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Bear Pride Week in Köln
Der Stolz der Bären und Bärte
- 19. November 2011 4 Min.

Ralf König steuerte das Logo der Bärenwoche bei
In Köln beginnt am 22. November die "Bear Pride Week", doch nicht nur Feiern ist angesagt: Es soll auch ein europäischer Dachverband für Bären aus der Taufe gehoben werden.
Von Dennis Klein
Organisator Michael Zgonjanin betont, dass der Bear Pride nicht nur Behaarten und Bebarteten offen steht: "Jeder kann kommen", so Zgonjanin, der bereits scherzhaft über Wege nachdenkt, wie sich wirklich jeder willkommen fühlen kann: "Wir könnten ja Bärte verleihen gegen eine kleine Gebühr". Einzig bei der Bärensauna am Mittwoch und Freitag sowie der Cockpit-Party am Samstag gibt es Verbote - hier darf niemand mit zwei X-Chromosomen rein.
Die Vorbereitungen für die Bärenwoche laufen bereits auf Hochtouren: Jeden Tag werden den mehreren tausend Besuchern, von denen die meisten aus dem europäischen Ausland erwartet werden, eine Reihe von Events angeboten. Dabei können Bären etwa am Dienstag Bingo spielen ("Busting Balls") oder am Donnerstag um die Wette bowlen. Auch für den Nachwuchs wird etwas getan: Die Jungbären weihen etwa am Samstagnachmittag kurz nach der Eröffnung der Kölner Weihnachtsmärkte die Glühwein-Jahreszeit ein - im so genannten "Christmas Fair Hopping". An den Abenden steigen dann die lockeren Treffs und großen Partys. So können sich am Mittwoch bei "Beards Meeting Beards" die Burschen treffen, die besonders stolz auf ihre Gesichtsbehaarung sind. Der von türkischen und serbischen Bärengruppen organisierte Orient(S)Express verspricht am Donnerstag eine südländische Atmosphäre, bei der "Butch & Bear"-Party am Freitag heizen bekannte europäische DJs ein.
Bären im Wahlkampf

Wer wird Herr Bär 2011?
Höhepunkte der Pride-Woche sind die Bear Reception (Empfang) am Freitag im Hotel Ahl Meerkatzen und das "European Bear Rendezvous Cologne" am Samstagabend im Gloria. Beim Rendenzvous wird auch wieder der neue Mr. Bear gewählt. Die Wahl fand noch im letzten Jahr vor 1.100 Gästen in der Mülheimer Stadthalle statt. In diesem Jahr haben sich die Organisatoren jedoch dafür entschieden, mehrere kleine Events zu veranstalten, wegen der größer werdende Vielfalt und Internationalisierung der Szene. Die sechs Kandidaten für den Titel sollen aber während der Pride-Woche allgegenwärtig sein: Sie veranstalten in dieser Zeit erstmals einen Wahlkampf. Jeder Interessierte kann via www.bartmaenner.de seinen Lieblingskandidaten wählen. Und das lohnt sich: Organisator Michael Zgonjanin hat erklärt, dass wenige Tage nach der Eröffnung der Wahl noch kein klarer Favorit zu erkennen ist.
In den letzten Jahren war die Wahl zum Mr. Bear stets das "Familientreffen" der Aktivisten. Diese Aufgabe soll nun der Empfang übernehmen. Hier sind am Samstag die Partnergruppen aus Istanbul, Madrid, Tel Aviv und anderen Ländern dabei - ein offener Austausch soll auch mit Homosexuellen aus Ländern stattfinden, in denen ein offenes Auftreten unmöglich ist, etwa aus dem Jemen oder dem Iran. Allerdings sind diese Schwulen selbst den deutschen Behörden suspekt. So ist etwa einem Mann aus Uganda die Einreise nach Deutschland verweigert worden, obwohl die Bear-Pride-Organisatoren für ihn gebürgt hatten.
Köln soll Hauptsitz der europäischen Bären werden
Es steht also nicht nur Feiern an. Sogar eine neue Organisation soll in dieser Woche aus der Taufe gehoben werden: Die Delegationen aus den verschiedenen Ländern wollen auch einen paneuropäischen Bärenverband gründen. Gut für den rheinischen Stolz: Da Köln noch vor Madrid als Zentrum der Bärenszene auf dem Kontinent gilt, soll hier der Sitz der Bear Federation sein. Ziel des Verbandes ist die internationale Koordinierung der Bärenevents, so dass etwa am selben Wochenende nicht Partys in Amsterdam, Köln und Wien stattfinden. Außerdem soll der Verband praktische Hilfe für Aktivisten aus Gegenden anbieten, in denen homosexuelle Subkulturen noch nicht so akzeptiert sind wie hierzulande. Als Beispiel wird hier immer wieder Belgrad genannt - in der serbischen Hauptstadt explodiert die Bärenszene geradezu; die Behörden und die Öffentlichkeit sehen darin aber eine Gefahr für die Gesellschaft und behindern die Szene. Die Stadt Köln steht dagegen hinter den Bären. Oberbürgermeister Jürgen Roters lobt in seinem Grußwort insbesondere das "Engagement für die Akzeptanz vielfältiger Lebensweisen". Ganz kölsch weist aber darauf hin, dass bei all den ernsten Themen "auch das gemeinsame Feiern nicht zu kurz kommen" dürfe.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zur Pride-Woche auf bartmaenner.de
Mehr zum Thema:
» Bären erobern Köln (29.09.11)











