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  • 04. August 2011 11 2 Min.

Die Seite mit den schwulen Backrezepten hat er schon gefunden, nur: Wie sagt er es jetzt Mutti? (Bild: danielfoster437 / flickr / by-sa 2.0)

Der schwule Psychoanalytiker Udo Rauchfleisch ist skeptisch, ob das Internet tatsächlich beim Prozess der Selbstfindung hilft.

Von Carsten Weidemann

Früher -also vor 1995 - da lief es noch ganz anders mit dem Coming-out. Wer sich Informationen beschaffen wollte, der musste sich mit hochrotem Kopf und klopfendem Herzen an die Kasse wagen, um den Ratgeber "Schwul - na und?!" zu bezahlen. Die Kassiererinnen in den Buchhandlungen waren die ersten, die "es" erfuhren. Oder die freundlichen Damen von der Ausleihe bei der Stadtbibliothek. Und natürlich die Schreibkräfte, die in den Stadtmagazinen die Kleinanzeigenseiten betreuten.

Und heute? Ein Klick auf Suchmaschine, schon wird man fündig: "Schwul" - 1,9 Millionen Einträge, "Lesbisch" - 1,9 Mio. Einträge. "Homo­sexuell" - 2,7 Mio Fundstellen. Für homo­sexuelle Jugendliche ist es ein Leichtes, sich heute die Informationen zu beschaffen, die sie benötigen, um ihre sexuelle Identität zu klären. Ist aber deshalb das Coming-out heute ganz easy und problemlos?

Ich "google", also bin ich? Schwule und Lesben haben später Sex 

Der Schweizer Psychotherapeut Udo Rauchfleisch ist skeptisch. In einem Interview mit dem Magazin "Beobachter" weist er darauf hin, dass Schwule und Lesben im Schnitt zwei Jahre später als Heterosexuelle "reale" sexuelle Beziehungen eingingen. Das Web sieht er eher als Hemmschuh, "weil die Jugendlichen zwar im Internet surfen, sich outen und online allerlei Kontakte zu Gleichgesinnten knüpfen können. Aber es scheint, als zögere dies ein Coming-out im realen Leben eher hinaus", so seine These. Das "virtuelle" Coming-out ist für ihn nachrangig: "Letztlich zählt eben immer noch die Anerkennung im Kreis der Familie, bei Freunden, am Arbeitsplatz." Die vorhandenen Statistiken zeigen dem Experten zudem: "Nach wie vor sind unter homosexuellen Jugendlichen Angsterkrankungen, Depressionen, auch der Wunsch, sich umzubringen, wesentlich häufiger als bei gleichaltrigen heterosexuellen Jugendlichen."

Rauchfleisch, der zunächst verheiratet war und drei Kinder hat, lebt inzwischen mit seinem Lebenspartner in Basel. Er hat sich bereits Anfang der Neunziger Jahre mit dem Thema homosexuelle Männer in der Kirche befasst. Sein Buch "Schwule. Lesben. Bisexuelle. Lebensweisen, Vorurteile, Einsichten." ist ein Standardwerk und in diesem Jahr bereits in vierter Auflage erschienen.

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-w-

#1 FelixAnonym
  • 04.08.2011, 15:38h
  • Ich bin da auch sehr zwiegespalten:
    einerseits ermöglicht das Internet die schnelle und einfache Information. Andererseits erlaubt es bei selbstmordgefährdeten Jugendlichen durch Suizidforen auch darüber die schnelle und einfache Information.

    Und wenn schwule Jugendliche dann Gay Pornos gucken, könnten sie das Gefühl bekommen, dass nur Hengste mit Riesen-Fleischpeitschen begehrt sind, was bei eher kleinerer Bestückung zusätzlich belasten kann. Oder sie denken, schwul sein, sie nur auf Sex reduziert und wissen gar nicht, dass es in erster Linie auch um Liebe geht. Und dass es auch schwule Kultur gibt.

    Es ist wie mit vielen Dingen:
    das Internet hat sowohl Vor- als auch Nachteile... Sowohl Nutzen als auch Gefahren...
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#2 hugoAnonym
  • 04.08.2011, 16:09h
  • Projekte wie »It gets better« können helfen, sicher auch Seiten wie dbna und so. Gerade »It gets better« ist für Menschen im coming out, die fernab der jeweiligen Szene-Schwerpunkte in tiefer Provinz leben, eine gute Hilfe. Doch natürlich ist es wichtig, das going public im Real Life zustande zu bekommen. Und all die Ängste zu überwinden, die damit verbunden sind, »es« gegenüber Freunden, in der Familie oder gar in der Schule zu offenbaren.
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#3 LarsAnonym
  • 04.08.2011, 16:39h
  • Immerhin haben schwule Jugendliche, neben der Möglichkeit mit anderen schwulen Jugendlichen zu komunizieren, durch das Internet die Möglichkeit schwule Pornographie und Erotik zu konsumieren und Bilder von Boys zu sehen.
    Früher gab es für mich in der Pubertät an medialer Erotik nur die bei meinem besten Freund heimlich konsomierten Softpornos nachts im TV wenn Mama und Papa geschlafen haben, die mich aber aufgrund von einseitiger Darstellung von nackten Frauen eher gelangweilt als angetörnt haben.
    Auf der anderen Seite führte dies dazu das ich mich ziemlich schnell auf die reale Suche nach anderen Jungs gemacht habe die so empfinden wie ich.
    Die Gefahr heute ist, wie im Artikel richtig beschrieben, das sich homoseuxelle Jugendliche zu stark in der virtuellen Scheinwelt verlieren können.
    Aber ich denke die Vorteile mit dem Internet als zusätzliches Medium überwiegen etwas, schon durch das Gefühl das andere auch so empfinden wie man selber.
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