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  • 23. Dezember 2011 15 3 Min.

Nein, das ist nicht Angelo Algieri. Wir wünschen uns auch nicht unbedingt, dass der Herr auf dem Foto überhaupt zu unserer Zielgruppe gehört

queer.de-Literaturkritiker Angelo Algieri gibt sich zum Jahresende ganz bescheiden: Nur 41 Punkte stehen auf seiner Weihnachts-Wunschliste an schwul-lesbische Autoren, Verlage und Leser.

Von Angelo Algieri

1. Ich wünsche mir keine langweilige Literatur.
2. Ich wünsche mir Bücher, die zur Diskussion anregen.
3. Ich wünsche mir Inhalte, die einen herausfordern.
4. Ich wünsche mir Figuren, die nicht klischeehaft besetzt sind, sondern überraschen.
5. Ich wünsche mir Unterhaltungsliteratur, die gut und spannend erzählt wird.
6. Ich wünsche mir schwul-lesbische Literatur, die auch gesamtgesellschaftlich Akzente setzt.
7. Ich wünsche mir von den Autoren viel mehr Mut, andere Formen zu probieren, zu experimentieren.
8. Ich wünsche mir, dass die Homo-Verlage auch Literatur vom Ehrengastland zur Frankfurter Buchmesse verlegen - oder kennt jemand schwule Literatur aus Neuseeland, dem Gastland 2012? Und wenn nicht gleich Neuseeland, dann doch Brasilien (2013) und Finnland (2014)...
9. Ich wünsche mir viel mehr internationale Autoren, die in Homo-Buchhandlungen Lesungen halten.
10. Ich wünsche mir von den queeren Verlagen viel mehr Mut, experimentierfreudige Literatur zu veröffentlichen.
11. Ich wünsche mir Lektoren, die nicht in die Texte so eingreifen, dass man ihren Stil merkt, statt den des Autors.


Ich wünsche mir, dass keine Homo-Buchhandlung schließen muss...

12. Ich wünsche mir, dass Buchhändler und Verleger weniger meckern und gemeinsam Lösungen finden, neue Käuferschichten anzusprechen.
13. Ich wünsche mir, dass keine Homo-Buchhandlung schließen muss.
14. Ich wünsche mir gemeinsame Veranstaltungen, in der ein Homo- und ein Hetero-Autor vorgestellt wird.
15. Ich wünsche mir viel mehr Gedichtsveröffentlichungen.
16. Ich wünsche mir viel mehr Dramen - auch wenn sie noch nicht auf die Bühne kamen.
17. Ich wünsche mir, dass homo­sexuelle Leiter von Literaturinstituten mehr Homo-Veranstaltungen organisieren, sich mehr für sie einsetzen.
18. Ich wünsche mir Lesungen an ungewöhnlichen Orten.
19. Ich wünsche mir, dass gerade die großen Verlage, wenn es um homo­sexuelle Inhalte geht, diese auch klar benennen und nicht so unerträglich allgemein um den heißen Brei reden.
20. Ich wünsche mir einen großen queeren Literaturpreis, um neue Autoren zu entdecken.
21. Ich wünsche mir queere Autorenstipendien.
22. Ich wünsche mir ein Homo-Literaturfestival.
23. Ich wünsche mir, dass Homo-Verlage viel mehr in der sogenannten Provinz Lesungen veranstalten.
24. Ich wünsche mir, dass Homo-Verlage in der Vermarktung kreativer sind.
25. Ich wünsche mir, dass die Möglichkeiten der Multimedialität in E-Books eingesetzt wird.
26. Ich wünsche mir, dass Lesungen bei freiem Eintritt veranstaltet werden.
27. Ich wünsche mir, dass mehr Jungschwuppen und Schwule mit Migrationshintergrund zu den Lesungen auftauchen.


Ich wünsche mir zum Inhalt passende Cover...

28. Ich wünsche mir, dass Kritiker stärker Position beziehen, aber dennoch fair bleiben.
29. Ich wünsche mir, dass Verleger sportlich eine Kritik aufnehmen.
30. Ich wünsche mir, dass schwule Star-Kritiker viel mehr schwule Literatur rezensieren.
31. Ich wünsche mir, dass jedes Buch rezensiert wird, auch wenn es schlecht ist.
32. Ich wünsche mir, dass Kritiken für jeden leicht lesbar sind.
33. Ich wünsche mir, dass mehr schwule Graphic Novels verlegt werden.
34. Ich wünsche mir einen Jahreskalender mit gutaussehenden Literaten.
35. Ich wünsche mir ein engagiertes und stärkeres Marketing für queere Bücher, etwa mit einer Plakataktion oder einer Aktionswoche in großen Buchhandlungsketten.
36. Ich wünsche mir viel mehr schwule Schriftsteller mit Migrationshintergrund.
37. Ich wünsche mir, dass auch Homo-Bücher mit größerer Schriftgröße angeboten werden.
38. Ich wünsche mir zum Inhalt passende Cover.
39. Ich wünsche mir mehr Teilnahme der Leser am Verlagsprogramm - etwa durch Auswahl von verschiedenen Texten, und der erstplatzierte wird verlegt.
40. Ich wünsche mir, dass Buchhändler ihre Kunden und Supporter fragen, welchen Autor sie einladen sollen.
41. Ich wünsche mir, dass wenigstens einige meiner Wünsche in Erfüllung gehen.

-w-

#1 KulturfanAnonym
  • 23.12.2011, 09:07h
  • Eine sehr gute Liste! Allerdings ist der Fokus etwas zu stark auf "schwul" gerichtet. Eine Neuerung wäre allein schon die Sichtbarkeit von mehr lesbischen, trans* und queeren Autoren.
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#2 DadoMucAnonym
  • 23.12.2011, 09:17h

  • Tja da müssten die lieben Lesben einfach mal was machen und nicht die ganze öffeliche Arbeit den Schwulen über lassen und nicht dann auf die bescheuerte Idee kommen den Christopher Street Day
    In Christina Street Day umzubenennen und ect.
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#3 LeserAnonym
  • 23.12.2011, 09:36h
  • "Ich wünsche mir Figuren, die nicht klischeehaft besetzt sind, sondern überraschen."

    Absolut ja. Und zwar egal ob heterosexuelle oder schwule Literatur. In der Unterhaltungsliteratur gibt es viel zu häufig Figuren die geradlinig sind und langweilig vorausschaubar.
    Die Einteilung in Gut und Böse beispielsweise ist klar definiert, realistischer und spannender wäre eine Vermischung oder zumindest Grenzverschiebung dieser Einteilung im Denken und Handeln der Protagonisten.

    Meinem Geschmack nach gibt es in schwuler Literatur zu viele Bücher die das Thema Coming Out als Schwerpunkt haben. Wenn das Coming Out nur eine Nebenhandlung darstellt oder bereits vollzogen ist, gibt es mehr Platz für andere, spannende Themen mit schwulen Protagonisten.
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