https://queer.de/?15412
- 22. November 2011 3 Min.

Christophe Darbellay (Bild: Wikicommons)
Meldungen an nur einem Tag im Jahr 2011: Ein Schweizer Politiker vergleicht Schwule mit Koksern, eine amerikanische Kollegin fürchtet, Menschen wollten nach der Einführung der Homo-Ehe auch den Eiffelturm heiraten, und ein Bürgermeister in Peru glaubt, das Trinkwasser mache seine Einwohner schwul.
Eine Woche nachdem sich der Schweizer Ständerat für ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ausgesprochen hat, sorgt eine Interviewäußerung von Christophe Darbellay für Aufregung bei Homo-Organisationen. Der Präsident der Christdemokraten hatte sich in der Westschweizer Zeitung "Le Temps" gegen ein entsprechendes Recht ausgesprochen, obwohl es bereits einige Paare mit Kindern gebe. "Wir würden auch nicht plötzlich Kokain legalisieren, weil es eine halbe Million Konsumenten gibt", so Darbellay in der Zeitung.
Die Kritik kam prompt. Die Vereinigung für Regenbogenfamilien findet es "unmöglich und beleidigend", dass Darbellay "Eltern gleichen Geschlechts mit Kokainsüchtigen vergleicht". "Seine Schwulenfeindlichkeit erschreckt uns", sagte Co-Präsident Chatty Ecoffey der Zeitung "20 Minuten". Auch andere LGBT-Verbände kritisierten den Vergleich. Darbellay hat sich inzwischen entschuldigt, er habe "nie jemanden beleidigen" wollen.
Eiffelturm und Erdnussbutter
Einen unglücklichen Vergleich leistete sich auch eine regionale Kampagnenchefin der republikanischen Präsidentschaftsbewerberin Michele Bachmann. In einem Video sagte Tamara Scott aus Iowa, die Legalisierung der Homo-Ehe führe nicht zur zu einer Legalisierung von Polyamory (der Liebesbeziehung zu mehr als einem Menschen), sondern auch zur Legalisierung der Ehe mit Objekten. Wie etwa dem Eiffelturm.
"Wenn Sie das zuhause sehen, werden Sie denken: Diese Frau ist verrückt", sagt Scott zu Zuschauern. "Aber ich habe das nicht erfunden. Geht online!" Bei einer früheren Rede hatte Scott als Mitglied der Concerned Woman for America bereits argumentiert, vor Homosexualität (die in eine Katastrophe führe) zu warnen, sei kein Hass, sondern mit einem Produktrückruf zu vergleichen. So sei gefährliche Erdnussbutter zurückgezogen worden. Wenn man an einem Tisch sitze, und jemand sei dabei, das Produkt zu verzehren, würde man diesen doch auch warnen.
It´s in the water
Derweil sorgte ein Bürgermeister in Peru für Schlagzeilen, weil er meinte, das Trinkwasser könne die Bewohner seiner Stadt homosexuell machen. José Benítez aus Huarmey sagte bei der Einweihung einer neuen Trinkwasserleitung, ein hoher Strontium-Gehalt im Wasser könnte männliche Hormone reduzieren und zu einem Anstieg der Schwulen in der Bevölkerung führen.
Grund: Das Wasser kommt aus dem benachbarten Tabalosos. Im Jahr 2000 hatte der TV-Sender Channel 4 aus Peru berichtet, in der 14.000-Einwohner-Stadt lebten nur Homosexuelle. Als Begründung hatte der Sender bereits damals das Trinkwasser angeführt. Die Bewohner protestierten daraufhin tagelang, der Bürgermeister verklagte den Sender. Doch das Homo-Image wurde die Stadt offenbar nicht los. (nb)












