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Teil 1: Die Opfer

Zehn Jahre 9/11 - Die Opfer

  • 06. September 2011 53 3 Min.

Der folgende Text, den wir hier dokumentieren, erschien erstmals im Oktober 2001 in der Zeitung QUEER. Ergänzend zu den Mainstream-Medien sahen - und sehen wir es noch heute - als unsere Aufgabe an, die Dinge aus Sicht der LGBT-Community zu beschreiben. Unter den mehr als 3.000 Toten waren auch Schwule und Lesben, die trauernde Familien, Beziehungspartner und Freunde hinterließen. Die Schicksale dieser Opfer wurden oft nicht erzählt. Mit dem Reprint möchten wir an sie erinnern.

Von Norbert Blech und Christian Scheuß


Die Terrorwelle in den USA berührt die ganze Welt auch die schwul-lesbische. So hat die Community mehrere Opfer zu beklagen. An Bord des United-Airlines-Fluges 175, der in den zweiten Turm des World Trade Centers stürzte, starb gleich eine ganze schwule Familie: Ronald Gamboa und sein Partner seit 13 Jahren, Dan Brandhorst, wollten mit ihrem dreijährigen Adoptivsohn David von Boston aus heim nach Los Angeles. Im gleichen Flugzeug saß der Brite Graham Berkeley. Auf einer im Internet eigens eingerichteten Trauerseite berichtet ein Freund des Managers in einer Softwarefirma: "Ich werde Graham sehr vermissen. Ich bin glücklich, einen Teil meines Lebens mit ihm verbracht zu haben."

Mark Bingham, einer der Helden von Flug 93


Mark Bingham: Ein sportliches Bärchen. (Bild: www.markbingham.com)

An Bord des UA-Fluges 93 versuchte der 31-jährige Mark Bingham mit anderen Männern, ein Unglück zu verhindern. Die Maschine stürzte außerhalb von Pittsburgh ab. Ihm und anderen Passagieren soll nun die höchste Auszeichnung in den USA, die Medaille der Freiheit, verliehen werden. In einem Interview sagte seine Mutter, mit der Bingham wenige Minutten vor dem Absturz telefonierte: "Es schenkt mir Trost, dass mein Sohn den Tod von sehr vielen unschuldigen Menschen verhindert haben könnte." Bingham war Mitglied des San Francisco Fog Rugby Clubs, bei den Gay Games 2002 in Sydney wollte Bingham mit einem eigenen Team antreten.

Kaplan Mychal Judge war offen schwul: "Ein waschechter Ire mit breitem Grinsen."

Der Co-Pilot des American-Airline-Fluges 77, der in das Pentagon stürzte, war ebenfalls schwul. David Charlebois war Mitglied der National Gay Pilot's Association, wuchs in Frankreich auf und sprach fließend französisch. Ehrenamtlich betreute er eine schwule Jugendgruppe. Im gleichen Flugzeug saß auch der 39-jährige Joe Ferguson. Der aus Washington stammende Mann unterrichtete im Auftrag des National Geographic Erdkunde.

Bei Rettungsarbeiten am Word Trade Center starb ein offen schwuler, bei der Feuerwehr ein gestellter Kaplan, Mychal Judge. Die amerikanische QUEER-Kolumnistin Mary Woodward erinnert sich: "Er war ein waschechter Ire mit breitem Grinsen, den man auf der Straße stets in seiner braunen Robe und seinen Sandalen sah, und der mit den Feuerwehrleuten gern zusammenn zu Mittag aß.

Als das Wirtschaftszentrum angegriffen wurde, raste Jundge zum Ort des Geschehens. Er kniete neben einem Feuerwehrmann, der von einer Frau getötet worden war, die sich vom Turm gestürzt hatte , und gegann die Sterbesakramente zu spenden. Als er seinen Helm zum Gebet abnahm, wurde er tödlich von einem Trümmerstück des kollabierenden Gebäudes getroffen." New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani würdigte den Kaplan: "Er war ein Heiliger, ein wunderbarere Mann." Der frühere Präsident Clinton, der die Beerdigung zusammen mit Tochter Chelsea und Frau Hillary begleitete, sagte: "Wir sollten uns sein Leben als Vorbild nehmen."

