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- 22. November 2011 3 Min.

Eine geschmückte Kirche in Dänemark
Die Evangelische Kirche in Deutschland streitet erneut über Homosexualität. In Bayern gibt es größeren Widerstand gegen einen möglichen Beschluss, der es Pfarrern und Pfarrerinnen gestatten würde, mit ihren gleichgeschlechtlichen Partnern in der Dienstwohnung zu leben. Die Landessynode in Kurhessen-Waldeck streitet über eine Segnung von Homo-Paaren.
Bereits jetzt können in Bayern Homo-Paare in Einzelfällen zusammen im Pfarrhaus leben, eine allgemeine Regelung steht derzeit auf der Tagesordnung der Landessynode, die seit Montag in Rosenheim tagt. Eine Vereinigung homosexueller Mitarbeiter, der lesbischschwule Konvent, hat rund 4.000 Stimmen für eine entsprechende Regelung gesammelt.
"Homosexualität ist für mich weder Sünde noch Krankheit, sondern eine menschliche Prägung, die im Licht des Evangeliums verantwortlich zu gestalten ist", heißt es in der Petition. Verlässliche und verbindliche gleichgeschlechtliche Partnerschaften sollten daher auch gesegnet werden können. Außerdem wird die Kirchenleitung aufgefordert, "entschieden gegen fundamentalistische Interpretationen der Heiligen Schrift vorzugehen, durch welche die Vielfalt der Volkskirche in Frage gestellt wird".
Kritiker sprechen von "Überwindbarkeit" der Homosexualität
Gemeint ist damit auch der "Arbeitskreis Bekennender Christen" (ABC) in Bayern, der rund 8.000 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt hat. In der Resolution heißt es, eine Gleichstellung der Ehe mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften verstoße gegen Geist und Buchstaben der Heiligen Schrift. "Nach dem Wort des Apostels Paulus schließt eine gleichgeschlechtliche Sexualpraxis vom Reich Gottes aus (1 Kor 6,9). Die Gemeinde ist verpflichtet, Menschen mit homophilen Neigungen und Prägungen die verändernde Kraft Gottes zu bezeugen und ihnen beizustehen (1 Kor 6,11)."
Will der ABC sagen, Homosexualität sei heilbar? Das tut er in vielen früheren Dokumenten. "Homosexualität stellt eine Störung der Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen dar, deren Ursachen meist in der frühen Kindheit liegen", heißt es etwa in einer "Lebensordnung für die Gemeinde" aus dem letzten Jahr. "Betroffenen" sei mit Achtung und Würde zu begegnen, ihnen sollten allerdings "Seelsorge und therapeutische Fachdienste zur Begleitung in ihrer Lebenslage" angeboten werden.
In dem Dokument heißt es weiter: "Überwindung homosexueller Neigung kann gelingen (1. Kor 6,11)." An anderer Stelle heißt es, Homosexualität bedürfe "im Lichte der Bibel gesehen der Überwindung". Eine solche "Veränderung - von Homoaktivisten gelegentlich als menschenverachtender unmöglicher Versuch zur 'Umpolung' diffamiert - setzt allerdings den Willen zur Veränderung und zur Geduld voraus". Sei dieser gegeben, seien "die Aussichten auf eine Besserstellung bis hin zur völligen 'Ausheilung' sehr gut".
"Wenn Betroffene im Bewusstsein sündigen Lebens nicht aus diesem Konflikt herausfinden, dann soll die Seelsorge das Leben im Dilemma begleiten", heißt es weiter. Homosexuelle sollten aber nicht zur "Entfaltung ihrer Neigung" ermutigt werden. "Menschen, die gegen die Aussagen der Heiligen Schrift ihre gleichgeschlechtliche Neigung öffentlich positiv bewerten oder sie propagieren, sind vom Heiligen Abendmahl auszuschließen." Dementsprechend könnten sie auch keine priesterlichen Aufgaben übernehmen.
Das Dokument (PDF) bietet noch mehr Textstellen, die zitierwürdig sind. Geschrieben hat es Martin Pflaumer, der auch Mitglied der Landessynode ist, die noch bis Donnerstag tagt. Eine Entscheidung zur Änderung des Dienstrechts wird erst zur nächsten Synode im Frühjahr 2012 erwartet.
Segnung in Kassel
Bereits am Mittwoch könnte hingegen die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck für eine Segnung von Homo-Paaren im Gottesdienst stimmen. Auch hier gibt es mit der Inititative "sola scriptura" (allein die Schrift) eine Gegenbewegung, die allerdings nur rund 200 Unterschriften gesammelt hat.
"In der Bibel wird eindeutig ausgedrückt, dass homosexuelles Verhalten eine Sünde ist", sagte dazu der Initiativsprecher Frank Skora, ein Priester im Ruhestand, den "Hessischen Nachrichten". Er sieht aber kaum Chancen, die Segnung zu verhindern. Sie wird so ausgestaltet sein, dass Homo-Paare ein Recht auf die Segnung haben, ein Priester aber aus Gewissensgründen ablehnen kann, diese selbst vorzunehmen. (nb)
Nachtrag, 23. November Die Synode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck hat am Mittwoch mit großer Mehrheit für die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren gestimmt. Mindestens ein Partner muss evangelisch sein.














