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Zeitschriftensterben
Bei ADAM geht das Licht aus
- 04. Oktober 2011 2 Min.

Kerle in Leder oder auch in Badehosen müssen jetzt ohne ADAM auskommen (Bild: Foerster Media)
Ein schwuler Traditionstitel verschwindet vom Zeitschriftenmarkt: Die Sommer-Ausgabe von "ADAM" war die letzte. "DU & ICH" hofft nun auf neue Leser...
Von Christian Scheuß
"Wir hatten in diesem Jahr innerhalb weniger Monate einen Rückgang der Verkaufszahlen um 50 Prozent. Da mussten wir den Saftladen zu machen!" - "ADAM"-Herausgeber Kurt Foerster findet markige Worte für das plötzliche Ende eines traditionsreichen schwulen Zeitschriftentitels. Die Nummer 266 für Juli / August war die letzte Ausgabe. Der langjährige Chefredakteur Wolfgang Fey wird zwar noch ein paar Monate am Frankfurter Sitz von Foerster Medien zu tun haben, aber für den Titel "ADAM" musste er bereits das Licht löschen.
Zumindest das Logo wird es noch ein Weilchen geben. Auf der Ausgabe Oktober / November der im Berliner Jackwerth-Verlag erscheinenden "Du & Ich" taucht es wieder auf. "Reiner Jackwerth hat mich gefragt, ob er den Namen auf sein Heft packen darf", erklärt Verleger-Kollege Kurt Foerster. "Er erhofft sich davon wohl ein paar neue Leser". Einen Verkauf von Titelrechten habe es aber nicht gegeben. "Ich habe nicht vor, 'ADAM' noch einmal wiederzubeleben", stellt Foerster klar. Der Seitenumfang der "Du & Ich" wurde extra um 30 Seiten erhöht. Nach Angaben von Chefredakteur Andreas Hergeth soll das zumindest noch bis Ende 2011 so gelten. Ob der größere Heftumfang gehalten werden kann, wird sich dann wohl anhand der Verkaufszahlen entscheiden.
Schwule Print-Magazine ein Zuschussgeschäft für die Verleger?

Der Traditionstitel DU & Ich kämpft mit harten Bandagen um neue Leser (Bild: Jackwerth Medien)
Über die Gründe der gesunkenen Verkaufszahlen kann Foerster nur spekulieren. "Vielleicht waren wir zu schlecht." Mit dem Tod des Journalisten Hermann J. Huber vor zwei Jahren hat das Heft einen wichtigen Autoren verloren, der sich in der Welt des Glamours, der Stars und Sternchen bestens auskannte. "Wir haben niemanden gefunden, der diese Lücke schließen konnte", sagt Foerster.
Vielleicht lag es aber auch mit an den Vertriebsstellen. Gerade im Bahnhofsbuchhandel, einem der wichtigsten Verlaufsplätze für Titel wie "ADAM", herrscht ein großer Verdrängungswettbewerb. Zeitschriften, die nicht auffällig platziert sind, verkaufen sich schlechter. Auch wenn die verbliebenen Leser das Aus bedauern, am Ende war es eine rein kaufmännische Entscheidung: "Das Heft hat so viel Arbeit gemacht, und dann rechnet es sich nicht. Ich kann ja nicht jeden Monat tausende von Euro drauflegen."
Das Magazin "Du & Ich" war Ende 1969 die erste Neugründung eines schwulen Titels nach der Entschärfung des Sexual-Strafrechts-Paragraphen 175. "ADAM" folgte 1976 und hatte wechselnde Verleger. 1983 übernahm Foerster Medien den Titel und führte ihn bis zum Sommer 2011.














Der Markt ist kannibalisiert und verschlingt Titel um Titel. Schade.