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- 16. August 2011 2 Min.

Kamerun bestraft Homosexualität mit bis zu fünf Jahren Haft
Ein 19- und ein 20-Jähriger sind in Kamerun wegen Homosexualität angeklagt - bei einer Verurteilung droht den jungen Männern die Misshandlung im Gefängnis, warnt Amnesty International.
Wie die Menschenrechtsorganisation meldet, sind der 19 Jahre alte Jonas und der ein Jahr ältere Francky am 25. Juli vor einem Nachtclub in der Hauptstadt Yaounde verhaftet worden. Am 18. August soll ihnen der Prozess gemacht werden. In Kamerun sind sexuelle Handlungen mit Personen des selben Geschlechts laut Paragraf 347 verboten. Als Strafe sieht das Gesetz bis zu fünf Jahre Haft sowie Geldstrafen vor. Amnesty wirft Kamerun aber vor, in den letzten Jahren das "drakonische Gesetz" mehr und mehr angewendet zu haben.
Erwin van der Borght, der Afrika-Direktor von Amnesty International, warnt vor Übergriffen auf die Verhafteten: "In Kamerun wird Homophobie von der Regierung geduldet", so van der Borght. "Diejenigen, die wegen Homosexualität verhaftet wurden, sind der Gefahr ausgesetzt, von anderen Insassen oder Wärtern wegen ihrer vermuteten sexuellen Orientierung tätlich angegriffen zu werden."
Bereits im Juni wurde ein Mann wegen Homosexualität in Yaounde zu drei Jahren Haft verurteilt (queer.de berichtete). Jean-Claude Roger Mbede legte gegen das Urteil Berufung ein. Wie Amnesty mitteilt, befindet sich Mbede in schlechter körperlicher Verfassung, ihm sei aber ein Arztbesuch verweigern worden. Besuchern erzählte er, dass er bereits seit seiner Verhaftung im März im Gefängnis auf dem Boden schlafen musste.
Ein umfassender Bericht von vier Menschenrechtsorganisationen kritisierte im vergangenen Jahr die Verfolgung von sexuellen Minderheiten in Kamerun (queer.de berichtete). In dem auf Englisch erschienenen Bericht "Criminalizing Identities: Rights Abuses in Cameroon based on Sexual Orientation and Gender Identity" beschreiben die Autoren willkürliche Verhaftungen, Misshandlungen in Gefängnissen und eine homophobe Atmosphäre, die Betroffene ausgrenzt und Missbrauch begünstigt. Infolge dessen würden die Betroffenen nicht für spezifische verbotene Handlungen bestraft werden, sondern für ihre homosexuelle Identität an sich. (dk)