Radiotipp: WDR5 SPEZIAL, "Der 11. September - Geschichte eines Terrorangriffs", am Sonntag (11.09.11) um 15:05 Uhr. Bild oben: WDR/dpa

-w-

#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 06.09.2011, 16:49h
  • Ich habe noch diese schrecklichen Bilder von den Anschlägen aufs New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington im Kopf. Danach begann der von George W. Bush ja so propagierte "Krieg gegen den Terrorismus". Mittlerweile gibts in der arabischen Welt (Libyen und Tunesien, um einmal zwei Länder zu nennen). Dennoch gibt es trotz des Ablebens von Bin Laden immer noch die menschenverachtenden Anschläge von Al Qaida. Gerade am 11.09.2011 stehen auch die Salafisten im Fokus, diese werden ja vom Verfassungsschutz mit Adleraugen beobachtet. Und wenn die NATO in Syrien nicht auch bald militärisch gegen den Assad vorgeht, dann werden die Menschen nie frei sein!
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#2 Freiheit 2011Anonym
  • 06.09.2011, 17:18h
  • Antwort auf #1 von FoXXXyness
  • Genau. Diese 50.000 Menschen in Libyen sind dank NATO-Krieg ums Öl jetzt endgültig frei:

    www.jungewelt.de/2011/09-01/097.php

    Libyen wurde nicht nur aus der Luft attackiert, sondern auch britische Spezialeinheiten wurden in Libyen eingesetzt.

    www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,782320,00.html

    www.blick.ch/news/ausland/libyen/elitetruppe-sas-jagt-gaddaf
    i-180007


    Natürlich kann man sagen, dass die NATO nicht allein in Libyen gesiegt hat, dass auch die Rebellen dabei geholfen haben. Aber die Hilfe der sogenannten Rebellen hat nur die legitimierende Rolle für den NATO-Krieg gespielt. Militärisch haben diese Rebellen keine nennenswerte Bedeutung.

    Schon 1513 schrieb Niccolò Machiavelli: "...da es dem Volke, wenn es die Waffen ergriffen, nie an Fremden fehlt, die ihm beistehen". Heute aber werden politische Entwicklungen in fremden Staaten noch früher beeinflusst, so dass der "Volksaufstand" selbst und sogar der "Volksunmut" ein Resultat der gezielten Fremdeinmischung sein kann, wenn man das unerwünschte politische System bekämpfen will. Und je nachdem wird das Regime im fremden Staat entweder unterstützt (Saudi-Arabien) oder gestürzt (Libyen und andere).

    Was bleibt, ist ein moderner Kolonialkrieg, der Seitens des Westens nie offen erklärt wurde und mit einer selten dagewesenen Massenverblödung durch die Mainstreammedien begleitet wurde und wird.

    Omnipräsente "Rebellen", die wie Statisten aus einem Hollywood-Endzeit-B-Movie daherkommen, sollten optisch verschleiern, dass sich im Hintergrund die Kolonialherren schon die Beute unter sich aufteilen:
    www.sueddeutsche.de/wirtschaft/erdoelfoerderung-in-libyen-eu
    ropas-firmen-auf-der-jagd-nach-den-oel-milliarden-1.1134796


    Die TV-Bilder und Hochglanzmagazine wohldosiert immer nur gute "Rebellen" zeigend und von pösen Gaddafi-Schergen berichtend, blendeten die Regierungsseite und den Großteil der völlig unpolitischen Bevölkerung einfach aus.
    Wo sind diese Menschen eigentlich? Die müssten doch die Befreier jubelnd empfangen.
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#3 FinalmSposatoEhemaliges Profil
  • 06.09.2011, 18:13h

  • Gerade gestern lief im ZDF der Film zum Flug 93. Mark Bingham wird da zu recht als Held gezeigt, seine Homosexualität aber ausgeklammert. In Ami-Filmen dürfen Helden offenbar immer noch nicht richtig schwul sein.

    Kaum zu glauben, sollen das schon 10 Jahre her sein! Damals dachte ich spontan, unter Clinton wäre das nicht passiert. Vieles hat sich negativ verändert. Irgenwie ist diese Leichtigkeit von vor 9/11 nie mehr zurückgekehrt. Früher bin ich gerne geflogen, heute nerven diese viel strengeren Sicherheitschecks wie Nacktscanner, obwohl jeder weiß, dass sie heutzutage leider offenbar notwendig sind. Und alles nur wegen denn religiösen Terroristen von damals!
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