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Bruderschaft
Schwule Liebe unter Neonazis
- 15. September 2011 3 Min.

Ständer statt Hitlergruß: "Bruderschaft" bringt zärtliche schwule Nazis auf die Kinoleinwand (Bild: Pro-Fun Media)
Der dänische Regisseur Nicolo Donato hat sich in seinem Romantik-Drama "Bruderschaft" an ein absolutes Tabu-Thema gewagt.
Von Carsten Weidemann
Schwul und rechtsradikal? Für viele ist das zu Recht unvereinbar: Eine Ideologie, die menschenverachtend, rassistisch und ausgrenzend ist. Deren Anhänger bereit sind, Gewalt anzuwenden, um alles, was anders ist, zu vertreiben, das passt einfach nicht zusammen mit einem akzeptierenden Menschenbild, dass das "Andersein" zumindest toleriert. Und dennoch gibt es sie: Die Männer, die sich politisch Rechts verorten und zugleich auf Männer stehen. Eine der schillerndsten Figuren dieser Szene war der 1991 an den Folgen von Aids verstorbene Michael Kühnen, der Anführer der deutschen Neonazibewegung war.
Der Kulturtheoretiker Klaus Theweleit hat Ende der Siebziger Jahre in seinem zweibändigen Werk "Männerphantasien" den Typus des faschistischen Mannes ausführlich analysiert. Und auch Helmut Blazek beschreibt in seinem 2001 erschienen Buch "Männerbünde" ausführlich, wie anziehend das unterdrückt homoerotische anziehend wirkt auf unreife junge Männer, die Sicherheiten und Identifikationsfiguren suchen. Sie landen dann mitunter bei der Kirche oder bei den Faschisten.
All diese Gedanken hatte sicherlich auch der der junge dänische Regisseur Nicolo Donato im Kopf und er wusste, dass es nicht einfach wird, einen romantischen Film über ein Paar schwule Neonazis zu drehen, aber hat es gewagt und dabei ein romantisches aber durchaus hartes Drama geschaffen.
Männerliebe im faschistischen Männerbund
Die Story: Lars, ein Sergeant in der Armee, wird nach einem vermeintlichen Flirt mit einem Kameraden entlassen und wird in eine ultranationale Gruppe rekrutiert, in der er auf den Skinhead Jimmy trifft. Da er sich durchaus zu profilieren weiß, stolpert er schnell die Karriereleiter hoch, ist jedoch nicht bei allen Mitstreitern gleich beliebt. Vor allem Jimmy macht aus seiner Abneigung keinen Hehl. Um die Wogen zu glätten, steckt Anführer 'Fatty' die beiden Männer zusammen in eine Wohnung, wo Jimmy den neuen Rekruten coachen soll. Aus Feindschaft wird Freundschaft, Bewunderung und letztendlich Leidenschaft.
Die Nazi-Szene wird hier niemals verherrlicht - umso mehr tritt die aufkeimende Liebesbeziehung in den Vordergrund. Der Kontrast zwischen dem alltäglichen Hass der Gruppe und der entstehenden Zärtlichkeit zwischen Lars und Jimmy könnte grösser nicht sein. Fern aller Klischees erzeugt trotz allen Unbehagens über die gezeigte Szene so etwas wie Wärme. Ein überraschender, kompromissloser Film, romantisch aber ohne Pathos, spannend und berührend, der bereits einige Preise bei schwul-lesbischen Filmfestivals erhielt.
Broderskab / Brotherhood, Drama, Dänemark 2009, FSK: 16, 97 Min, dänische OF mit dt. UT, Drehbuch: Rasmus Birch, Nicolo Donato; Kamera: Laust Trier-Mørk; Schnitt: Bodil Kjærhauge; Ton: Håkon Garpestad, Jason Luke; Produzent: Per Holst, Darsteller: Thure Lindhardt, David Dencik, Nicolas Bro, Claus Flygare, Michael Grønnemose, Anders Heinrichsen, Jon Lange.
15.-28.09. Berlin, Tilsiter Lichtspiele
09.10. Dortmund, Schauburg
10.10. Hannover, Apollo Kino
10.10. Düsseldorf, Bambi
14.10. Bochum, Metropolis
16.10. Oberhausen, Lichtburg
18.10. Köln, Filmpalette
26.10. Leipzig, Passage-Kinos
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Film bei Pro-Fun
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
23:25h, Arte:
Loving Highsmith
In der Doku erzählt Regisseurin Eva Vitija von den Lieben und Leidenschaften der lesbischen Schriftstellerin Patrica Highsmith.
Doku, CH/D 2022- 2 weitere TV-Tipps »















Lief auf der 27. Schwulen Filmwoche Freiburg 2011:
www.schwule-filmwoche.de/2011/pages/programm/brotherhood-bro
derskab.php