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Kirchenkritikerin
Ranke-Heinemann hält Papst für schwul
- 20. Dezember 2011 3 Min.

Uta Ranke-Heinemann
In einem Interview sagte die Theologin Uta Ranke-Heinemann, dass sie Papst Benedikt XVI. früher für asexuell gehalten hatte - jetzt ist sie sich nicht mehr so sicher.
Im Interview mit dem Lifestyle-Magazin "Vice" erklärte die 84-Jährige, wie sie Ratzinger bei ihrem Studium der katholischen Theologie Anfang der 1950er Jahre kennenlernte. Er sei ihr idealer Studienpartner gewesen, da sie befürchtete, dass andere männliche Kommilitonen mehr wollten als nur studieren: "Und so bin ich dann fündig geworden: Ratzinger. Er hatte schon immer die Aura eines Kardinals, hochbegabt, bei gleichzeitiger Abwesenheit jeglicher Erotik", erinnert sich Ranke-Heinemann. "So war es dann auch. Er war das reine Latein. Wobei ich sagen muss, dass ich ihn für absolut asexuell gehalten habe". In dieser Beziehung habe sich aber ihre Meinung über den jetzigen Papst geändert: "Es gibt ein Foto mit Tarcisio Bertone, seinem neuen Staatssekretär, darauf überreicht er ihm irgendetwas. Und er blickt ihn so an, und ich dachte .... na, verstehen Sie, was ich dachte?".
Bertone ist für die politischen Aktivitäten der Kirche verantwortlich - und hat sich in dieser Funktion wie sein Chef mit homofeindlichen Aussagen einen Namen gemacht. So erklärte er im vergangenen Jahr, dass es einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Kindesmissbrauch gebe (queer.de berichtete).
These von David Berger

Kirchenstaatssekretär Tarcisio Bertone: Heiße Blicke vom Papst
Die These vom heimlich homosexuellen Papst macht insbesondere in Blogs oft die Runde. Der Theologe David Berger, der sich im vergangenen Jahr geoutet hatte und daraufhin von der katholischen Kirche gefeuert wurde, hatte zuvor bereits in katholischen Medien mit dem Papst-Outing für Aufregung gesorgt (queer.de berichtete). Er freut sich gegenüber queer.de darüber, dass Ranke-Heinemann "dank meines Einflusses ihre Einschätzung bezüglich der Veranlagung des Papstes verändert hat".
Im Interview bezweifelt Ranke-Heinemann auch, dass die Kirche in der Frage der Homo-Rechte reformfähig ist. "2.000 Jahre Sexualfeindlichkeit der katholischen Kirche haben in Köpfen vieler Katholiken derartige Hirnschäden hinterlassen, dass sie selbst die eifrigsten Vertreter ihrer eigenen erbsündlichen Unreinheit sind, die erst durch die Taufe abgewaschen werden muss", erklärte die Theologin.
Ranke-Heinemann, die älteste Tochter des angesehenen deutschen Präsidenten Gustav Heinemann, wurde als Protestantin geboren, konvertierte aber Anfang der 50er Jahren zum Katholizismus. Beim Theologiestudium lernte sie daraufhin Ratzinger kennen. 1970 wurde sie die erste Professorin für katholische Theologie weltweit. 1987 entzog ihr der Essener Bischof er Franz Hengsbach die Lehrerlaubnis, weil sie die biblische Jungfrauengeburt angezweifelt hatte. In ihrem Buch "Eunuchen für das Himmelreich" kritisierte sie daraufhin die Sexualpolitik des Vatikans - und wurde zur Ikone für Kirchenkritiker. Wegen ihres Einsatzes für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben erhielt sie ebenfalls Anerkennung. 2009 wurde sie dafür mit dem Toleranzpreis des Essener CSDs ausgezeichnet (queer.de berichtete). (dk)















Aber es ist gut, wenn auch einmal so prominente Heterosexuelle wie Uta Ranke-Heinemann dies aussprechen.