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- 25. Dezember 2011 2 Min.

Schwul, dauernd pleite, drogensüchtig und hoch talentiert: Herman Bang (1857-1912) (Bild: Wiki Commons / Mahlum / CC-PD-MarkPD Old)
Lothar Müller zeichnet in einem Essay den Lebensweg des schwulen Autors und Journalisten, verhinderten Schauspielers und Theaterkritikers Herman Bang nach.
Von Carsten Weidemann
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts galt er als der bedeutendste dänische Journalist seiner Zeit - und gleichzeitig als Skandalnudel Nummer eins: Herman Bang lebte das Leben eines Dandys, machte aus seiner Homosexualität kein Geheimnis und inszenierte sich als Gesamtkunstwerk nach dem Vorbild von Oscar Wilde und Joris-Karl Huysmans. Sein erster Roman "Haabløse Slægter" (auf Deutsch: Hoffnungslose Geschlechter wurde 1880 wegen "Unsittlichkeit" verboten. Bang war stets in Geldnöten, litt unter Depressionen und konsumierte häufig Drogen.
In seinem jetzt im Deutschen Kunstverlag erschienen Essay "Herman Bang. Leben in Bildern" zeichnet Lothar Müller, Feuilleton-Redakteuer bei der Süddeutschen Zeitung, den Lebensweg des dänischen Autors und Journalisten, verhinderten Schauspielers und Theaterkritikers nach. Sein mit 88 Abbildungen großzügig illustriertes Buch gibt Einblicke in ein Werk, das 100 Jahre nach Bangs Tod immer mehr Leser in Deutschland neuerlich in seinen Bann zieht.
Repräsentant der dänischen Dekadenz

SZ-Redakteur Lothar Müller erinnert anlässlich des hundersten Todestages an einen großartigen Schriftsteller
Bang, 1857 als Sohn eines Pastors auf der Insel Alsen geboren, brach sein Studium der Jura und Staatswissenschaften an der Universität Kopenhagen ab, um sich erst am Theater und dann als Journalist zu versuchen. 1879 gelang ihm der Durchbruch, als er bei der "Nationaltidende", eine für die damalige Zeit moderne Form des Feuilletons kreierte: Unter der Rubrik "Wechselnde Themen" verfasste er über vier Jahre lang mehr als 200 Sonntagsfeuilletons über so ziemlich alles, was im Kopenhagen König Christians IX. passierte - ein buntes Gemisch von literarischer Kritik und Erlebnisjournalismus, der auch Reiseberichte, Spaziergänger sowie Porträts interessanter Persönlichkeiten einschloss.
Seine Romanveröffentlichungen waren zunächst dem Naturalismus verhaftet und wurden etwa von Émile Zola, Henrik Ibsen und Charles Darwin beeinflusst. In seiner weiteren literarischen Entwicklung wurde Herman Bang zum Schöpfer des dänischen Impressionismus und der Repräsentant der dänischen Dekadenz. Seine Schriftstellerkollegen in Deutschland erkannten ihn früh als einen der bedeutendsten Prosaautoren der skandinavischen Moderne. Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal, Hermann Hesse und Thomas Mann lasen und empfahlen seine Bücher, Klaus Mann machte ihn sogar zum Helden einer Erzählung.
Mehrere Reisen führten Bang durch Europa und die USA. Auf einer Vortragstour durch die USA erlitt Bang 1912 im Zug nach San Francisco einen Schlaganfall und starb in der Klinik in Utah. Er wurde auf dem Vestre Kirkegård in Kopenhagen begraben. Das Grab ist anonym, aber unter einer Blutbuche identifizierbar.
Lothar Müller: Herman Bang. Leben in Bildern, 88 Seiten mit 30 Duplex-Abbildungen, 21 x 28 cm, Hardcover, Deutscher Kunstverlag, Berlin 2011, 19,80 €, ISBN: 978-3-422-07042-4
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