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- 16. Juli 2011 3 Min.

Nach zehn Stunden im Flieger spielt die innere Uhr verrückt (Bild: Lufthansa/Gregor Schlaeger)
Urlaub in Rio de Janeiro oder auf Bali macht Spaß, der lange Flug dorthin weniger. Tipps gegen die Probleme der so genannten Düsenflugzeug-Zeitdifferenz
Von Carsten Weidemann
Was für geübte Vielflieger kein großes Problem mehr darstellt, kann für Urlauber, die lange Strecken gen Ost oder West absolvieren, den Start in eine unbeschwerte Freizeit schwer machen. Die "Düsenflugzeug-Zeitdifferenz", besser bekannt als Jetlag schlägt mit Müdigkeit, Verdauungsproblemen, Kopfschmerzen und Erschöpfung zu. Manchmal mehrere Tage lang.
Der Mensch, das alte Gewohnheitstier, muss sich auf eine andere Zeitzone und einen neuen Wach-Schlaf-Rhythmus gewöhnen. Was - außer nach Südafrika zu fliegen, das auf demselben Längengrad und damit in derselben Zeitzone wie Deutschland liegt - kann man gegen den Zeitzonenkater tun?
Wichtig zu wissen: Es gibt verschiedene Faktoren, die die Schwere der Symptome beeinflussen. So spielt zum Beispiel das Alter eine Rolle.
Am besten immer nur nach Westen fliegen

Chicken oder Pasta oder etwas Undefinierbares? Langstreckenflüge bedeuten Stress (Bild: nAok0 / flickr / by-sa 2.0)
Auch die Reiserichtung ist ein Faktor. Wer gen Westen, zum Beispiel in die USA fliegt, kommt schneller mit der Zeitumstellung klar. Das liegt an unserer inneren Uhr, die sich einen Teufel um den geltenden 24-Stunden-Plan schert. Unsere Biologie ist auf einen etwas längeren Tag eingestellt, länger wach zu bleiben ist für uns deshalb einfacher. Wer morgens in Deutschland losfliegt, um am Morgen in New York anzukommen, rutscht einfach schneller rein. Wer nach zehn Stunden in Thailand landet, dem fehlen plötzlich sechs Stunden Zeit.
Es gibt ein ganzes Bündel an Maßnahmen, um dem Kater keine große Chance zu geben. Grundtenor aller Vorkehrungen: Lieb zu sich und seinem Körper sein. Wenn angeboten, einen Flug buchen, dessen Ankunft in der Mittagszeit ist. Direktflüge sind bei Langstrecken immer erholsamer. Leider sind die Direkten nicht immer die billigsten. Wer beispielsweise günstiger mit Emirates nach Asien will, muss nach sechs Stunden Flug einen Zwischenstopp in Dubai von bis zu acht Stunden einrechnen. Das schlaucht. Wer die Möglichkeit hat, sollte bereits ein paar Tage vor Abflug seinen Rhythmus des Aufstehens und Schlafengehens stückchenweise verschieben. Der Psychotrick kurz vor dem Abheben: Die Armbanduhr auf die neue Zeit am Ankunftsort umstellen.
Alkohol trocknet den Körper aus

Rotwein aus dem Plastebecher: nicht nur stillos, sondern auch jetlagfördernd (Bild: Wiki Commons / FRED / CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0)
Alkohol macht müde. Wer sich aber während des Fluges die Kante mit Rotwein und Bier gibt, den ereilt der Jetlag heftiger. Alkohol trocknet aus, in einer eh schon sehr trockenen Luft in der Kabine. Wer nach kurzem Alkoholkoma dehydriert mit verrenktem Hals und vollgesabbertem T-Shirt in seinem schmalen Economy-Sitz wieder erwacht, der kann bei der Stewardess gleich ein Aspirin bestellen. Bei der Lufthansa raten die Medizin-Experten: "Fliegen sie nach Westen, versuchen sie wach zu bleiben, fliegen sie nach Osten, versuchen sie zu schlafen. Trinken sie viel Alkoholfreies, Obst und Früchtetee wirken schlaffördernd, eiweißreiche Kost hält wach." Und keine Schlaftabletten. Auch das in den USA so beliebte Melatonin, das es dort in den Drogerien gibt, ist inzwischen umstritten. Normalerweise produziert der Körper dieses Hormon eigenständig und regelt damit unseren Tag-Nacht-Rhythmus. Der britische Professor Andrew Herxheimer attestierte dem Mittel 2002: "Es ist bemerkenswert effektiv, um den Jetlag zu verhindern oder zu reduzieren." 2006 hat eine Vergleichsanalyse mehrerer Studien den vermeintlich starken Effekt wieder in Frage gestellt.
Was hilft nach der Ankunft am effektivsten? Verblüffend einfach: Tageslicht. Statt sich im dunklen Hotelzimmer zu verkriechen, sollte jeder Urlauber so viel Zeit wie möglich im Freien zu verbringen. Unser Körper stellt sich dann schnell auf die neuen Hell-Dunkel-Zeiten ein und reguliert die körpereigene Melatonin-Zufuhr.
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