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  • 19. Oktober 2011 15 3 Min.

Magnus Hirschfeld würde mit der nach ihm benannten Stiftung nicht glücklich, kritisiert TransInterQueer (Bild: Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V.)

Das Berliner Netzwerk TransInterQueer hat für die geplante Magnus-Hirschfeld-Stiftung einen breiteren Forschungsauftrag und eine Einbeziehung in alle Gremien gefordert. Die Errichtung der Stiftung war Ende August vom Bundeskabinett beschlossen worden (queer.de berichtete), nachdem sie in den letzten Jahren Spielball des Parteienstreits war. Die Stiftung hat den Zweck, sowohl an die Verfolgung Homo­sexueller durch die Nationalsozialisten zu erinnern als auch deren heutige Lebenswelt zu erforschen. Sie wird mit zehn Millionen Euro Stiftungsvermögen ausgestattet.

In den aktuellen Stiftungszielen und der Satzung der Bundes­stiftung "fehlen Transgender, Trans­sexuelle und inter­geschlechtliche Menschen und damit wesentliches", kritisiert nun das Berliner Netzwerk TransInterQueer. "Dies dürfte nicht im Sinne des Namensgebers sein." Gerade das an Transgendern begangene Unrecht durch die Nazis sei "historisch und in seinen Interdependenzen zu Homosexualität und anderen Mehrfachdiskriminierungen unbearbeitet."

Es sei "mehr als unredlich, einerseits historisch richtigerweise die Stiftungsgründung mit der Diskriminierung auch von Transgendern argumentativ zu begleiten, dies jedoch nicht im Mandat einzulösen." Es sei auch bedenklich, dass in Fachbeirat und Kuratorium kein Transgender-Vertreter vorkomme. Nach einer Intervention beim Bundesjustizministerium seien nun immerhin zwei Plätze im Fachbeirat in Aussicht gestellt worden.

Mehr als guter Wille gefordert

Doch solange die Stiftung kein ausdrücklickes Mandat zur Erforschung von Transgender-Themen habe, sei man auf den guten Willen der Verantwortlichen angewiesen, kritisiert TransInterQueer. "Wie schon die Entstehungsgeschichte der Stiftung zeigt, ist darauf kein Verlass - oder warum hat niemand zuvor im Planungsprozess daran gedacht?" Dabei sei diese Forschung auch im Hinblick auf aktuelle Diskriminierung erforderlich, so das Netzwerk, das auch die "Marginalisierung lesbischer Perspektiven" in der Stiftung kritisiert.

Vor wenigen Wochen hatte bereits der Lesbenring die Stiftung kritisiert (queer.de berichtete), weil Lesben in Person und Inhalten zu wenig vertreten seien. Für die TransInterQueer-Forderung nach einem "Ende der Exklusion, Ignoranz, Fremdrepräsentation und des 'Mitgemeint-Seins'" hat sich der Verein zahlreiche Unterstützer gesichert, darunter mehrere Institutionen wie das queere Filmfestival in Hamburg oder GLADT, aber auch zahlreiche Einzelpersonen, von der viele an Universitäten forschen.

Individuelle Verfolgung


Ein Stolperstein und ein Leben

Der Pressemitteilung beigefügt hat das Netzwerk die Biographien von zwei Personen: Von Charlotte Lahm, die mehrere Treffpunkte für Lesben betrieb und die Transvestitenvereinigung D`Eon gründete. Sie wurde vom Vater ihrer Freundin der Verführung Minderjähriger angeklagt und kam ins Gefängnis. Später landete sie im Frauenkonzentrationslager Moringen, die genauen Haftgründe bleiben unbekannt, und überlebte.

Deutlicher und tragischer ist die Geschichte des Ludwigshafeners Heinricht Habitz, die sich Liddy Bacroff nannte und als schwuler Transvestit bezeichnete. Liddy ging anschaffen, wurde mehrfach wegen Unzucht verurteilt. Nachdem ein Arzt beim Begehren einer "freiwilligen" Kastration Liddy bescheinigte, sich als "Urning = Strichjunge = passiver Päderast" auch nach einer Kastration vermutlich weiter zu betätigen, wurde sie 1938 vom Landgericht Hamburg wegen "gewerbsmäßiger widernatürlicher Unzucht" als "gefährlicher Gewohnheitsverbrecher" zu drei Jahren Zuchthaus mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Am 6. Januar wurde Liddy im KZ Mauthausen ermordet.

Liddy ist in Hamburg ein Stolperstein gewidmet, dessen Webseite mehr von der Verfolung erzählt.

-w-

#1 Geert
  • 19.10.2011, 11:50h
  • Man kann nicht das ganze Lexikon der Erotik abdecken. Die Stiftung sollte sich mit der EINEN menschlichen Sexualität beschäftigen, die sich in vielen bunten Farben zeigt.
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#2 stromboli
  • 19.10.2011, 12:36hberlin
  • Antwort auf #1 von Geert
  • der "EINEN menschlichen Sexualität"..
    meinst du vieleicht deine???

    Die "eine" gibt es nur in der konservativ/ bewahrenden interpretation der polarisierenden hetero-homonormierung...
    aber "gott sei dank", es gibt mehr als nur diese beschränkte wahrnehmung oder der neuinterpretation der farbenlehre.
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#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 19.10.2011, 12:54h
  • Bleibt zu wünschen, daß beide Organisationen ihre Differenzen aus der Welt schaffen können und das zu einem versönlichen Ende kommt.
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