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  • 08. August 2011 22 3 Min.

Damit "Mutti" fit bleibt, müsste bald was passieren (Bild: Screenshot Gayromeo)

Was die großen sozialen Netzwerke Facebook und Google+ besser machen und wo die Zukunft der schwulen Datingplattform liegen könnte.

Von Christian Scheuß

Es stand im Jahr 2005 im Buch "Gay Online Dating": "Gayromeo ist der Marktführer unter den deutschen Datingportalen." Das gerade mal drei Jahre zuvor von zwei Berlinern gegründete Portal konnte bereits mit 512.000 Profilen aus aller Welt aufwarten, und bekam nicht ganz zu Unrecht die Titel "Blaue Seiten" und "Schwules Einwohnermeldeamt" verliehen. Wie gay.com oder gaydar ist Gayromeo Teil einer technischen Entwicklung, die seit der Jahrtausendwende immer größere Teile der menschlichen Kommunikation virtuell stattfinden lässt. Und zweifelsohne hat dies auch die Strukturen der Community wesentlich beeinflusst und geändert.

Doch nun scheint der Zenit des Erfolgs erreicht. Das User-Wachstum bei Gayromeo ist inzwischen stark gebremst. Von 2005 ab konnte man innerhalb von sieben Jahren die Profilzahl nur noch verdoppeln. Rund 1,2 Millionen Nutzer weltweit weist die Suchstatistik aus. Davon liegt der Großteil in Europa (ca. 870.000) mit rund 370.000 Menschen in Deutschland. Zweitgrößter Markt ist Asien (ca. 272.000), erschlossen durch den Aufkauf der Nutzerdatenbank der Plattform "Guys4Men" im Jahr 2009 und durch eine großzügige Handhabung bei den eigentlich kostenpflichtigen Plus-Accounts, die lange Zeit an asiatische Nutzer verschenkt wurden.

Das mobile Grindr macht dem blauen Riesen Dampf...  

1,2 Millionen Profile, das ist sicherlich eine unglaublich große Zahl, die Gayromeo nach wie vor lebendig hält. Doch die neuen "Gelben Seiten" haben den "Blauen Riesen" innerhalb von zwei Jahre locker überrundet. Das 2009 in Los Angeles gegründete Internet-Startup "Grindr" jubelte vor wenigen Wochen am 10. Juni: "Mit zwei Millionen Usern in 192 Ländern umfassen wir nun beinahe den gesamten Planeten, um Gleichgesinnte zusammen zu bringen." Grindr ist eine sehr puristische Datingplattform, die außer ein paar Bildern und Schlagworten wenig Raum zur Selbstdarstellung bietet. Doch die "Killerfunktionen" der Kalifornier lauten "Mobiles Internet" und "Lokale Suche". Grindr ist optimiert für Smartphones und zeigt an, wer sich gerade in der näheren Umgebung aufhält. Trotz inzwischen nachgeschobener App hinkt Gayromeo hier gewaltig hinterher. Die lokale Suche gibt es nach wie vor nicht, und für viele Funktionen muss man immer wieder zurück auf die Website wechseln, die auch für Tablet-PCs nicht optimiert ist.

Neben dem technischen Stillstand bei den blauen Seiten ist aber auch die Selbstvermarktung nach wie vor eine Schwachstelle. Die 2009 gegründete "Planet Romeo Foundation" unterstreicht zwar die Nähe der Macher zur Community, aber die Öffentlichkeit erfährt kaum etwas davon. Die Entwickler von Grindr sehen sich dagegen nicht nur als Szeneprojekt, sie begreifen sich auch als Teil der Internet-Revolution und kommunizieren zum Beispiel ihre Teilnahme an Konferenzen und Diskussionen für Web-Experten in ihrem Blog.

