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Körper bildet HIV-Antikörper
Fortschritte bei Suche nach Impfstoff gegen HIV
- 30. September 2011 2 Min.

In Deutschland gibt es Jahr für Jahr rund 3.000 HIV-Neudiagnosen (Bild: C. Goldsmith/CDC)
In ersten Tests zeigte ein von spanischen Forschern entwickelter Impfstoff gegen HIV eine 90-prozentige Schutzwirkung beim Menschen.
Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler des Spanischen Zentrums für Biotechnologie die Abwandlung eines abgeschwächten Pockenvirus, in dessen Gensequenz vier HIV-Gene eingesetzt wurden. Bei Tests an Menschen wurden im ersten Jahr bei 90 Prozent eine starke Immunabwehr gegen HIV festgestellt. Im zweiten Jahr waren es immer noch 85 Prozent. Schon 2009 konnten thailändische Forscher mit einem ähnlichen Präparat Erfolge vermelden, damals allerdings mit einer Senkung des HIV-Ansteckungsrisikos von langfristig nur 30 Prozent.
Laut Studienleiter Mariano Esteban wird allerdings noch viel Zeit vergehen, bis ein derartiger Wirkstoff in Apotheken erhältlich ist: "Derzeit ist der Wirkstoff erst in den Phase-Eins-Tests. Mit einem marktreifen Produkt ist in den nächsten Jahren noch nicht zu rechnen, da zuerst die anderen Studienphasen Erfolg bringen müssen", erklärte Esteban. So beteiligten sich etwa nur wenige Freiwillige an der Studie, insgesamt 30 HIV-negative Menschen. 24 von ihnen erhielten den Wirkstoff injiziert, sechs ein Placeboprodukt. Nebenwirkungen blieben dabei aus. Einen ähnlichen Versuch startet Esteban gerade mit HIV-positiven Versuchspersonen, um auch einen möglichen therapeutischen Effekt zu überprüfen: "Bei Ratten wurde das HI-Virus durch die Impfung nicht am Eintritt gehindert, blieb aber kontrollierbar", erklärte der Forscher.
Impfstoff als Heiliger Gral
Esteban betont, dass eine Impfung in erster Linie für Risikogruppen gedacht wäre - etwa für Sexarbeiterinnen, schwule Männer, Kinder von HIV-Trägerinnen oder die Bevölkerung afrikanischer Länder südlich der Sahara. "Unsere Impfung zielt auf den Subtypus HIV-B ab, der in Europa und Nordamerika verbreitet ist. Der Wirkstoff muss für HIV-C in Afrika und Asien leicht abgeändert werden", so der Forscher. Langfristig könne dann HIV in seinen Auswirkungen mit Herpes verglichen werden, hofft Esteban.
Wissenschaftler in aller Welt warnen jedoch vor zu großen Erwartungen: "Ein HIV-Impfstoff ist seit langem der Heilige Gral für Forscher", erklärte Joseph Rahimian vom Langone Medical Center in New York. Es sei jedoch "aufregend", wenn sich die Ergebnisse der spanischen Wissenschaftler bestätigen würden. In Tests müsste nun vor allem festgestellt werden, wie lange der Impfstoff die Schutzwirkung aufrecht erhält.
Die Ergebnisse der Studie werden in den Fachzeitschriften "Vaccine" und "Journal of Virology" veröffentlicht. (pm/dk)














