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- 15. August 2011 2 Min.

Trat als Landesvorsitzender und Spitzenkandidat der CDU zurück, nur weil er eine Beziehung mit einer 16-Jährigen hatte: Christian von Boetticher (Bild: Wiki Commons / Presse.Nordelbien / CC-BY-2.0)
Kaum zu glauben, aber wahr: die schleswig-holsteinische CDU macht sich zum Sittenrichter und zwingt ihren Landesvorsitzenden und bisherigen Hoffnungsträger Christian von Boetticher (40) neun Monate vor den Landtagswahlen zum Rücktritt, nur weil er vor einiger Zeit eine Sechzehnjährige geliebt hat. Soll dieses Liebesverbot den Wählern verdeutlichen, was konservative Unionschristen unter der angestrebten Rückbeisinnung auf traditionelle Grundwerte verstehen?
Von Jürgen Friedenberg
Nein, dies ist kein Fall für den Staatsanwalt. Denn Boettichers Geliebte war 16 Jahre alt und konnte somit ihr gesetzliches Recht auf sexuelle Selbstbestimmung wahrnehmen. Und zur moralischen Empörung besteht umso weniger Grund, da Boetticher damals nicht verheiratet war. Einer Heirat stand auch dem altersmäßig ungleichen Paar rechtlich nichts im Wege: denn mit 16 ist eine Braut hierzulande ehemündig. Hätten die beiden Liebesleute einander geheiratet, hätte es der Kieler Parteiführung vermutlich die Sprache verschlagen. Man fragt sich unwillkürlich, wie die sittenstrenge Kieler Parteiführung erst reagiert hätte, wenn ihr Chef sein Herz für einen 16 Jahre jungen Mann entdeckt hätte ...
Meine Oma hätte sich totgelacht
Lebte meine Oma noch - eine fleißige Kirchgängerin, die das halbe Evangelische Gesangbuch auswendig kannte und eine herzensgute, fromme Frau war - meine Oma hätte sich über die nordwestdeutsche Posse totgelacht. Denn meine Oma war, als sie mit dem wesentlich älteren Bräutigam vor den Traualtar trat, gerade mal 16 geworden. Und niemand fand etwas dabei. Solch frühe Ehen waren zu Kaisers Zeiten gar nicht selten, man erhoffte sich davon einen reicheren Kindersegen.
Warum sich Boetticher und seine jugendliche Freundin vor einiger Zeit getrennt haben, geht keinen etwas an. Dass sich aber eine "staatstragende" Partei anmaßt, die Liebe eines im besten Mannesalter stehenden Spitzenpolitikers zu einer jungen Frau mit dem Verlust seiner Funktionen und der Zerstörung seiner politischen Karriere zu bestrafen, das sollte öffentlich diskutiert, kritisiert und scharf verurteilt werden. Zu hoffen bleibt, dass die zwar traditionsbewussten, aber nicht vertrottelten Schleswig-Holsteiner der CDU am Wahltag hierfür eine gebührende Quittung geben.