Und dann sind da ja auch noch die ganz großen Player, Facebook und Google. Facebook gibt an, weltweit rund 690 Millionen Menschen zu vernetzen, das noch im Beta-Stadium befindliche Google+ konnte innerhalb kürzester Zeit geschätzte 20 Millionen Anmeldungen verzeichnen. Der Kampf dieser Goliaths beschert den Usern kostenlos all die Funktionen, die man bei den schwulen Datingplattformen vermisst oder schlecht umgesetzt vorfindet: Eine Vernetzung jenseits sexueller Interessen, eine Teilhabe am Leben anderer durch Fotogalerien, Live-Chat oder - ganz neu bei Google+ - der Gruppenvideokonferenz. Und durch das freiwillige Teilen von Wissen der Nutzer entstehen Datenschätze, auf die alle zugreifen können.

Natürlich ist es nicht ganz fair, milliardenschwere Firmen mit einem vergleichsweise kleinen schwulen Fisch im Web-Teich zu vergleichen. Doch Abgucken schadet nicht. Nur ein Beispiel, wie so etwas bei Gayromeo aussehen könnte: Gäbe es eine mobile Version, die es möglich macht, mitzuteilen, in welcher Bar man sich gerade befindet und wie man die bewertet, entstünde innerhalb kurzer Zeit ein exakter und brandaktueller Gay Guide, auf den jeder andere zugreifen könnte.

Wer immer auch das Rennen macht in den kommenden Jahren: Die Jungs von Gayromeo haben viel zu tun...

-w-

#1 CarstenFfm
  • 08.08.2011, 17:52h
  • Ich denk mal Facebook wird Gayromeo nicht das Wasser abgraben, denn
    -Es ist nicht anonym
    -Es ist nicht Men Only
    -Es ist jugendfrei.

    Gay Dating wird sicher so bald nicht auf sozialen Netzwerken für den Mainstream stattfinden, sondern auf speziellen Plattformen.

    Aber es ist schon bedauerlich, dass Gayromeo technisch etwas veraltet ist (fehlendes Drag & Drop mal als ein Beispiel) und auch nicht mehr wahrnehmbar weiterentwickelt wird.

    Schließlich sind sie damls 2003 ff populär geworden, weil sie Gaydar, Gaychat und andern damls populären Plattformen überlegen (und auch billiger) waren. Aber den Vorsprung muss man halten, sonst kommt wieder was anderes.
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#2 baluAnonym
  • 08.08.2011, 17:54h
  • guter artikel und hoffen wir das sich gayromeo dem zeitgeist anpasst und neue features setzt, sonst berappeln die sich nicht mehr.

    die konkurrenz durch facebook ist natürlich nicht klein zureden. war es vor ein paar jahren noch so das die mehrheit der schwulen jungs die ich kannte bei gayromeo, funkyboys, dbna u.a war, haben sich viele dort abgemeldet und sind nur noch bei facebook weil sie auch dort ihre schwulen kontakte finden und pflegen können und das in kombination neben dem allgemeinen freundes- und bekanntenkreis, der auch komplett dort versammet ist.
    fast schon unheimlich welche macht facebook bereits hat und das trotz der miserablen datenschutzpolitik.
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#3 Karl33Anonym
  • 08.08.2011, 18:18h
  • Das letzte, was ich bräuchte, wäre, dass ich jeden Tag erfahre, was meine siebenhundert virtuellen "Freunde" gerade Belangloses erleben. Sobald dieses Feature bei Gayromeo eingeführt wird, bin ich raus.

    Außerdem: Gayromeo verhökert nicht bereitwillig meine Daten an Werbekunden, sondern beinhaltet sogar aktiven Schutz vor Werbung. Da schütteln die Datenkraken von Facebook natürlich nur die Köpfe.

    Und was die Mitgliederzahlen angeht: Man kann bei Gayromeo sein Profil löschen, wenn man nicht mehr dabei sein will. Wahnsinn, oder? Und Dateileichen werden nicht zu stolzen Bergen aufgeschichtet, sondern irgendwann automatisch entfernt.

    Zusammengefasst könnte man sagen: Gayromeo hat Qualitätskriterien, die sich nicht in erster Linie an den Wünschen der Werbekunden orientieren. Weshalb man damit weniger "erfolgreich" ist als die großen Datendealer, dürfte jedem klar sein, der mit einigermaßen wachen Augen durch diese Welt geht.
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