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- 30. August 2011 3 Min.

Tim Cook ist der neue Chef eines der größten Unternehmen der Welt (Bild: lemagit / flickr / by-sa 2.0)
Vergangene Woche wurde Tim Cook zum neuen Apple-Chef ernannt – jetzt gibt es eine Debatte in den Medien, ob die Homosexualität des 50-Jährigen in der Berichterstattung eine Rolle spielen soll.
Im Januar hatte das Klatschmagazin gawker.com Cook als "mächtigsten Schwulen im Silicon Valley" bezeichnet (queer.de berichtete). Damals wurde der Manager vorübergehend der Geschäftsführer des Konzerns Apple, weil Steve Jobs krankheitsbedingt kürzer treten musste. Das Schwulenmagazin "Out" hat den neuen starken Mann im April auf Platz eins des "Power 50 Index" gesetzt, der Rangliste der mächtigsten Schwulen und Lesben der Welt. Seit dem 24. August ist Cook der neue CEO – und die Medien haben weltweit bislang die Sexualität Cooks ignoriert.
In den USA hat nun der "Reuters"-Wirtschaftsjournalist Felix Salmon eine Debatte um Cook eröffnet. Unter dem Titel "Don't ignore Tim Cook's Sexuality" argumentiert er in seinem Blog, dass die Medien auch die Homosexualität des neuen Apple-Chefs erwähnen sollten. Cook könne als Vorbild agieren, weil er ein "extrem intelligenter und nicht weiblich agierender Mann, der zeigt, dass Schwulsein kein Hindernis auf dem Weg nach Oben" sei. Die Sexualität zu ignorieren sei dagegen ein Relikt aus alten Zeiten, in denen die gesellschaftliche Homophobie ein Coming-out unmöglich machte. Salmon erklärte in einem weiteren Text ("Why I'm talking about Tim Cook's sexuality"), dass die Medien mit ihrer Berichterstattung letztendlich so tun würden, als ob Cook heterosexuell sei – und damit weiter zur Stigmatisierung von Schwulen und Lesben beitrügen.
Auch spiegel.de berichtet vom "Junggesellen" Tim Cook
Das ist auch bei den deutschen Medien sichtbar: So beschrieb spiegel.de in einem langen Artikel den neuen Apple-Chef als "Junggesellen" – die sexuelle Orientierung wurde vollständig ausgeblendet. taz-Kolumnist Elmar Kraushaar kritisierte diese Beschreibung als "die gebräuchlichste aller Verschleierungen".
Cook äußert sich zu seiner Sexualität nicht, auch wenn sie im Silicon Valley als offenes Geheimnis gilt. Die zögernde Haltung sei eine Folge seiner Sozialisation als Manager, so schrieb gawker.com bereits im Januar. Er begann seine Karriere in den 1980er Jahren bei IBM – zu einer Zeit, als die Aids-Hysterie in den USA ein Coming-out in der Chef-Etage praktisch unmöglich machte. Auch heute noch könnte Cook befürchten, dass ein offenes Bekenntnis zu seiner Homosexualität der Marke Apple schaden könnte, obwohl sie bereits seit Jahren als sehr homofreundlich gilt (queer.de berichtete).
Sexualität auch für Wirtschaftsbosse Privatsache?
Manche Kommentatoren erwidern den Befürwortern der offenen Berichterstattung über Cook, dass ein "Outing" auch in der heutigen Zeit eine Verletzung der Privatsphäre sei. So schreibt Erik Sherman im Wirtschaftsportal bnet.com, dass schwule Aktivisten den neuen Apple-Chef von schwulen Aktivisten für ihre Ziele einsetzen wollten, ohne ihn zu fragen: "Wenn Cook über seine Sexualität sprechen will oder wenn das Thema wichtig ist für seine Stellung bei Apple, dann kann man darüber berichten", so Sherman. Bis dahin sei es unethisch, Cook als "Werkzeug" für eigene Interessen zu benutzen. Die politische Zeitschrift "The Atlantic" schränkt ein, dass der 50-Jährige derzeit ohnehin kein perfektes Vorbild sei: "Um der mächtigste Schwule in der Technologie-Branche zu werden, muss Cook erst einmal ein Coming-out haben". (dk)















Homos sind eben genau so doof Heteros. In einer schöneren Welt dürften Cook und Lahm alles das erzählen was sie wollten. Und was sie nicht wollen eben nicht. Wäre das progressiv!