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- 12. Oktober 2011 3 Min.

John Smid will nicht länger Schwule hassen – auch nicht sich selbst.
Als früher Chef von Exodus International hat John Smid Homosexuelle stets dazu aufgefordert, entweder Buße zu tun oder im Höllenfeuer zu schmoren – inzwischen tut ihm diese Haltung leid.
Von Dennis Klein
Exodus International ist die weltweit größte so genannte Ex-Gay-Gruppe. Die Mitglieder sehen es als ihre Pflicht an, Homosexuelle zur Heterosexualität zu bekehren – und das mit deftiger Rhetorik. So erklärte ihr früherer Anführer John Smid noch vor wenigen Jahren, dass der Tod in jedem Fall besser sei als das Leben als Schwuler: "Bei eurem körperlichen Tod könnte eure Seele immer noch wiederauferstehen. Wenn ihr aber zur Homosexualität zurückkehrt, macht ihr Platz für einen seelischen Tod, von dem es keine Rettung gibt."
Smid glaubte, 1984 die Antwort auf seine eigenen homosexuellen Gelüste gefunden zu haben: "Ich habe Jesus Christus als meinen Retter angenommen", wiederholte er immer und immer wieder. In den letzten Monaten sind ihm aber offenbar Zweifel gekommen: Denn in einem Blog erklärte Smid nun, dass er noch niemanden getroffen habe, der den "therapeutischen" Weg von der Homo- zur Heterosexualität wirklich erfolgreich gegangen sei. Außerdem sei es Blödsinn, so Smid, von Schwulen und Lesben Buße zu verlangen: "Die Leute können keine Buße tun, denn sie sind homosexuell – oder eben nicht. Das ist ein wesentlicher Teil ihres Seins – und auch meines Seins." Daher will er nicht mehr Homosexuelle generell verurteilen, wie es vor ein paar Jahren noch Alltag für ihn war. Heute sagt er: "Ich verstehe, warum die Gay Community so wütend über mich war. Meine Perspektive hat so viele Facetten der homosexuellen Erfahrung geleugnet. Ich habe das Leben einer Person auf ihre Sexualität reduziert, aber Homosexualität ist so viel mehr als nur Sex." Er glaubt daher nun sogar, dass der Schwule von Nebenan ein guter Christ sein kann.
Frühere Ex-Gay-Anführer in Schwulitäten

Werbung für Homo-Heilung im ländlichen Amerika
Solche Erkenntnisse gestandener Selbsthass-Aktivisten sind nichts Neues. Besonders spektakulär war der Fall des früheren Exodus-Chefs John Paulk. Der "geheilte" und mit einer "Ex-Lesbe" verheiratete Vorsitzende wurde 2000 in einer Schwulenbar in Washington gesichtet. Paulk verteidigte sich und erklärte, er habe nicht gewusst, dass er sich in einer solchen Bar aufgehalten habe – ohnehin wollte er "nur mal pinkeln" gehen. Später gab er jedoch zu, dass er Männer treffen wollte – 13 Jahre nach seiner "Heilung".
Letztes Jahr sorgte der Fall George Rekers für Erheiterung in der schwulen Welt. Der prominente Ex-Gay-Pfarrer wurde beim Europa-Urlaub mit einem Callboy erwischt (queer.de berichtete).
Lustig sind diese Geschichten für die meisten jungen Schwulen und Lesben, die mit ihrer Sexualität ringen, freilich nicht. Gerade in den letzten Jahren hat es immer mehr Berichte über schwule und lesbische Schüler gegeben, die sich aus Verzweiflung über ihre "Krankheit" das Leben nahmen.
Deutschland hat seine eigenen Homoheiler
Auch in Deutschland sind diese Missionare unterwegs – sogar in Berufszweigen, in denen man eine derartige Ignoranz nicht erwartet: So wirbt etwa der Bund katholischer Ärzte für "religiöse, psychotherapeutische und medizinisch-homöopathische Möglichkeiten der Behandlung bei Homosexualität und homosexuellen Neigungen" (queer.de berichtete). Besonders aktiv ist deutsche Ex-Gay-Verein Wüstenstrom und das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft, das von der Ärztin Christl Ruth Vonholdt betrieben wird. Erst gestern wurde verkündet, dass Vertreter beider Vereine mit dem Förderpreis der evangelikal geprägten "Christlichen Bildungsstiftung" ausgezeichnet werden. Sie hätten sich "um Belange von Bildung, Seelsorge und Mission verdient gemacht haben", heißt es in der Würdigung. Dass sie mit ihrer unerbittlichen Rhetorik über Leichen gehen, ist offenbar zweitrangig.














