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- 19. August 2011 2 Min.

Diese Schmiererei warnt Schwule in Belgrad: "Wir warten auf euch!" (Bild: anjci / flickr / by 2.0)
Serbische Politiker befürchten Ausschreitungen bei der für kommenden Monat geplanten CSD-Parade in Belgrad - und wollen sie daher voraussichtlich nicht erlauben.
Dragan Djilas, der sozialdemokratische Bürgermeister von Belgrad, erklärte gegenüber einer Lokalzeitung, dass Serbien gegenwärtig "viel wichtigere Probleme" als den CSD habe. Als Beispiele nannte er die schlechte Wirtschaftslage und Monatsgehälter, die teilweise unter 170 Euro liegen würden: "Die Frage ist doch, ob wir eine solche Veranstaltung in Belgrad abhalten können, ohne Wertgegenstände, Mitglieder der homosexuellen Bevölkerung, Polizisten oder Bürger Belgrads zu gefährden", so Djilas.
Er verweist auf den CSD im letzten Jahr, als Nationalisten mit Steinen und Brandbomben auf die 1.000 Gay-Pride-Teilnehmer warfen und "Tod den Schwulen" skandierten (queer.de berichtete). Die Homo-Gegner lieferten sich damals stundenlange Straßenschlachten mit den Polizisten. Am Ende wurden mehr als 130 Ordnungshüter verletzt. Darum erklärte Djilas, dass die Polizei entscheiden solle, ob Schwule und Lesben demonstrieren dürfen oder nicht. "Ich werde nie eine Veranstaltung genehmigen, die die Sicherheit Belgrads und seiner Einwohner gefährdet."
Innenministerium knickt vor homophober Gewalt ein

Belgrads Bürgermeister Dragan Djilas will das Demonstrationsrecht von Schwulen und Lesben nicht verteidigen (Bild: PD)
Auch der sozialistische serbische Innenminister und Vize-Ministerpräsident Ivica Dacic erklärte, dass sein Ministerium nicht für die Sicherheit der Parade garantieren würde. Er erklärte nach Angaben der Nachrichtenagentur APA, dass er die serbische Polizei nicht "zu Tontauben" werden lasse. Das Justizministerium kündigte an, sich in der kommenden Woche zum CSD zu äußern.
Serbien steht unter Druck, weil im Oktober der nächste Fortschrittsbericht der EU-Kommission vorgelegt werden soll. Der Belgrader Bürgermeister kritisierte die Union, weil sie die Abhaltung des CSD als Bedingung für die Aufnahme genannt habe. Andere Länder hätten solche Forderungen nicht erfüllen müssen, so Djilas.
Umfragen zufolge gehört Serbien zu den homophobsten Ländern in Europa: So erklärten im vergangenen Jahr 67 Prozent, dass Schwule und Lesben krank seien; 56 Prozent betrachteten sie als eine Gefahr für die Gesellschaft. Besonders erschreckend an der Umfrage eines unabhängigen Instituts: Die Bevölkerung in Serbien scheint in den letzten Jahren homophober geworden zu sein (queer.de berichtete). (dk)









