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- 06. Dezember 2011 4 Min.

Ausschnitt aus "Romeos"
Nach Protesten unter anderem von Volker Beck und des LSVD hat sich die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) für "diskriminierende Formulierungen" in ihrer Begründung der Altersfreigabe des Films "Romeos" entschuldigt.
Die FSK veröffentlichte am Dienstag eine Stellungnahme mit der offiziellen Begründung zum Kinostart, in der sensibler argumentiert wird als in der ursprünglichen Bewertung. Die von der Regisseurin publik gemachte Fassung sei nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen, schreibt die FSK weiter, die an der Einstufung des Films als geeignet für Jugendliche ab 16 Jahren festhält. Bereits gegen die ursprüngliche Klassifizierung vom 5. September 2011 sei keine Berufung durch die Filmfirma eingelegt worden.
Die Geschichte über das Hadern des jungen Transmannes Lukas mit seiner Identität und der ersten Liebe biete eine "feinfühlige Sicht auf Fragen der sexuellen Selbstverwirklichung auf dem Weg zum Erwachsenwerden", heißt es nun in der offiziellen Bewertung. "Die Irrungen und Wirrungen, die Lukas dabei durchleben muss, das Sich-Ausprobieren im sich verändernden Körper gehen einher mit dem Ausloten von persönlichen Grenzen in der Partywelt junger Erwachsener - mit Alkohol- und Drogenkonsum sowie wechselnden Partnerschaften."
Der Film stelle bewusst Fragen, ohne vorgefertigte Antworten zu geben. "Zuschauerinnen und Zuschauer sind ab 16 in ihrer persönlichen Entwicklung soweit, dass sie diese Unsicherheiten souverän gemeinsam mit der Hauptfigur Lukas bearbeiten können. 12-Jährige allerdings sind mit dieser Aufgabe überfordert." Das wird nicht jeder Kritiker der Altersfreigabe so sehen wollen. An einer Stelle verwendet die ansonsten vorsichtig formulierte Begründung den unglücklichen Begriff "schwul-lesbisches Milieu".
Ursprünglich Desorientierung befürchtet
Trotzdem ist die neue Begründung wesentlich weniger homophob als die ursprüngliche. In ihr hieß es unter anderem: "Der Film zeigt einen leidenden jungen Menschen, der auf dem Weg der Geschlechtsumwandlung mit seinem Umfeld, mit Spott und Vorurteilen zu kämpfen hat. Damit behandelt der Film ein schwieriges Thema, welches für die Jüngsten der beantragten Altersgruppe, die sich in diesem Alter in ihrer sexuellen Orientierungsphase befinden, sehr belastbar sein könnte."
Weiter heißt es im ursprünglichen "Jugendentscheid" der FSK: "Die Schilderung einer völlig einseitigen Welt von Homosexualität im Film könnte hier zu einer Desorientierung in der sexuellen Selbstfindung führen. Die explizite Darstellung von schwulen und lesbischen Jugendlichen und deren häufige Partnerwechsel können verwirrend auf junge Zuschauer wirken."
Regisseurin fordert eine Freigabe ab 14
Diese Begründung sei "so klar homophob, dagegen muss man vorgehen", hatte sich die Kölner Regisseurin des Films, Sabine Bernardi aufgeregt (queer.de berichtete). Als Reaktion hatte der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck die FSK in einem Brief aufgefordert, die Einstufung zu überprüfen und zu korrigieren. "Es ist nicht Aufgabe der FSK, die Auseinandersetzung von Jugendlichen mit Homo- und Transsexualität zu unterbinden", erklärte der schwule Politiker. "Vielmehr sollte sie ein Interesse daran haben, dass Filme, die zur Aufklärung beitragen und Vorurteile abbauen auch jungen Menschen gezeigt werden können."
Die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität und geschlechtlichen Identität beginne spätestens in der Pubertät, erinnerte Beck. "Schwule, lesbische und transsexuelle Jugendliche existieren wirklich. Wenn die FSK meint, schon die filmische Auseinandersetzung mit diesem Thema sei Jugendlichen nicht zuzumuten - wie sollen Jugendliche auf die Konfrontation mit der Wirklichkeit vorbereitet sein?"
Auch der LSVD nannte in einer Pressemitteilung die Begründung "vollkommen unakzeptabel". Die Qualifizierung des privaten Umfelds von Lesben, Schwulen und Transgender als "einseitige Welt von Homosexualität" diffamiere eine ganze Bevölkerungsgruppe, so LSVD-Sprecher Manfred Bruns. Die Behauptung, diese Welt im Film zu sehen, könne zu Desorientierung in der sexuellen Selbstfindung führen, bediene "sich des Vorurteils, Homosexualität sei ansteckend oder könne gar durch das Betrachten von Bildern übertragen werden". Der "homosexuellenfeindliche Tenor" zeige sich auch in einer "Umpolungsrhetorik (...), die wir sonst nur aus Kreisen fundamentalistischer Homosexuellenhasser kennen". Vor allem verkenne die FSK "die Nöte von homo- und transsexuellen Jugendlichen".
In einem leicht unüberlegten Blogeintrag hatte die Regisseurin die FSK noch am Wochenende unter anderem dazu aufgefordert, die verantwortlichen GremiumsteilnehmerInnen (und deren sexuelle Orientierung) bekannt zu machen und demnächst Vertreter der LGBT-Community bei Entscheidungen über Filme zum Thema zu Rate zu ziehen. Auch sei zu überlegen, ob man bestimmte Filme nicht ab 14 freigeben sollte. (nb)
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bei filmen mit homosexueller und/oder transsexueller thematik ist es umso wichtiger das diese auch schon jüngere zielgruppen erreichen, damit sich die schwulen und trans kids endlich auch mal mit fernseh- und kinodarstellern und deren identifikationssuche identifizieren können und vor allem merken, das sie nicht alleine sind!
wenn ich im zdf sehe wie sich der 7 jähriger sohn der familie in seine schulkameradin verliebt und beide kinderschauspieler dafür die dümmsten heteroklischees erfüllen müssen, indem der knirps um seine angebetete buhlen muss wie abgekupfert bei den eltern damit sich die verblödeten zuschauer , frage ich mich wer hier wen flasch beeinflusst.