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- 20. Dezember 2011 3 Min.

Musste Platz für seinen jüngeren Bruder machen: Jugendbild des zweitältesten Diktatorsohnes Kim Jong-chol (Bild: Korean Times)
Eigentlich war ja Kim Jong-chol, der zweitälteste Sohn des "Geliebten Führers", als Thronfolger vorgesehen. Doch dann fand ihn Kim Jong-il zu "mädchenhaft" und kürte seinen Jüngsten Kim Jong-un.
Von Carsten Weidemann
Der Machtwechsel ging schnell vonstatten. Kaum hatte der "Generalissimo" im Zugabteil seinen letzten Seufzer getan, bekam sein jüngster Sohn Kim Jong-un die Hebel der Macht in die Hand. Dessen erste Amtshandlung soll das Abfeuern einer Kurzstreckenrakete zu Testzwecken gewesen sein. Damit er Welt gleich zeigen kann, dass er, der Neue, ordentlich Eier in der Hose hat. In Königreichen wie in Diktaturen steht ja eigentlich dem Ältesten die Erbnachfolge zu, doch es hat in paar Komplikationen in des Führers Familie gegeben. Kim Jong-nam, der Erstgeborene, hatte versucht, mit einem gefälschten Reisepass nach Japan einzureisen, um dort Disneyland zu besuchen, und war dadurch in Ungnade gefallen.
Also sollte der Zweitältesteste, Kim Jong-chol ran, und wurde auch schon mit den entsprechenden Posten beim Militär und im Propaganda-Ministerium ausgestattet, die den Marsch nach oben geebnet hätten. Doch spätestens 2009 war klar: Er wird es nicht. Einen Grund dafür lieferte ausgerechnet Kenji Hujimoto, der japanische Chef-Sushizubereiter des Diktators, der in dem Buch "I Was Kim Jong Il's Cook" intime Details aus dem Machtapparat ausplauderte. Laut Hujimoto habe Kim Jong-il wenig von seinem Jüngsten gehalten, "weil er wie ein kleines Mädchen ist". Kim Jong-chol zu feminin für den Diktatorposten?
Mal abgesehen davon, dass der Kommunistenführer mit seiner Frisur und der großen Brille ziemlich viel Ähnlichkeit mit Sophia Petrillo von den Golden Girls hatte und damit auch nicht gerade sehr männlich wirkte, was steckt hinter diesem Vorwurf?
Der japanische Sushi-Koch rührte mit am nordkoreanischen Gerüchtesüppchen

Ganz schön Girlie: Der verblichene "Geliebte Führer" und das geliebte Golden Girl Sophia (Bild: Montage queer)
Wie beinahe bei allem aus Nordkorea: es gibt viele Gerüchte und wenig Fakten. Kim Jong-chol soll 1981 geboren worden sein und wäre damit heute 30 Jahre alt. Das US-Magazin "Newsweek" hatte 2009 in einem Artikel über den Studienaufenthalt des Jungen in einem Internat in der Schweiz berichtet. Inkognito natürlich unter einem falschen Namen und in Begleitung eines - als Studenten getarnten - Bodyguards war er in Bern aufgetaucht. Während Papi sein atomares Drohpotential aufbaute, träumte sein Sohn ganz naiv vom Weltfrieden, wie ein Schulaufsatz aus dieser Zeit verrät: "In meiner idealen Welt würde ich keinerlei Waffen und Atombomben erlauben. Ich würde alle Terroristen mit Hollywoodstar Jean-Claude Van Damme vernichten. Ich würde die Menschen dazu bewegen, mit den Drogen aufzuhören." Ein effeminiertes nordkoreanisches Friedenstäubchen mit einer Vorliebe für den männlichen Übermacho Van Damme?
Für das Girlie-hafte folgte bald noch eine medizinische Erklärung über die südkoreanischen Medien. Die berichteten 2006, Kim Jong-chol hätte Kliniken in Europa besucht, um sich wegen einer seltenen Krankheit behandeln zu lassen. Sein Körper produziere, wohl wegen missbräuchlicher Nutzung von Stereoiden, zu viel weibliche Hormone.
Weder Geliebter Führer noch ein Geliebter des Führers

Neuere Aufnahme des Sohnes mit der "Hormonstörung" (Bild: Korean Times)
Ob Kim Jongchol nun seinen ausformulierten Wunsch nach einem Drogenstopp nicht ernst genug genommen hat oder ob das "Mädchenhafte" etwas mit seiner sexuellen Orientierung zu tun hat, das werden wir im dekadenten Westen wohl nie erfahren. Doch hat sich (Nord)korea möglicherweise um die Chance gebracht, ein zweites Mal im Lauf der Geschichte einem Schwulen die Macht zu überlassen.
Wie das Onlinemagazin "queerty" berichtet, habe es im 14. Jahrhundert mit Gongmin von Goryeo einen Führer gegeben, der so offensichtlich verrückt auf Jungs war, dass ihm 2008 ein südkoreanischer Spielfilm gewidmet wurde. In "A Frozen Flower" wird die fiktionale Liebesgeschichte zwischen dem König und dessen Militärchef Hong Lim erzählt.
Links zum Thema:
» Wikipedia über Kim Jong-chol
» World Tribune über die 3 Söhne (engl.)
» Queerty über die Homogerüchte zu Kim Jong-chol
» "Frozen Flowers", Spielfilm über einen schwulen König in Korea
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