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Gay Beijing
Stopover in Peking
- 29. November 2011 5 Min.

Das Moderne verdrängt das Alte: Chinas Hauptstadt ist ständig im Wandel (Bild: Micha Schulze)
Chinas Hauptstadt wird immer moderner - und schwuler. Acht Tipps für eine Stippvisite, die garantiert Lust auf mehr macht!
Von Micha Schulze
Hinkommen: Dutzende Airlines fliegen nach Peking, die Lufthansa sogar mit dem A380, doch wer nur einen Stopover sucht, ist mit Air China am besten beraten. Die Tickets sind günstig, außerdem kann man für nur rund 40 Euro Aufpreis einen "connecting flight" für ein paar Tage in der chinesischen Hauptstadt unterbrechen - und dann nach Hongkong, Seoul, Tokio oder Bangkok weiterfliegen. Keine Angst: Seit dem Beitritt zur Star Alliance Ende 2007 sind die berüchtigten Air-China-Flugbegleiterinnen nicht mehr ganz so ruppig, und in den neueren Airbus-Maschinen gibt's selbst in der Eco einen eigenen Monitor am Platz!
Unterkommen: Nicht erst seit den Olympischen Spielen 2008 ist Peking eine hochmoderne Stadt, die auch mit etlichen schicken Design-Hotels aufwarten kann. Die beste Wahl für schwule Reisende ist das A Hotel, das 120 Zimmer mitten auf der Tribüne des historischen Arbeiterstadiums bietet. Szene und Shopping liegen quasi vor der Haustür, auch zur nächsten U-Bahn-Station läuft man nur etwa 15 Minuten - was für das riesige Peking wenig ist. Wer wissen will, wer sonst noch einen "Superior Fashion Room" gebucht hat, holt am besten sein iPhone hervor und schaut mal bei Grindr nach...

Auch nicht jedes Chinesen Geschmack: Gegrillte Seesterne findet man in der Regel nur auf den Touristenmärkten (Bild: Micha Schulze)
Futtern: Rund 100 McDonald's-Filialen gibt es in Peking, doch wer dort hingeht, hat nicht alle Jasminteetassen im Schrank. Der beste Weg, sich durch die Stadt zu futtern, ist einfach der Nase zu folgen. Auf der Straße empfehlen sich u.a. die gedämpften Teigtaschen Baozi oder Yang rou chuan, lecker gegrillte Lamm-Kebap-Spieße. Das Beste an Peking: Hier bekommt man exzellente chinesische Küche aus allen Teilen des riesigen Landes. Die kleinen Kiez-Restaurants sind oft die besten. Hier gibt es zwar keine englischen Speisekarten, doch meist kann man auf Fotos der angebotenen Gerichte tippen. Keine Sorge: Nur sehr selten bekommt man anschließend Schlange oder Hund serviert!
Ausgehen: Der beste Ort, um ins schwule Pekinger Nachtleben einzutauchen, ist das Alfa (6 Xingfu Yi Cun Hutong, 朝阳区幸福一村6号工体北门对面的胡同里). Unter der Woche eine gemütliche und gemischte Cocktail-Lounge mit Sofas, entwickelt sich der Laden am Wochenende zu einem heißen Kessel Tuntes. Hunderte junge Schwule quetschen sich auf zwei Etagen, trinken Tsingtao aus der Flasche und schunkeln zu Lady Gaga und Co. Zum Ärger der Anwohner verlagert sich die Party selbst im Winter immer mehr auf die Straße. Mit jedem Cocktail oder Bier im Alfa tut man übrigens was für den guten Zweck: Die Inhaber finanzieren das jährliche Pekinger Gay-Festival mit.
Tanzen: Für viele schwule Peking-Besucher heißt die erste Destination in der Stadt: Destination. Der legendäre Club auf zwei Etagen gilt als die größte Gay-Bar Asiens - mit zwei Tanzflächen und nicht weniger als fünf Theken. Am Wochenende braucht man mindestens eine Stunde, um alle Räume des "Destination" zu erkunden - der Laden ist dann gerammelt voll mit modischen Hauptstädtern, Touristen vor allem aus Asien und nur wenigen Langnasen, hauptsächlich Expats und Flugbegleiter. Zu späterer Stunde kann im "Destination" alles passieren: Vielleicht laden dich sturzbetrunkene Briten zu Gin Tonic ein - oder eine Bären-Clique aus Shanghai zur kuscheligen Afterparty in ihr Hotel. Eventuell versucht dich ein armer Schlucker während einer Knutschattacke zu beklauen oder ein junger Rechtsanwalt überreicht dir schüchtern mit beiden Händen seine Visitenkarte...

Nachtleben unter roten Lampions (Bild: Micha Schulze)
Schwitzen: Mit deutschen Standards können Pekings Gay-Saunen nicht unbedingt mithalten - dafür sind sie deutlich kommunikativer. In der Batiya Sauna beispielsweise sprechen zwar nur wenige Gäste Englisch, doch in der Regel macht ein Älterer den Anfang und quatscht den unsicheren Besucher aus Europa an. Nach der obligatorischen Frage, woher man denn komme, plaudert man zehn Minuten über Volkswagen, Miss Merkel und die Stabilität des Euro, bis man schließlich zu Männergeschmack und sexuellen Vorlieben übergeht. Wer sich von dem freundlichen Sauna-Daddy nicht verkuppeln lassen will, flüchtet um 22 Uhr zur schrägen Travestieshow in den Barbereich.
Shoppen: Eigentlich ist ganz Peking ein einziger großer Markt, aber hier möchte ich vor allem das "Sanlitun Village" im Stadtteil Chaoyang empfehlen. In dieser nagelneuen, schicken Shopping Mall gibt es tatsächlich nur "echte" Sachen zu kaufen, die dennoch günstiger als in Deutschland sind. Das 100.000 Quadratmeter große "Oriental Plaza", lange Jahre Pekings Kaufhaus Nummer eins, sieht gegen das "Sanlitun Village" alt aus wie eine Woolworth-Filiale. Die neue Mall steht auch für die Modernisierung Pekings, die von der Stadtverwaltung ohne Pardon vorangetrieben wird. Einst galt das Viertel nämlich als zwielichtige Amüsiermeile. Trotz der überall plakatierten Propaganda-Poster "Civilized Chaoyang - Develop and Enjoy Together" sind allerdings noch nicht alle nervigen Anbieter von "Sexy Ladies", "Ecstasy" und "Rolex" von den Straßen verschwunden.
Entspannen: Was gibt es Schöneres, als nach ausgiebigem Shoppen bei einer Massage zu entspannen? Was reine Gay-Spas angeht, ist Peking mittlerweise dabei, selbst Bangkok den Rang abzulaufen. Leider kann man sich - ebenso wie in Thailand - nicht bei allen Massagesalons sicher sein, ob die "Therapeuten" auch ihr Knethandwerk gelernt haben - oder nur so schnell wie möglich zum "Happy Ending" übergehen wollen. Nicht ganz billig, aber Pekings beste Wahl für eine "richtige" Massage ist das Spa de Feng. Nach 90 Minuten "Whole Body Signature Relaxation Massage" für knapp 50 Euro - Fußschrubbbad und Tee immerhin inklusive - fühlt man sich wieder fit für mindestens die drei nächsten Shopping Malls...
Links zum Thema:
» Schwuler Peking-Guide von Utopia Asia (auf Englisch)
Mehr zum Thema:
» Gay and gayfriendly Hotels buchen


















