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Vorstoß in Bonn
Der Steuer-Automat für Sexarbeiter
- 14. Oktober 2011 3 Min.

Selbständige Callboys müssen neben den normalen Steuern in vielen Gemeinden auch noch eine Sexsteuer abführen
In Bonn können Prostituierte an einer Art Parkuhr die neu eingeführte Sexsteuer begleichen - noch sind andere Gemeinden skeptisch, diesem Modell zu folgen.
Von Dennis Klein
Kaum ist die "Tagesschau" vorbei, schon gilt das außergewöhnlichste Parkticket der Republik: In Bonn können Prostituierte seit Januar an einem Automaten eine Berechtigungskarte lösen, mit der sie ihrem Geschäft mit dem Segen der Finanzbehörden nachgehen dürfen. Auf dem Display des erstmalig in Deutschland aufgestellten Automaten heißt es: "Montag bis Sonntag 20.15 Uhr bis 6.00 Uhr. Die Nacht 6,00 Euro". Für den Preis eines Burger-King-Menus haben die Frauen damit die in der früheren Hauptstadt neu eingeführte Sexsteuer für einen Arbeitstag beglichen - egal, wie viele Kunden sie bedienen. Die klamme Stadt will mit dieser Flat-Tax jährlich 300.000 Euro einnehmen.
Immer mehr deutsche Städte führen eine Extra-Steuer auf Prostitution ein, bislang ist aber das Bonner Modell einmalig. Es wird derzeit nur an einem sogenannten Verrichtungsgelände eingesetzt. Dort gibt es sechs Holzboxen-Parkplätze, eine Art Drive-in für heterosexuelle Autofahrer, denen es in der Hose juckt.
Ist das auch ein Konzept für die schwule Prostitution? Alex vom Kölner "Men's Club" Valentino kann dem Vorstoß einiges abgewinnen: "Es gibt immer noch Hemmungen, aufs Amt zu gehen und einen Antrag zu stellen", beschreibt er die Probleme seiner selbständig arbeitenden Callboys, die bereits seit mehreren Jahren eine Sexsteuer entrichten müssen. Insbesondere in der Altstadt von Köln seien solche Automaten sinnvoll.
Die Stadt winkt aber erst einmal ab: Man habe bislang die Einführung eines Ticketautomaten "nicht diskutiert", erklärte Sprecherin Inge Schürmann. Der Straßenstrich in Bonn sei leichter zu regulieren, da er sich in einer "baulichen Eingrenzung" befinde. Derzeit verlangt Köln zwar ebenfalls sechs Euro pro Nacht von Huren oder Callboys, allerdings ist das Verfahren komplizierter: Die Stadt geht generell davon aus, dass die Sexarbeiter pro Kalendermonat 25 Tage lang ihre Brötchen verdienen - die Steuerpflichtigen müssen dann jeden Monat ein Formular ausfüllen, in dem sie die "nachgewiesenen Veranstaltungstage" angeben müssen. Das Steueramt kontrolliert mit unangemeldeten Versuchen, ob es unter den Mädels oder Jungs Schwarzarbeiter gibt.
Aids-Hilfe kritisiert: Prostitution noch kein normales Gewerbe
Der Automat löst freilich viele Probleme nicht. So beklagen die Aidshilfen, dass Prostitution trotz der Legalisierung im Jahr 2002 immer noch nicht als normales Gewerbe angesehen wird - und die Sexarbeiterinnen und -arbeiter so diskriminiert werden: "So ist zum Beispiel die Sperrgebietsverordnung in vielen deutschen Städten noch immer eine gängige Praxis und Werbung des Sexgewerbes wird oft nur nach moralischen Aspekten bewertet", erklärte Heidi Eichenbrenner, die stellvertretende Geschäftsführerin der Aids-Hilfe Köln. Jan Gentsch von der Bonner Aids-Hilfe verweist auch darauf, dass die Automaten - obgleich sie eine "praktikablere Lösung" seien - das große Problem der Notlagenprostitution nicht lösten. Denn viele Callboys stammen aus ärmeren Ländern - vor allem aus Osteuropa - und prostituierten sich, um überleben zu können. Sie sind meist noch nicht einmal in Deutschland registriert.
In den Bonner Verrichtungsboxen überprüfen nun Beamte, ob alle Huren brav ihre Tagestickets gelöst haben. Wenn nicht, erhalten sie zunächst eine Verwarnung - wie beim Schwarzfahren werden die Sanktionen bei einem mehrmaligen Verstoß härter, bis hin zum Platzverweis. Die Steuer selbst wird übrigens auch von der Aids-Hilfe nicht als Teufelszeug angesehen: "Wie in jedem Gewerbe gibt auch im Sexgeschäft Rechte und Pflichten. Zu den Pflichten gehört, dass man auch Steuern bezahlt", erläutert Eichenbrenner.













Reichen dem Staat, dieser gefräßigen Krake, nicht bereits die normalen Steuern und Abgaben, die ein jeder von uns abdrücken muss (es sei denn, er wäre superreich - dann kann man sich schön auf Null rechnen)?
Nein, es werden immer neue Abzockmethoden erdacht - besonders gerne für die, die sich nicht so gut wehren können, wie zum Beispiel Huren und Callboys.
Da denkt man sich, die sind sowieso "anrüchig" und haben zu wenig Geld und auch keine Lobby.
Eine solche Steuer ist eine Unverschämtheit, weil damit ausgedrückt werden soll, dass Sexdienstleistung nicht "normal" sei. Man stigmatisiert die Sexarbeiter noch mehr, als sie es ohnehin öffentlich schon sind.
Für mich tun Callboys und Huren nichts anderes als der große Rest der Bevölkerung: sie arbeiten, um Geld zu verdienen. Wer immer glaubt, sie deswegen diffamieren zu müssen, hat sie nicht mehr alle.
Und die, die am meisten gegen Prostitution schreien, laufen sowieso dreimal die Woche zur Domina, um sich wieder einnorden zu lassen. Ist doch immer dassselbe ...