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Zickenalarm & rosa Schneekugel

Trash-TV wird immer schwuler

  • 14. Dezember 2011 18 3 Min.

"X-Diaries": Schluß mit dem Tuntengekreische, der homophobe Papa erleidet gleich einen Pflaumensturz (Bild: RTL2)

Immer mehr homo­sexuelle Karikaturen bevölkern den Fernseh-Bildschirm. Zwei Beispiele aus dieser Woche: "X-Diaries" (RTL 2) und "Schwer verliebt" (SAT.1).

Von Carsten Weidemann

Es gibt Sendungen im deutschen Fernsehen, von denen man sich wünscht, dass sie nie jemand außerhalb des Landes zu Gesicht bekommt. Vor allem das Genre der sogenannten "Scripted Reality Soap" oder auch "Doku-Novella" sorgt beim heimischen Zuschauer bereits für ein ordentliches Fremdschämgefühl. Für Außenstehende ergibt sich das Bild, die Deutschen wären ein Haufen ewig keifender schräger Freaks ohne Hirn und Verstand. In Sendungen wie "X-Diaries", "Frauentausch" oder "Schwer verliebt" werden zunehmend Schwule in den Mittelpunkt einzelner Episoden gestellt.

"Scripted Reality" heißt: Autoren denken sich Geschichten aus, die so oder ähnlich in der Realität passieren könnten. Laiendarsteller stellen sich zur Verfügung, um diese Stories nachzuspielen. Die Kamera wird so eingesetzt, dass es wie eine Dokumentation wirkt. Das komplett fehlende schauspielerische Talent versuchen die Beteiligten durch übertrieben viel Gezeter zu kompensieren. Heraus kommt ein Format, das für ahnungslose Zuschauer irgendwie echt wirkt, in dem permanent hysterisch rumgebrüllt wird, und das mit der Realität nicht das Geringste zu tun hat.

Pinscher, Papa, propere Jungs


"Schwer verliebt": Daniel (Mitte) hat gleich zwei Kerle zur Auswahl. Nimm doch einfach Beide. (Bild: SAT1)

In dieser Woche lässt sich die schwule Zickenvariante in "X-Diaries - Love, Sun, Fun" auf RTL2 bestaunen. Die Story: Der arbeitslose Friseur Victor (26) entschließt sich nach langer Jobsuche in Deutschland zusammen mit seinem Lebensgefährten Chris (32) nach Gran Canaria auszuwandern. Victor will dort einen Hundesalon eröffnen. Nach einem sexy Fotoshooting und einer spontanen Schwulen-Parade an der Playa del Ingles fliegen die Fetzen als der Konflikt mit dem homophoben TV-Vater von Victor bei einem Kamel-Ritt ausartet. Der Friseur wird gemimt von Chris Kappelmann, der sich selbst als der "Party-Prinz" bezeichnet und bereits bei diversen TV-Formaten den Quoten-Homo abgegeben hat.

Echt ist zwar der 20-jährige schwule Daniel, der sich über die Sendung "Schwer verliebt" bei SAT1 einen neuen Mann in sein etwas einsames Leben holen will, dessen Höhepunkte derzeit nur im Sammeln von Schneekugeln bestehen (queer.de berichtete). Der Rest dieser "Bauer sucht Frau"-Variante ist aber so gestelzt und aufgesetzt wie üblich in diesem Format. Löblich zwar, dass das stereotype schwule Schönheitsideal hier einmal kräftig überrollt wird, doch diese Sendung wendet sich nun einmal nicht an die Gay Community, sondern an die Massen, die sich gerne nach den Nachrichten Menschen zur Belustigung vorführen lassen (Ha ha, guck mal der Dicke, sieht selber aus wie seine Schneekugeln, und huh, schwul isser auch noch). Klischees werden mit dieser Märcheninszenierung nicht überwunden.

Sendetermine

X-Diaries: Wiederholung der schwulen Episode am 14. und 15.12 um 18 Uhr, RTL2
Schwer verliebt: Wdh. am 17.12. um 14:45 Uhr, neue Folge am 18.12., 19 Uhr, SAT1
-w-

#1 BurgerBerlin
  • 14.12.2011, 09:40hBerlin
  • Was möchte man gegen diesen Trash unternehmen - leider sind die Menschen so dumm und schauen sich diesen Müll an. Queer.de berichtete auch zu Genüge über Bauer sucht Frau. Wer glaubt, dies sei das normale Leben auf einem Bauernhof, der irrt völlig. Die "Scripted Reality" Formate sind zur Zeit ein beliebter Quotenfänger des privaten Fernsehens. Vermutlich wird der Tag kommen, da wollen die Zuschauer dies nicht mehr sehen. Da kann man nur warten und ansonsten "Abschalten". Die Dummen, die sich sowas anschauen, kann man leider nicht "Ausschalten" !!
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#2 Marco87Anonym
  • 14.12.2011, 10:33h
  • "Es gibt Sendungen im deutschen Fernsehen, von denen man sich wünscht, dass sie nie jemand außerhalb des Landes zu Gesicht bekommt"

    Meint der Autor tatsächlich scripted reality Formate seien eine deutsche Erfindung? Dafür brauchen wir uns nun wirklich nicht zu schämen - unsere Nachbarn kennen solche Formate bereits selbst zur Genüge. Diese Scheiße kommt doch gerade aus dem Ausland. In den angloamerikanischen und niederländischen TV-Trashküchen gibt es das schon viel länger als in unserem Privatfernsehen. Bei einem Praktikum bei einer Produktionsfirma in England habe ich selbst erlebt, dass selbst bei "echten" BBC-Doku-Formaten mittlerweile munter und schamlos hinein-editiert wird, ohne dass das zugegeben wird. Eine Frage der Zeit bis auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen bei uns seine momentan noch echten Dokus und Reportagen pimpt. Sehr schade das alles. Man kann nur hoffen, dass die Zuschauer diesen Mist irgendwann erkennen und abstrafen.
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#3 HinnerkAnonym
  • 14.12.2011, 10:50h
  • Was will man von diesem ganzen Scripted Reality-Scheiß erwarten, der die Privatsender zumüllt...

    Ich frag mich echt, wie die Zielgruppe solchen Mülls aussieht.

    Man hätte z.B. gut mal eine ECHTE Doku machen können, dass es auch viele Schwule jenseits von Modelmaßen gibt und wie schwer die es oft haben, einen Partner zu finden. Stattdessen macht man wieder nur eine Raritätenschau, die Voyeuristen ihre Lust am Gaffen und Lästern befriedigen können.

    Typisch: Privatfernsehen = Kommerzfernsehen!
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