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- 10. August 2011 3 Min.

Aufräumarbeiten auf der Canal Street nach den Ausschreitungen in Manchester in der Nacht (Bild: Technical Fault)
Randalierer zogen durch die Canal Street im Gay Village Manchesters, während sich Besucher verbarrikadierten. Auch Szene in Birmingham mittendrin im Chaos.
Von Norbert Blech
Die Randale in England haben am Dienstag die Innenstadt von Manchester erreicht - am Abend breiteten sie sich auch im Gay Village rund um die Canal Street aus. Immer wieder rannten Jugendliche, teils von der Polizei verfolgt, über die Straße.
Mehreren Szene-Bars, darunter Churchills, Via Fossa und View, wurden die Fenster eingeschlagen, vor der Disco Essential wurde ein Lieferwagen in Brand gesetzt. Berichten zufolge verschanzten sich Besucher und Personal des alteingesessenen New-Union-Pubs im Keller, während ein Mob beim Versuch, einzudringen, die Eingangstür beschädigte. Insgesamt sehe die Canal Street nur "leicht zerstört" aus, berichtete am Mittwoch Morgen der LGBT-Sender Gaydio aus Manchester, es hätte schlimmer kommen können. Er forderte die Mancunians auf, beim Aufräumen der Stadt mitzuhelfen.
Am späten Nachmittag hatten viele Bars des Village bereits auf Anweisung der Polizei ihre Außenterasse abgeräumt, später schlossen einige Lokale ganz, andere entschieden ausdrücklich, offen zu bleiben. Die Market Street, in der die Ausschreitungen am späten Nachmittag begannen, und Portland Street oder das Northern Quarter, wo sie sich am Abend fortsetzten, sind nur wenige Minuten entfernt.
"An Einbrüche durch die Hintertür gewohnt"

Kaputte Fensterscheiben an der Churchills-Bar und ein ausgebrannter Lieferwagen auf dem Parkplatz vor der Essential-Disco (Bild: LG Foundation)
Auf Twitter hatte es die Nacht immer wieder besorgte Tweets über die unklare Situation im Szene-Viertel gegeben. Leute berichteten von eingeschlossenen Freunden, ein User postete Updates: "Eine ganze Menge von Jugendlichen werden von der Polizei über die Canal Street gejagdt. Klingt, als hätten sie Spaß dran."
Dabei hatte die Polizei die Situation nicht unter Kontrolle: "Kinder versuchen, Sachen auf der Canal Street in Brand zu setzen. Ein Obdachloser beschimpft sie deswegen." Der Nutzer postete in der Nacht auch Fotos von der Canal Street, auf denen man nicht viel sieht. Erst am nächsten Tag gab es die ersten Bilder der Zerstörungen.
Auch viele Heteros sorgten sich auf Twitter auf ihre Art um die Canal Street, posteten Nachrichten, dass Drag Queens oder Lesben es den Jugendlichen mal zeigen sollten. Der wohl positiv gemeinte, wenngleich leicht homophobe und oft getweetete Spruch "I hope the lads at Canal Street give the rioters a good bumming" schaffte es als spontane Facebook-Gruppe auf bis jetzt 5.600 Fans. Auch der Spruch "They are used to having back doors smashed in" machte als Retweet die Runde.
Die Canal Street ist das Herz von Manchesters belebtem Homo-Viertel, bekannt und berüchtigt durch die britische Originalversion von "Queer as folk". Durch den Europride in 2003 und den Aufstieg von Billigflügen wurde die Stadt schnell zu einem internationalen Tourismusziel der Szene.
Szene in Birmingham und London betroffen

Die eingeschlagene Fensterscheibe des Buchladens "Gay´s the word"
Auch in Birmingham gab es in der zweiten Nacht in Folge Sorge um das schwule Viertel, das Szene-Magazin "Midlands Zone" berichtet, viele Kneipen hätten früh geschlossen. Am Abend spielten sich Ausschreitungen auch im Bereich der Szene ab - ein Supermarkt wurde geplündert, Passanten attackiert. Die Einrichtungen der Szene wurden, trotz zwischenzeitlicher Gerüchte, nicht beschädigt.
Die Randale in England waren am Samstag im nördlichen Londoner Stadtteil Tottenham ausgebrochen und hatte sich in den vergangenen Tagen immer weiter ausgebreitet. Am Montag gab es auch in Liverpool, Birmingham und Bristol erste Ausschreitungen. Ursprünglicher Auslöser war der Tod eines 29-jährigen bei einem Polizeieinsatz in London.
Am Montag hatten Jugendliche einen Stein durch die Scheibe des schwulen Buchladens "Gay's the Word" in London geworfen - die Hintergründe der Tat sind unklar. Es gab zu dem Zeipunkt um 12.30 Uhr keine Ausschreitungen in der Gegend, auch andere Geschäfte wurden nicht beschädigt. Der Buchladen blieb einem Bericht von "Pink News" zufolge geöffnet, Leute aus der Nachbarschaft brachten Blumen vorbei, um ihre Unterstützung für das 33 Jahre alte Geschäft auszudrücken. In Brighton gaben die Organisatoren bekannt, dass der CSD an diesem Wochenende nach Rücksprache mit der Polizei weiterhin stattfindet.














