https://queer.de/?15007
- 20. September 2011 3 Min.

Al-Saadi Gaddafi
In von Wikileaks verbreiteten Dokumenten schätzen US-Diplomaten Al-Saadi Gaddafi als bisexuell ein.
Wie das Portal gawker.com berichtet, hat Gene Cretz, der US-Botschafter in Libyen, 2009 in einem Bericht an das US-Außenministerium die Bisexualität des Gaddafi-Sohns beschrieben: "Saadi hat eine schwierige Vergangenheit, inklusive Balgereien mit der Polizei in Europa (insbesondere Italien), übermäßiges Feiern, Auslandsreisen gegen die Wünsche des Vaters sowie häufige Affären mit Männern und Frauen", heißt es darin. "Seine Bisexualität soll seinem Vater missfallen haben und mit zur Entscheidung beigetragen haben, ihn in eine arrangierte Ehe zu drängen."
Bereits im vergangenen Monat gab es Berichte über mögliche Vorlieben des Gaddafi-Sohns: In seinem von Rebellen gestürmten Haus war nach Angaben von Nachrichtenagenturen auch mindestens ein Schwulenporno gefunden worden - in einem Land, in dem auf Homosexualität fünf Jahre Haft steht (queer.de berichtete). In Libyen gilt Homosexualität als Tabu-Thema, auch die neue Regierung will offenbar an "moralischen" Gesetzen gegen sexuelle Minderheiten festhalten. Es besteht daher die Möglichkeit, dass die Übergangsregierung versucht, mit Homosex-Vorwürfen den Gaddafi-Clan zu diskreditieren.
US-Dokumente mit Vorsicht zu genießen
Auch die US-Dokumente müssen nicht unbedingt auf die wirkliche sexuelle Orientierung des Gaddafi-Sohnes schließen lassen. Immerhin haben die Amerikaner in der Vergangenheit versucht, Gegner mit dem Vorwurf der Homosexualität zu diskreditieren. So berichtete die "Washington Post" im vergangenen Jahr, dass die US-Regierung darüber diskutierte, ob man schwule Sex-Videos von Gegnern wie Osama bin Laden oder Saddam Hussein verbreiten solle. Eine CIA-Quelle erklärte demnach, dass darüber diskutiert wurde, inwieweit ein wackliges Sexvideo mit einem Hussein-Darsteller und einem männlichen Jugendlichen bei der US-Invasion hätte helfen können. "Das hätte aussehen müssen, als ob es mit einer versteckten Kamera mit niedriger Auflösung gefilmt wurde", zitiert die "Washington Times" die anonyme Quelle.
Der "Gawker" kritisiert auch, dass die "New York Times" zwar über die Wikileaks-Dokumente, die Al-Saadi Gaddafi betreffen, berichtet hatte, dabei aber stets das Thema Bisexualität vermieden hat. Die prestigeträchtige Zeitung erklärte auf Anfrage nicht, warum sie dieses Thema ausgelassen hat - ein Sprecher sagte lediglich, dass man keine Informanten gefährden wolle. "Warum versucht die Zeitung, die Privatsphäre des Mitglieds einer brutalen Autokratie zu schützen", fragt dazu "Gawker".
Der dritte Sohn des libyschen Ex-Diktators Muammar al-Gaddafi st eine sehr exzentrische Figur: Er wurde 2001 bis 2003 zum Fußballer des Jahres in Libyen "gewählt" - allerdings war sein Club meist wegen einseitiger Schiedsrichterentscheidungen erfolgreich. Er versuchte sich als Profi auch bei italienischen Erstligisten, bestritt aber in fünf Jahren nur zwei Spiele - er wurde beide Male in der letzten Viertelstunde eingewechselt. In Italien erhielt er 2003 zudem eine dreimonatige Sperre wegen Dopings. Im Moment befindet er sich auf der Flucht - er soll sich vor einer Woche in den Niger abgesetzt haben.
Gawker.com outet gerne

Artikel auf gawker.com
Der "Gawker" hat in den letzten Jahren wiederholt Promis geoutet. Für Aufsehen sorgte ein Bericht über Tim Cook, der inzwischen zum Apple-Chef aufgestiegen ist. Cook hatte seine Sexualität nie öffentlich geleugnet, aber auch nie zum Thema gemacht. Vor wenigen Wochen führte das zu einer Debatte, ob ein Outing bei prominenten Vorbildern möglich sein sollte, um die gesellschaftliche Anerkennung von Homosexualität voranzubringen - oder ob die Medien die Privatsphäre von Promis achten sollten (queer.de berichtete).
Nicht alle Prominenten sind erfreut über die offenen Berichte auf gawker.com: So drohte Schauspieler John Travolta Ende letzten Jahres mit einer Klage, sollte das Portal nicht "verleumderisch eklatante Lügen" auf seiner Seite löschen (queer.de berichtete). Das Blatt hatte darüber berichtet, dass Travolta angeblich gerne in Los Angeles in Schwulensaunen verkehrt. Trotz der Drohungen ist der Artikel noch immer online. (dk)











