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Anders als Tootsie
"Rubbeldiekatz" ist Schweighöfer eine Drag Queen
- 15. Dezember 2011 3 Min.

Untenrum rasieren, so wird Mann zum Frauenversteher (Bild: Universal Pictures)
Ein Job ist ein Job, sagt sich der erfolglose Theaterschauspieler Alexander und verwandelt sich in "Alexandra". Die neue Komödie von Detlev Buck.
Von Carsten Weidemann
Da gibt es einen Schauspieler, der arbeitslos ist. Egal, wo er vorspricht, er bekommt einfach keine Engagements, sein Typ ist nicht gefragt. Bis er aus lauter Verzweiflung für eine Frauenrolle vorspricht, und sich dafür entsprechend als Frau verkleidet. Und siehe da, es funktioniert. Er bekommt den Job beim Fernsehen und ist auch noch so erfolgreich, das er als sie zum Star wird. Der Schwindel könnte ewig so weitergehen, wenn da nicht die Liebe zu einer Frau wäre, die ihn schließlich zur öffentlichen Enttarnung motiviert. Die Story kommt bekannt vor? Na klar, das ist "Tootsie" mit Dustin Hoffmann in der Hauptrolle. Die Sensationskomödie aus dem Jahr 1982, die für zehn Oscars nominiert wurde und heute zu einer der besten Filme dieses Genres zählt.
Wer sich "Rubbeldiekatz" anschaut, der wird nicht an "Tootsie" vorbeikommen, denn das Vorbild, das Sydney Pollack so meisterhaft in Szene setzte, ist bei Detlev Bucks neuem Film unverkennbar vorhanden. Und dennoch ist es auch eine andere Geschichte, die weniger auf weniger bedeutungsschwangere Botschaften wie "Zeige dich so, wie du bist, und alles wird gut" enthält. "Rubbeldiekatz" mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle spielt einfach albern aber mit Niveau mit den durchaus fragwürdigen Rollenbildern von Mann und Frau, die in der Gesellschaft gang du gäbe sind.
In Kürze die Story: Ein Job ist ein Job, sagt sich der erfolglose Theaterschauspieler Alexander, verwandelt sich in "Alexandra", schlägt alle Konkurrentinnen aus dem Feld und ergattert tatsächlich eine Frauenrolle in einem großen Hollywoodfilm! Aber kann er in Pumps und ausgestopftem BH auf Dauer überzeugen? Mehr als ihm lieb ist! Sein Kollege beginnt ihn zu begrabschen, auch der genialische Regisseur findet ihn unwiderstehlich, Alex' Ex-Freundin flippt aus und seine ruppigen Brüder und deren durchgeknallter Kumpel mischen das Filmset auf. Alex würde seine falschen Locken am liebsten an den Nagel hängen, wenn es nicht längst zu spät wäre - er hat sich unsterblich in seine Partnerin verliebt: Superstar Sarah Voss. Die wichtigste Frage vor dem Happy-End: Ist Alex Frau genug, um seinen Mann zu stehen?
Tootsie Hoffman: Unerotischer Backfisch, Alexandra Schweighöfer: Heiße Braut

Oops! Busengrabscher in eigener Sache (Bild: Universal Pictures)
Der Komödien-Zeremonienmeister Detlev Buck verrät, wie es zu dem Filmtitel kam: "Es ist nicht anzüglich gemeint, sondern frech, er bringt Spaß, ist schnell - wie der Film. Der Ursprung des Ausdrucks ist jüdisch: Das Geld von jüdischen Kaufleuten war in ein Katzenfell eingenäht, und wenn man ein schnelles Geschäft macht, dann rubbelt man die Katze, das Katzenfell. Ist also historisch." Und wer den schnellen Euro verdienen will, tut dafür alles, sogar äußerlich sein Geschlecht wechseln. Eines muss man - im Vergleich zu Tootsie - durchaus anerkennen: Dustin Hoffman sah als Frau einfach grottenhaft schrecklich aus. Eine amerikanische Durchschnitts-Mutti mit hässlichen braunen Röcken und dieser unglaublichen 80er-Riesenbrille. Eine völlig unerotische Person.
Matthias Schweighöfer dagegen verwandelt sich überzeugend in ein junges sexy Girlie. Selbst seine Filmpartnerin Alexandra Maria Lara war nach einer Weile völlig verwirrt: "Am Anfang hat es ein bisschen gedauert, sich den Mann wegzudenken, was nichts mit seiner äußeren Erscheinung zu tun hatte - das lag einfach nur am eigenen Bewusstsein darüber, dass er eben ein Mann ist und vielleicht auch daran, dass wir uns vor dem Film schon länger kannten. Aber mit der Zeit hat sich das irgendwie gedreht, denn ich habe plötzlich mehr Stunden mit ihm als Frau verbracht und dann hatte ich tatsächlich das Gefühl: Ich sitze da mit einer Freundin und unterhalte mich. Verrückt, nicht?"
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