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- 05. September 2011 3 Min.

Sonntagabend, 20:15 Uhr: Die bekannten blauen Augen starren die Zuschauer in der Eckkneipe "Lamäng" an der Taunusstraße im rechtsrheinischen Veedel Kalk/Humboldt-Gremberg an, dazu ertönt die Tatort-Fanfare. Die Kölner Kommissare Ballauf und Schenk lösen ihren 50. Fall, der sie sie genau an der Kreuzung ermitteln lässt, an dem jetzt die Nachbarschaft sitzt, um ihren echten Stadtteil in der Fiktion zu sehen. Das "Lamäng", in dem auch die nahe gelegene queer.de-Redaktion bereits einige Biere geordert hat, heißt im Krimi "Kaschämm". Für die Szenen in der Kneipe zwar wurden andere Räume genutzt, doch die Humboldt-Gremberger sind begeistert, johlen und klatschen jedes Mal, wenn ihr Platz zu sehen ist.
Nicht der Lokalkolorit ist aber der Star der inhaltlich eher dürftigen Story. Dem Jubiläums-Tatort mit dem Titel "Altes Eisen" verleiht Trudi Hütten Glamour und Glanz, wunderbar gespielt von Edgar Selge. Trudi, früher ein verheirateter Mann, seit 30 Jahren als alleinstehende Frau lebend, ist eine Transsexuelle, die hervorragend in diesen Stadtteil passt. Denn die Kalk und Humboldt-Gremberg verbindende Taunusstraße ist etwas ganz besonderes. Rechts und links gesäumt von stinknormalen bürgerlichen Häuserreihen, ist sie gelebtes Multikulti.
Die jüngeren Kreativen und Hausbesetzer treffen sich in der Kneipe "Vorstadt-Prinzessin", die älter gewordenen Ex-Punks und Linken mischen mit im Bürgerverein im "Lamäng". Die Schwulen haben ihre Cocktail-Bar "Sasch's" und dazwischen gibt es türkisch-arabische Lebensmittelhändler, Friseure sowie Moscheen in ehemaligen Supermärkten. Ach ja, immerwieder sonntags trommeln und singen die Hare Krishna-Anhänger miteinander. Gäbe es Trudi, sie würde hier wenig auffallen und könnte im Sasch's sicherlich mit einer kleinen Show für Stimmung sorgen. Trudi ist schließlich keck ("Bei mir darfst du fast alles, Kommissar Schenk!") und aufopferungsvoll ("Das ist meine Bestimmung, mich zu kümmern").
Im Krimi ist sie allerdings auch etwas altmodisch und verkörpert dadurch ausgerechnet die Ängste des bürgerlichen Milieus dieser Straße, die aufgrund der Veränderungen tatsächlich vorhanden sind. Trudi hat Angst, dass für sie bald kein Platz mehr ist in einem Stadtteil, dem im Krimi prophezeit wird, in fünf Jahren eine angesagte Gegend zu sein. Wir finden: Trudi ist kein altes Eisen, sie ist hip, Trudi gehört einfach nach Kalk und Humboldt-Gremberg, heute wie in fünf Jahren!
Gründet also Fanclubs, stellt Bürgeranträge auf Umbenennung der Taunusstraße in Trudi-Hütten-Allee, fragt beim WDR nach Autogrammen, ordert die Trudi-Hütten-Gedenkperücke bei trannynet.de und singt im schwul-lesbischen Fußball-Fanclub Ruut-Wieß beim nächsten Stadionbesuch miteinander: "Trudi Trudi Tralala!" Lasst Trudi leben!
Die Tatort-Folge ist bis 11.9. in der ARD-Mediathek jeweils ab 20 Uhr abrufbar
(Bild: WDR/Martin Menke)














