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Kommentare zu:
Ist Barbie jetzt lesbisch?


#11 julian21
  • 03.12.2011, 00:56h
  • Antwort auf #10 von fink
  • "an diesem punkt wird es aber sehr schwierig, mit sozialen ursachen zu argumentieren. oder lernt ein kind schon im mutterleib geschlechtsrollenverhalten?"

    Und eben das ist der Knackpunkt. Im Schnitt haben Männer mehr Testosteron und sind, wenn man die Statistiken betrachtet, ja scheinbar aggressiver...

    "das von dir genannte experiment beweist zum beispiel nur, dass placebo-hormone aggression auslösen können. es beweist aber noch nicht, dass echte hormone das nicht auch können. das sollte man also auch nicht hineinlesen."

    ...Testosteron führt aber nachweislich (
    www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/news/aggressivi
    taet-der-irrtum-ueber-testosteron_aid_461343.html)

    nicht zu aggressivem Verhalten.

    Da offenbart sich doch ganz konkret wieder der typische Teufelskreis der Wissenschaften: Man biologisiert eigentlich sozialisierte Faktoren (Aggression), versucht dann wieder davon ausgehend die dafür verantwortliche Ursache zu benennen (Testosteron) und beeinflusst (= sozialisiert) damit letztlich wieder die Gesellschaft und das Spiel geht von vorne los.

    "auch auf "deiner seite" gibt es eine wissenschaft, die mit vorurteilen arbeitet und bestimmte erwartungshaltungen in ihre experimente hineinliest."

    Die Gender Studies, die du hier wohl ansprichst, sind parteiisch. Das wird von ihren Vertretern immer wieder betont. Dem voraus geht aber etwas sehr Wichtiges: Es wird nämlich der Objektivitätsanspruch von Wissenschaft generell in Frage gestellt. Objektives Wissen ist eine Fiktion, weil - und gerade das aufzuzeigen ist eine der zentralen Anliegen der Gender Studies! - Wissenschaft immer Teil der geltenden Machtordnung ist und herrschende Tabus reproduziert (Franziska Schößler: "Die Kategorie Geschlecht gilt als [...] Fundament jeglichen Wissens").

    Hinzu kommt, dass die Gender Studies sich, also die eigene Parteilichkeit (Stichwort: Vorurteile) und die eigenen Interessen, immer wieder hinterfragt.

    Kennst du auch nur eine "traditionelle" Wissenschaft (vorallem Naturwissenschaft!), all das ebenfalls für sich beansprucht?

    Daher kann man auch ruhig mal die Frage stellen: Wieso stehen gerade wir (Sozialisationstheoretiker_innen) in der Beweisschuld und die anderen (Determinist_innen) können sich auf ihren Annahmen ausruhen, die ja, wie beschrieben, gerade in die geltenden Machtordnung eingebettet waren und sind und damit alles andere als unabhängig sind?

    Genauer: Wieso beweist denn die Biologie nicht mal konkret, warum Männer angeblich von Natur aus aggressiver sind, anstatt soziologische Tatsachen zu biologisieren? Am Testosteron kanns ja nicht liegen.

    "der hormonpegel ist es ja, der im mutterleib überhaupt erst die entwicklung zum männlichen bzw. weiblichen körper verursacht und dabei vermutlich (!) auch schon unterschiede im gehirn anlegt."

    1. Die Gehirne von Männern und Frauen unterscheiden sich nicht. Erst durch Sozialisation sind, wenn überhaupt, Unterschiede festzustellen.

    2. Woher willst du wissen, dass "der hormonpegel" es ist, "der im mutterleib überhaupt erst die entwicklung zum männlichen bzw. weiblichen körper verursacht"?

    Und wo fängt der "männliche" Körper an, wo der "weibliche"? Der Punkt ist doch der, dass auch das "biologische Geschlecht" nur Konstrukt ist.

    Woher willst du z.B. wissen, dass du "100% Mann" bist? Weil du einen Penis hast, ne tiefe Stimme? Und was ist, wenn dir morgen jemand sagst, deine Chromosomen deuten eher darauf hin, dass du eine "Frau" bist?

    Letztlich bleibt einem doch nur der Schluss, dass alles konstruiert ist. Die Unterschiede innerhalb eines Geschlechts (Alter, soziale Herkunft, sexuelle Orientierung, Ethnie, Karriere, geografische Zugehörigkeit) sind viel größer als die zwischen den Geschlechtern, die Grenzen sind fließend, es gibt nicht DEN Mann, nicht DIE Frau.
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