyPower erhält man für einen Euro Einsatz bei seiner Wahl nur 2,70 Euro zurück. Romney hatte einst als Gouverneur von Massachusetts alles versucht, um die Ehe-Öffnung zu verhindern, gilt aber als relativ gemäßigt. Für Michele Bachmann würde man für einen Euro 6,50 Euro erhalten, für Jon Huntsman 7,00 Euro. Traditionell schießt sich der eine oder andere Kandidat aber bis zur Entscheidung im Frühjahr 2012 selbst ins Bein. Und wenn die Bachmanns weitermachen wie bisher, muss sich niemand sorgen machen, dass sie einmal in Bushs und Obamas Fußstapfen treten werden.













