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Deutschlandbesuch von Benedikt XVI.
Papst-Anhänger beschimpfen Gegner
- 14. September 2011 4 Min.

Will den Bundestag beweihräuchern: Der Papst soll am 22. September um 15:30 Uhr als erster Kirchenführer im Zentrum der deutschen Demokratie sprechen
Jetzt wird geholzt: Unionspolitiker bezeichnen Papstkritiker als "politische Rüpel", die Kirche fordert "Respekt" und warnt vor Krawallen - viele Oppositionsabgeordnete wollen der Rede im Bundestag trotzdem fernbleiben.
Von Dennis Klein
Noch ist unklar, ob am 22. September in der Nähe des Reichstags gegen die homofeindliche Politik des Papstes demonstriert werden darf - die Polizei hatte die Aktion letzte Woche verboten, die Aktivisten wollen jedoch dagegen klagen (queer.de berichtete). Klar ist jedoch, dass der Papst am selben Tag seine Sicht der Dinge im Bundestag kundtun darf. Doch nicht alle Politiker wollen Jubelperser sein: Ein Drittel bis ein Viertel der SPD- und Grünenabgeordneten haben angekündigt, der Rede demonstrativ fernzubleiben, ebenso wie die halbe Linksfraktion. Das wird aber voraussichtlich kaum jemand merken: Die Fraktionen haben sich bereits im Vorfeld des Besuchs darauf geeinigt, dass leer bleibende Sitze durch ehemalige Parlamentarier aufgefüllt werden sollen. Union und FDP wollen dagegen - soweit möglich - vollzählig erscheinen.
Die deutschen Katholiken werfen den Papst-Kritikern unfreundliches Verhalten vor: "Es gehört sich, einen solchen Gast mit der notwendigen Freundlichkeit, mit Respekt und Noblesse aufzunehmen", sagte Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch, der Chef der Deutschen Bischofskonferenz, gegenüber der "Passauer Neuen Presse". Er hoffe, "dass nicht Krawalle das öffentliche Bild bestimmen".
CSU: "Rüpel"-Gegner betreiben "Straßenkampf"

Gerda Hasselfeldt (CSU) akzeptiert Kritik am Papst nicht (Bild: Deutscher Bundestag / Lichtblick / Achim Melde)
Auch die Union findet die fehlende Gefolgschaft respektlos: So wirft CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt linken Papst-Kritikern vor, am Mittel des "Straßenkampfs" festzuhalten. Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner sagte in der "Rheinische Post", dass die Kritiker des Papstbesuches keine derartige "Antihaltung beim Besuch des Dalai Lama oder eines anderen Religionsoberhauptes an den Tag gelegt hätten" - sie erwähnt aber nicht, dass der Papst als erster Kirchenführer das Privileg erhält, im Zentrum der deutschen Demokratie zu sprechen. Klöckner erwartet hierfür offenbar uneingeschränkte Solidarität: "Wir sind Papst - immer noch. Der Besuch von Papst Benedikt wird vielen Menschen Freude bereiten, denn er hat etwas zu sagen."
Besonders gerne schießen CSU-Abgeordnete gegen die Kritiker aus der Linkspartei: "Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Kommunisten noch nicht in der Demokratie angekommen sind", erklärte etwa der Aschaffenburger Bundestagsabgeordnete Norbert Geis gegenüber der rechtspopulistischen Wochenzeitung "Junge Freiheit", die nicht gerade als Hort der Demokratie gilt. Dem selben Blatt sagte Thomas Goppel, der Sprecher der "ChristSozialen Katholiken in der CSU": "Die Parlamentarier der Linken erweisen sich als die politischen Rüpel, für die ich sie immer gehalten habe. Man muss Ideologe sein, um so zu ticken." Inhaltlich lassen sich die Kritiker der Papstkritiker jedoch auf keine Diskussionen ein - auch nicht auf den Einwurf des Linksfraktionssprechers Hendrik Thalheim, der erklärte, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland auch Kritik an der Politik der Katholischen Kirche garantiere.
"Es ist schon erstaunlich, wie viel Intoleranzpotenzial in manchem Toleranzapostel schlummert", sagte Martin Lohmann, Sprecher des Arbeitskreises engagierter Katholiken in der CDU, gegenüber der "Rheinischen Post". "Wer bei der Rede des Papstes im Bundestag wegbleibt, also vor Benedikt XVI. flieht, verrät letztlich eine unglaubliche Angst vor Wahrheit und Klarheit", so der Publizist, der auch schon gegen Aufklärung über Homosexualität an Berliner Schulen wetterte.
Abstimmung über Ehe-Öffnung
Gegner der Papstrede kritisieren dabei nicht nur die rigide Haltung des Papstes in der Familienpolitik, für die er weltweit wirbt. So weist der SPD-Abgeordnete Rolf Schwanitz darauf hin, dass das Grundgesetz Glaubensfreiheit garantiere - und dass der Bundestag nicht als Werbefläche für eine bestimmte Religion missbraucht werden dürfe: "Der Deutsche Bundestag ist weder ein Ort der religiösen Missionierung noch eine Kirche. Er darf auch nicht zu einem solchen Ort gemacht werden", so Schwanitz.
Einen besonderen Protest gegen die Politik des Papstes hat der grüne Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck geplant: Er setzte durch, dass der Bundestag am Vortag der Papstrede über einen Antrag zur Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben verhandelt. Die gleichgeschlechtliche Ehe hatte der Papst im vergangenen Jahr bei einem Portugal-Besuch als "heimtückische und gefährliche Herausforderung" bezeichnet (queer.de berichtete).















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