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- 12. August 2004 3 Min.
Von Dirk Jung
Der indische Anwalt und schwule Aktivist Aditya Bondyopadhyay berichtet in einer eMail vom Dienstag über unhaltbare Zustände für homosexuelle Männer in Nepal. Anlass für diese Mail, einer Art Hilferuf, gab die Verhaftung von 39 Mitgliedern der Blue Diamond Society (BDS) am vergangenen Montag. Die Mitarbeiter werden offenbar im Gefängnis ohne irgendwelche Nahrungs- und Wasserzufuhr festgehalten. Die Organisation betreibt in Kathmandu Präventionsarbeit für Schwule und Métis, wie feminine Männer dort genannt werden.
Die "Hindustan Times" vom Mittwoch, in dem der Gründer und Präsident der BDS, Sunil Pant, zitiert wird, berichtet von weiteren 31 Menschen, die am Montag in so genannten "Massagesalons" festgenommen wurden. Nur einer der Gefangenen, allerdings kein schwuler Mann, sei bereits wieder freigelassen worden - anders als ein Häftling, dem die Polizei mit einem Stockschlag den Finger gebrochen hatte.
Rückschlag für aufkeimende Homobewegung
Pant befürchtet einen konzertierten Versuch durch anti-schwule Gruppen und einzelne Personen, die gerade aufkeimende Schwulenbewegung Nepals ausmerzen zu wollen. In dem Himalaya-Staat leben viele Schwule, die meisten jedoch versteckt. Man traf sich früher nur in öffentlichen und privaten Plätzen, die dem allgemeinen Publikum nicht bekannt waren. Seitdem die BDS-Mitglieder ihre Präventionsarbeit mit schwulen Männern im Jahr 2000 begonnen haben, hat sich etwas an der Sichtbarkeit der von ihnen betreuten Klientel geändert. Selbstgesetztes Ziel der Organisation ist die Präventionsarbeit zu HIV und Aids, die im Rahmen der Aids-Politik der nepalesischen Regierung ausgeführt wird. Selbst Regierungsfunktionäre nehmen regelmäßig an den verschiedenen Aktivitäten der BDS teil. Ein Anwaltsservice für Netzwerke sexueller Minderheiten, Straßensozialarbeit, Klinikeinweisungen und eine Anlaufstelle runden das Angebot der BDS ab. Da die Rechte der Métis, der Gruppe mit den meisten Infizierten und Betroffenen, nicht geachtet werden, nimmt sich die BDS ihrer ebenfalls an. In der Bevölkerung umstritten ist das Verteilen von Kondomen.
Jeder Mann im nepalesischen Patriarchat, der nicht den akzeptierten Werten entspricht, wird als unwürdig erachtet und als "Ware" ausgenutzt. Vergewaltigungen und andere Übergriffe an Métis sind an der Tagesordnung, berichtet Bondyopadhyay. Nepalesische Polizisten, die in Übergriffe auf Schwule und Métis verwickelt sind, würden trotz größter Brutalität nicht belangt, Anzeigen landeten im Papierkorb.
Besonders grausame Fälle haben sich offenbar in den letzen Wochen ereignet. So wurde ein Méti vergewaltigt, ihm wurde die Kehle durchgeschnitten und ein Finger abgetrennt (s. Foto). Ein Streetworker der BDS wurde, während er auf der Straße aufklären wollte, durch einen der Polizei bekannten Mann überfallen. Er wurde geschlagen, die Kondome wurden zerstört, ihm wurden die Aufklärungsutensilien und 1500 Rupien geklaut (das entspricht in etwa dem halben Monatsverdienst eines Landarbeiters) - unter den Augen des Publikums. Seine Anzeige nahm die Polizei nicht an.
LSVD ruft zu Protestschreiben auf
Das Königreich Nepal ist Unterzeichnerstaat des Internationalen Paktes über zivile und politische Rechte, der eine Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität verbietet. Während Pant vor Ort Unterschriften für eine Freilassung der 39 Männer und einen Minderheitenschutz durch die Regierung organisiert, hat der LSVD ein Prostestschreiben an den Botschafter in Deutschland verfasst und bittet um zahlreiches Absenden. Druck kommt aber auch von anderer Seite: Im Juli haben Homo-Gegner einen Erlass beim Obersten Gerichtshof Nepals gegen die Regierung beantragt, um deren Unterstützung der BDS zu unterbinden.
12. August 2004, 16.55h
Links zum Thema:
» LSVD-Protestbrief
» Blue Diamond Society











