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- 20. Oktober 2011 2 Min.

Bielefeld von einer schöneren Seite (Bild: TerraMareFoto / flickr / by-sa 2.0)
In Bielefeld ist ein schwuler Mann von seiner Ehefrau erpresst und mit dem Tode bedroht worden, berichtet das "Westfalen-Blatt".
Die 27-jährige aus dem Irak stammende Frau soll demnach seit 2010 mit dem Mann nach religiösem Recht verheiratet sein. Als sie ihrem Mann über Internet-Datingseiten und Handy-Kontakte auf die Spur kam, soll sie ihre Familie informiert haben, die den Mann zur Rede stellte und später unter Druck setzte.
So sollen von ihm bei einer Aussprache zunächst 25.000 Euro, später 10.000 Euro als eine Art Strafe gefordert worden sein, ansonsten würde er getötet. Auch solle die Ehe sofort aufgelöst werden.
Das "Westfalen-Blatt" (eine andere Quelle liegt nicht vor) bemüht sich, die Tat mit dem muslimischen Hintergrund der Familie in Verbindung zu bringen und zitiert Dr. Michael Bochow mit den Worten, Schwulenfeindlichkeit sei weniger auf den Islam zurückzuführen als auf die Tatsache dass in diesen Kulturkreisen ein bestimmtes Ehrverständnis herrsche. "Homosexuelle Männer verlieren in den Augen dieser Menschen ihre Ehre und beflecken die ihrer Familie."
Auch die Verteidigung bringt Religiöses ins Spiel, berichtet die Zeitung. Die Frau könne nun nicht mehr als Jungfrau in die nächste Ehe gehen und sei "mit einem Makel behaftet", so der Rechtsanwalt. Das Geld sei aber nicht als Strafe gefordert worden, sondern als Rückerstattung der Kosten der Hochzeit.
Wieviel dran ist an dem vermeintlich verhinderten Ehrenmord in Bielefeld wird wohl nur das Gericht klären können. Es gibt aber ein Indiz: Der Mann ging direkt nach dem erhitzten Treffen zur Polizei, wollte die Anzeige aber später zurückziehen, weil sich die Familien versöhnt hätten. Die Staatsanwaltschaft hält an der Anklage gegen die Frau und drei Verwandte wegen versuchter Nötigung fest, demnächst muss sich ein Schöffengericht mit ihr befassen. (nb)














