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Los Angeles
Volksentscheid über Bareback-Verbot in Pornos
- 06. Dezember 2011 3 Min.

Pornoproduzenten werben gerne mit Worten wie "Bareback" oder "Bare" für Filme, in denen Darsteller ohne Kondome ihrer Arbeit nachgehen
In der US-Pornohauptstadt Los Angeles entscheiden die Bürger voraussichtlich im Juni 2012 über eine Kondompflicht in allen Vollerotik-Filmen, die innerhalb der Stadtgrenzen gedreht werden.
Die Aids Healthcare Foundation (AHF) hat am Montag erklärt, dass sie 71.000 Unterschriften für einen Volksentscheid im Wahlamt vorgelegt habe. Nötig sind 41.000 Unterstützer (entsprechend 15 Prozent aller Wähler bei der letzten Bürgermeisterwahl). Wenn diese Anzahl an Unterschriften am Ende der Prüfung für gültig erklärt wird, wird die Frage im Juni 2012 auf dem Stimmzettel stehen. Mit einfacher Mehrheit können die Wähler dann den Kondomgebrauch bei Pornodrehs zur Pflicht machen.
Die große Mehrheit der amerikanischen Vollerotik-Produktionen wird im San Fernando Valley im Nordwesten von Los Angeles gedreht. Aids-Aktivisten versuchen bereits seit mehreren Jahren, Barebackpornos zu verbieten, nachdem mehrere Darsteller HIV-positiv getestet worden waren. Die AHF scheiterte aber mit mehreren Klagen. Auch von der Politik wurden die Aktivisten bislang enttäuscht: So hat der Stadtrat von Los Angeles einstimmig gegen ein städtisches Verbot von Bare-Produktionen gestimmt - statt dessen forderten die Stadträte den Bezirk und den Bundesstaat auf, einheitliche Regeln aufzustellen.
Bereits jetzt Geldstrafen für Porno-Produzenten
Die kalifornische Gesundheitsbehörde hat bereits Geldstrafen in Höhe von über 125.000 Dollar in den vergangenen fünf Jahren verhängt, weil Pornoproduzenten Richtlinien zum Gesundheitsschutz nicht einhielten. So sollte das Label Treasure Island Media etwa 21.500 Dollar zahlen, weil Mitarbeiter nicht vor "Sperma und anderen infektiösen Stoffen" geschützt worden seien (queer.de berichtete). Treasure Island Media hat jedoch wie viele andere Pornofirmen Einspruch gegen die Geldstrafen eingelegt.
Die AHF glaubt, die Bevölkerung von einem Bareback-Verbot überzeugen zu können: "Wir können gewinnen", erklärte AHF-Chef Michael Feinstein. "Warum sollen wir weiter Politiker auffordern, mal für eine Sache einzustehen, wenn wir direkt zum Volk gehen können."
Die Free Speech Coalition, der Industrieverband der Pornobranche, hat bereits angekündigt, dass nach einem Bareback-Drehverbot viele Filme außerhalb der Stadtgrenzen produziert werden würden - oder illegal ohne Lizenz. Die Organisation hat erst Ende August ein einwöchiges Drehmoratorium verhängt, nachdem ein Darsteller positiv getestet wurde. Es wurde aber wieder aufgehoben, nachdem sich das Ergebnis als falsch-positiver Test herausgestellt hatte (queer.de berichtete).
Auch mehrere Pornodarsteller haben sich zuletzt für eine Kondompflicht ausgesprochen. Als Sprecher der gegenwärtigen Kampagne hat die AHF Derrick Burts engagiert, der vergangenes Jahr nach einem Pornodreh positiv getestet wurde. Burts erlangte in Heterofilmen unter dem Künstlernamen Cameron Reid und in Schwulenfilmen als Derek Chambers Bekanntheit (queer.de berichtete).
In der schwulen Pornoszene in den USA ist bereits jetzt Bareback verpönt. So werden bei den jährlich vergebenen GayVN-Awards Filme, bei denen keine Kondome verwendet werden, automatisch disqualifiziert. Dennoch gibt es auch in Los Angeles mehrere Studios, die sich auf Bareback spezialisiert haben.
Trotz der Kampagne gegen Bareback-Filme erweisen sie sich gerade in Europa als äußert populär. So verzeichnet der niederländische Pornoversender Homoactive.com unter seinen Top-10 der bestverkauften DVDs acht Barebackproduktionen. Von ihnen stammen fünf aus der Tschechischen Republik, zwei aus den USA und einer aus Russland. Die beiden einzigen Filme in der Liste, in denen immer Kondome benutzt werden, kommen aus Großbritannien und Deutschland. (dk)













