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Spielfilm "All My Life"
Schwuler Alltag in Ägypten
- 11. Oktober 2011 3 Min.

Ein Paradebeispiel des ägyptischen Untergrundfilms: "All My Life"
Jetzt auf DVD: Maher Sabrys mutiger Spielfilm "All My Life" musste heimlich im Guerilla-Stil in Kairo gedreht werden - ein Ex-Mufti forderte bereits die Verbrennung.
Von Carsten Weidemann
Vor genau zehn Jahren wurden 52 schwule Männer in der Discothek "Queen Boat" in Kairo verhaftet. Auf dieser Basis erzählt Autor und Regisseur Maher Sabry in seinem Spielfilm "All My Life" von der problematischen Realität homosexuellen Alltags in Ägypten.
Die dreijährige Drehzeit ohne Budget und unter hohen Risiken, geprägt von Zensurbestimmungen und staatlichen Restriktionen, hat sich jedoch gelohnt: "All My Life" ist ein Paradebeispiel des ägyptischen Untergrund-Films, ein politisches und poetisches Statement für den Kampf um Freiheit und (sexuelle) Selbstbestimmung. Und dass ein Ex-Mufti bereits die sofortige Verbrennung des Films gefordert hat und ein führender Doktor dem Film unterstellt, er würde aufgrund der Darstellung von schwulem Sex die Verbreitung von Aids fördern, zeigt, wie massiv die staatliche und religiöse Unterdrückung Andersdenkender wirklich war und - trotz Revolution - möglicherweise heute noch ist.
Liebe und Sex in der versteckten schwulen Szene von Kairo

Der Film thematisiert auch staatliche und religiöse Gewalt und Unterdrückung von Schwulen in Ägypten
Die eigentliche Story: Rami ist 26, lebt in Kairo, hat einen gut bezahlten Job, liebt das Leben - und er ist schwul. Nicht unbedingt offen, aber er versteckt sich nicht hinter heterosexuellen Beziehungen. Er war glücklich mit Walid, der ihn jedoch für eine Frau verlassen hat - aus "Rücksicht" auf die Familie. Ramis beste Freundin Dalia verlässt die Stadt, geht an die Uni von San Francisco und drängt Rami, mit ihr zu kommen. Karim, der beste Freund, Arzt, treibt sich gerne in der versteckten schwule Szene der Metropole herum, hat einen amerikanischen Liebhaber und wird bei einer Razzia beinahe verhaftet.
Ahmad, Ramis Nachbar, wiederum ist ein strenggläubiger Muslim, der mit seinen unterdrückten Trieben hadert. Und Mina, der christliche Junge von gegenüber, begehrt Rami schon lange, lebt ungeoutet unter der Fuchtel seiner Mutter. Rami beginnt ein unstetes Leben und gibt sich mit Touristen ab, die auf der Suche nach Sex sind. Als er den charmanten jungen Atef kennenlernt, einen Kellner, muss er sich entscheiden: kann er jemandem lieben, der nicht aus seinen Kreisen stammt?
Auch in der Fremde sind die Macher und Darsteller Ägypter
Der Titel "Toul omry" (All My Life) basiert auf dem Titel des ägyptischen Lieds "Toul omri ayesh liwahdi" ("Mein ganzes Leben war ich allein") von Mohamad Abdel-Wahab aus den 1930er Jahren. Der Song erzählt von der Einsamkeit in einer Welt von Familien und Freunden und die Suche nach Seelenverwandtschaften. Eine zentrale Metapher des Films, ein Lied aus einer Zeit, als die ägyptische Gesellschaft liberal genannt werden konnte, als Individualismus noch nicht geschmäht und verdammt, als der religiöse Fundamentalismus noch nicht die Privatsphäre erreicht hatte.
Die Dreharbeiten für den Film verliefen abenteuerlich: Alle ägyptischen Szenen entstanden im Guerilla-Stil auf der Straße aus Furcht vor staatlichen Restriktionen. Ein Großteil konnte verständlicherweise nur im sicheren Kalifornien entstehen. Auswanderung ist ein Thema des Films, er versucht jedoch zu betonen, dass Flucht keine Lösung ist und sein darf: diejenigen, die anders sind, sollten nicht gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen. Auch in der Fremde sind die Macher und Darsteller Ägypter. Der Funken, den der Einsatz dieser Talente in der Diaspora erzeugt hat, wurde gesehen und verstanden.
All My Life (Toul omry), Spielfilm, Ägypten 2008, Regie: Maher Sabry, Laufzeit: 120 Minuten, Sprache: OV (Arabisch, Deutsch, Englisch, Französisch) mit deutschen und englischen Untertiteln, FSK 16, Gmfilms
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